The Lost Vikings

 

Heute möchte ich über ein Spiel sprechen, das 1992/1993 für Amiga, DOS, SNES und Megadrive herausgekommen ist: The Lost Vikings. Später gab es auch eine Gameboy Advance Version des Spiels sowie eine Umsetzung für Amiga CD32.

Die Firma dahinter, Silicon & Synapse, wird jetzt vielleicht nur Experten etwas sagen, auch weil sie sich kurz nach dem Spiel mehrfach umbenannt hat. Kurz nach Lost Vikings benannte sich das Studio in Chaos Studio um, um kurze Zeit danach festzustellen, das es ein Unternehmen namens Label Chaos gab. Also benannte man sich wieder um, und zwar diesmal endgültig. 

Der heutige Name des Studios hat bei Spielern ein Ruf wie Donnerhall, denn Lost Vikings ist ein Frühwerk von niemand geringerem als Blizzard Entertainment. Bizzard wurde ja recht schnell ein Gigant, dank der Erfolge des Warcraft Universums. Mitte der 2000er fusionierte man zu Activision/Blizzard und wenige Tage vor diesem Post, also im Januar 2022, platzte die Bombe: 
Microsoft übernimmt "den ganzen Laden" für sage und schreibe 68,7 Milliarden Dollar!!

Um so mehr lohnt es sich, auf das Frühwerk "The Lost Vikings" zu blicken.

Lost Vikings ist ein "sidecrolling plattform puzzle game", also eine Mischung als Plattformer und Rätselspiel. Die Story des Spiels besagt, das die drei Wikinger Eric, Olaf und Baleog von dem Alienherrscher Tomator entführt wurden, der die drei gern in einer Ausstellung der Kreaturen der Galaxis zeigen möchte. Eure Aufgabe ist es, die Wikinger wieder wohlbehalten in ihr Dorf und zu ihren geliebten Familen zu bringen.

Das Intro auf dem Amiga

Das Besondere an dem Spiel ist die Tatsache, das jeder der Wikinger einzigartige Fähigkeiten besitzt. Eric kann rennen, springen und mit seinem Helm so manche Wand durchbrechen. Als zweiter ist Olaf zu nennen, der ein großes Schild mit sich herumträgt. Dieses setzt er zur Verteidigung ein, indem er Geschosse abblockt, er kann es sich aber auch über den Kopf halten, und damit, sozusagen als Fallschirm, Abgründe hinuntersegeln. Als dritte Verwendung kann es auch als Treppe für die Kollegen dienen. Der Dritte im Bunde, Baleog, ist der Kämpfer und der Einzige, der Gegner aktiv mit Schwert bzw. Pfeil und Bogen bekämpfen kann. 

Darf ich vorstellen? Eric....

Olaf, der irgendwie immer gemütlich wirkt und etwas an Obelix erinnert

Baleog, ein großer Kämpfer mit Pfeil und Bogen sowie mit dem Kurzschwert

Aufgabe des Spielers ist, die drei Wikinger in den Levels so geschickt einzusetzen, das alle unbeschadet das Levelende erreichen. Dabei muss man immer wieder zwischen den Dreien umschalten, weil zum Beispiel erst durch Baleog ein Gegner erledigt werden muss, bevor Eric über einen Abgrund springen kann um dann wiederum den anderen einen Weg durchs Level zu bahnen, beispielsweise indem er eine Tür öffnet.

Der schwebende Olaf.... 

In diesem Stil rätselt an sich durch die Level, die in verschiedene Welten eingeteilt sind. Nach erfolgreichem Bestehen eines Levels bekommt man einen Code, um beim nächsten Spielen direkt dort einsteigen zu können. Die Levelwelten reichen von einem Raumschiff, einem ägyptischen Levelset bis hin zu einer prähistorischen Landschaft mit Dinosauriern. 

