Retrospiele: Minesweeper


Minesweeper.... ein Spiel das wohl jeder Computerbesitzer besitzt bzw. mal besessen hat, wenn es auch nicht jeder gern spielt. Das Spiel, natürlich am bekanntesten in seiner Windows Version, hat eine viel längere Geschichte, als die meisten denken....deshlab möchte ich diese heute erzählen.

Wie jeder weiß, besteht das Spiel aus einem Bildschirm mit vielen verdeckten Feldern und einer gewissen Anzahl an Minen darunter. Klickt man ein minenfreies Feld an wird es aufgedeckt, erwischt man eine Mine, explodiert sie und das Spiel ist vorbei. Der erste Klick im Spiel ist immer ein minenfreies Feld.
Die einzige Hilfe, die man bekommt, sind Zahlen auf den aufgedeckten Feldern, die einem sagen, wieviele Minen in den benachbarten Feldern zu finden sind. In der Windows Version können das 1-8 Minen sein. Der Rest ist dann einfach Logik. Das Spiel geht auf Zeit und ist gewonnen, wenn alle minenfreien Felder aufgedeckt sind.

Diese Art von Logikspiel ist sehr alt, die ersten Versionen ähnlicher Spielideen gab es auf Mainframe Systemen aus den 60ern. Als erste "moderne" Variante gilt ein Spiel namens "Cube", das Anfang der 70er Jahre ebenfalls auf Mainframes lief. 1978 gab es dann eine, von Jarimac Ratcliff programmierte, Basic Version eines 3D-Würfels als Spielfeld, in dem man Minen ausweichen musste.


Es folgten Anfang der 80er eine ganze Menge von Spielen in Minenfeldern. Darunter waren Exoten wie das Spiel "Minefield" für den Jupiter Ace:

Minefield (1983)

In dieser Version steuerte man eine kleine Figur durch ein Minenfeld und zwar von links oben nach rechts unten. Das hier ist übrigens der britsiche Jupiter Ace Computer:


Etwas bekannter ist vielleicht das ebenfalls 1983 erschienene Spiel Mined-Out, das auf nicht minder exotischer Hardware lief: BBC Micro, Camputers Lynx, ZX Spectrum, Dragon 32/64, Electron und Oric. Auf dem ZX Spectrum sah es so aus:

Mined out (1983)

Auch hier begab man sich in einen Raum, den es zu durchqueren galt. Hier wurde einem oben links angezeigt, wenn eine Mine in der Nähe war, der man ausweichen sollte. Ein kompletter Raum konnte dann so aussehen:

Mined Out (1983)

1985 kam dann mit Relentless Logic eine erste DOS Variante auf dem Markt, die in schönster Ascii Grafik daherkam:

Relentless Logic (1985)

Es gab auch eine, in Turbo Pascal geschriebene, Dos-Version namens Turbo Miner, die Teil des Spielepaketes "Turbogames" war:

Turbo Miner für DOS
(Lizenz: CC BY-SA 4.0, Autor: Kzuse)

1990 erschien dann das Spiel Mines von Ian Heath für Windows 3.x, das schon aussieht, wie die spätere Microsoft Version von Minesweeper:

Mines (1990)

Diese kam dann ebenfalls 1990 als Teil des Entertainment Pack I für Windows 3.0 heraus. Sie wurde ursprünglich von Curt Johnson für OS/2 geschrieben und von Robert Donner für Windows portiert. 

Seit Windows 3.1 (1992) liegt Minesweeper bei jedem Windows bei und ist, neben Solitaire, DAS Windows Spiel für "nebenbei". 


In dieser "klassischen" Version gibt es 3 Schwierigkeitsgrade:

Beginner:                 8 x 8 Felder mit 10 Minen (16%)
Fortgeschritten:       16 x 16 felder mit 40 Minen (16%)
Experte:                    30 x 16 felder mit 99 Minen (21 %)  

In späteren Versionen wurden die Anzahl der Felder hochgesetzt. Im Beispiel oben sind es 9x9 Felder (ab Windows 2000), aber bei ebenfalls 10 Minen. Es wurde also die Rate der Minenfelder auf 12% herabgesetzt, was das Spiel schneller lösbar machte. 

Es folgten 1991 Minesweep für den Apple II....


....dicht gefolgt von der Gameboy Version 1992:


Wie oben beschrieben legt Microsoft seit 1993 Mnesweeper bei Windows bei, ähnliche Versionen gibt es aber auch für andere Betriebssysteme und Desktops so z.B. K-Mines für Linux KDE, Gnome Mines für den GNOME Desktop, Mine Hunt für Palm OS und so weiter. Heute gibt es Minesweeper Clones für nahezu jedes grafische Computersystem. 

Vielleicht mal als kleinen Fun-Fact: Ein Minesweeper ähnliches Spiel gab es sogar auf den grafischen Taschenrechnern von Hewlett-Packard:


Natürlich wurde das Spielprinzip über die Jahre und Jahrzehnte weiter verfeinert und erweitert.
So gibt es zum Beispiel:

Eine Version mit mehreren Minen pro Feld...

Mines 1.0 Add-On für Firefox (Lizenz: MPL 1.1)


Varianten in 3D.....:

Minesweeper 3D


....Hexfeldern....:

Wabenförmige Version für Firefox (Lizenz: GPL)

....oder dreieckigen Feldern:


Es gibt zu Minesweper einen Haufen Rekorde, die durch das Netz geistern. Für die kleine "Beginner-Variante" des Windows Spiels gilt ein Rekord von 6.94 Sekunden als "offiziell". Laut der Seite Twin Galaxies, die solche Rekorde international verwaltet und prüft, hat diesen Rekord Matthew E Torrez aufgestellt. Für die Expertenvariante gilt 3:06 Min von Craig Rout Gallant als offiziell. 
Bei Twin Galaxies werden Rekorde nachvollziehbar eingereicht, bewiesen und überprüft.
Dazu müssen die Rekorde mit ganz bestimmten Versionen des Spiels aufgestellt werden, die als "sauber" gelten, was Cheats und andere Hilfsmittel angeht. Es gelten auch weitere Regeln für Rekorde, damit alles vergleichbar bleibt. International gelten nur "Twin Galaxies Rekorde" als "echt" und anerkannt. Die Community prüft die Rekorde, wenn sie als "undisputed" gelten, sind sie offiziell.
Hier mal ein Link zum Beispiel zum Rekord von Matthew Torrez inkl. Beweisvideo:

https://www.twingalaxies.com/showthread.php/160780

Jeder Minesweeper Spieler weiß natürlich, das gute Zeiten auch zu einem guten Teil dem Zufall geschuldet sind, nämlich ob man eine "einfache" Lage der Minen erwischt oder eine schwere. Auch kann man das Glück haben, das mit dem ersten Klick auf ein freies Feld mehr als die Hälfte des Spielfeldes schon gelöst wird, weil eben viele minenfreie Felder zusammenhängen. Auf dem Beweisvideo des Rekordes von Matthew Torrez ist das gut zu sehen, nämlich das er einige Anläufe nimmt, bevor er ein wirklich einfaches Spielfeld "erwischt" (siehe Video oben).   

Auf Youtube gibt es deutlich schnellere "Speedruns" zu sehen, so z.B. die Lösung eines Expertenfeldes in unter 30 Sekunden oder eines Beginner Feldes in 0,5 Sekunden. Allerdings sind diese Rekorde nicht offiziell, weil man eben nicht zweifelsfrei ausschließen kann, das Hilfsmittel, Cheats, Veränderungen am Code oder eine KI "nachgeholfen" haben. Beeindruckend sind diese Videos aber trotzdem:



Fazit: 
Minesweeper ist ein unsterbliches Spielprinzip, das schon Jahrzehnte überdauert hat und durch sein einfaches Regelwerk, aber seinem trotzdem komplexen Spielablauf begeistert. Es gilt, logischerweise, als eines der verbreitetsten Spiele überhaupt und vermutlich hat jeder Computerspieler es irgendwann mal gespielt. Ich selbst spiele es immer wieder gern, einfach weil es ein geniales Spielprinzip ist und man das Spiel mit reiner Logik lösen kann.  

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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