Damit wäre das Spiel weitestgehend erklärt. Auch wenn es vielleicht simpel klingt, ist es unglaublich, was die Entwickler aus dieser Grundsituation gemacht haben. Es gibt so viel clevere Rätsel in dem Spiel, das es wirklich eine Freude ist, das Spiel zu zocken. Immer wieder geht man in Gedanken die Fähigkeiten der drei Protagonisten durch und fragt sich: "Was bzw. wer könnte jetzt hilfreich sein"? "Wen setze ich zuerst ein?" Ein großer Spaß. Die knuffigen Animationen, die auch den einen oder anderen Gag liefern, tun ihr übriges zur gelungenen Gesamtpräsentation. 

Das hat bestimmt weh getan.....

Ein großer Spaß sind auch die lakonisch-humorvollen Kommentare der drei Wikinger untereinander, die aus dem Spiel einen wirklich humorigen Titel machen. Wenn man in einem Level oft scheitert, unterhalten sich die drei untereinander schon sehr direkt über die Schwierigkeit des Levels, aber auch über die offensichtlich mangelnden Fähigkeiten des Spielers... Ja, sie beleidigen diesen und rufen, weil nichts mehr anderes zu helfen scheint, die nordischen Götter zur Hilfe, die dem unfähigen Spieler doch bitte zur Seite stehen mögen.

Das ägyptische Level-Set

Wie schon gesagt, man muss alle drei Protagonisten durchs Level bringen. Gelingt das nicht, wird man Zeuge einer stilechten Wikinger Beerdigung.....

Wenn ihr diesen Bildschirm seht, ist irgendwas fundamental schiefgelaufen.....

Die Mischung aus verschiedenen Genres kam bei Spielern und Presse sehr gut an. Besonders auf dem SNES gilt das Spiel als eines der besten Knobelspiele, das je für die Konsole erschienen ist.

Auch die Presse war sich seinerzeit einig: Ein großartiges Spiel, weshalb sich viele Bewertungen im 80er Bereich abspielen. Natürlich wird der logische Vergleich zu den Lemmings gezogen, wo man ja auch verschiedene Fähigkeiten kombinieren muss. Aber "The Lost Vikings" hat einfach einen eigenen Charme und macht es zu einem "Klassiker unter den Denkspielen" ("Playtime"). Alle loben das Leveldesign der 36 Level, die schicke Präsentation und den schön schrägen Humor des Spiels.

The Lost Vikings bekam 1996 mit "Lost Vikings II" ("Norse by Norse West - The Return of the lost Vikings") einen Nachfolger und gilt bis heute als Kultspiel. So sehr, das die Wikinger immer mal wieder Cameo-Auftritte und -Erwähnungen in anderen Spielen bekommen. Solche Auftritte gab es z.B. als NPC in World of Warcraft, in Starcraft II, Warcraft III und weiteren Titeln. 2014 veröffentlichte Blizzard das Spiel, in moderner Windows Version,  als Freeware auf der Battle.net Webseite.     

The lost Vikings II

Blizzard selbst hat das Spiel übrigens 2021, zum 30-jährigen Bestehen des Unternehmens, mit einem kleinen Artikel gewürdigt. Dort geht man auch auf die eine oder andere Anekdote zum Spiel ein.

Hier geht es zum Artikel.

Fazit:

Das Spiel ist eine gelungene, sich selbst nicht allzu Ernst nehmende, Mischung aus Plattformer, Logik- und Rollenspiel mit Comedy Dialogen. Auch heute spielt sich das Spiel hervorragend, es ist sehr gut gealtert. Das Spielprinzip ist unsterblich, auch wenn man es schon in vielen Titeln gesehen hat. Die Charaktere dieses Spiels und der mit ihnen einhergehende Humor machen "The Lost Vikings" aber zu einem besonderen Titel, den jeder mal gespielt haben sollte. Zudem ist es eines der wenigen Spiele, für das sich sowohl ich als auch meine Freundin gleichermaßen begeistern können. 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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