Firmenportrait Neo Software

 


Neo Software wurde 1993 in Hirtenberg / Niederösterreich von Niki Laber, Hannes Seifert und Peter Baustätter gegründet und war von Anfang an eng mit Max Design, ebenfalls aus Österreich verbunden.

Gleich 1993 legte Neo einen, bis heute, sehr beliebten Rollenspiel-Titel vor: Whale's Voyage.

Whale's Voyage (1993, DOS)

1994 ging es gleich mit einem ebenfalls sehr beliebten Titel weiter, der über Max Design veröffentlicht wurde: Der Clou!. Diese Einbruchssimulation, zu der auch noch eine Erweiterungsdiskette erschien, war recht erfolgreich und begeisterte durch seine schöne Mischung verschiedener Genres. 

Der Clou! (1994, DOS)

Ein Jahr später wurde, wieder über Max Design, der Sidescrolling Shooter Prototype herausgebracht, im selben Jahr erschien auch der Nachfolger des 1. Titels: Whale's Voyage 2.

Whales Voyage II - Die Übermacht (1995, DOS)

Nicht ganz so gut verkaufte sich der 1998er Titel Rent-a-Hero, der aber vor allem im deutschprachigen Raum seine Fans fand. 

Rent-a-Hero (1998)

Mit fast 1 Mio verkaufter Einheiten war das folgende Spiel allerdings ein echter Hit: Die Völker, diesmal über JoWood gepublished, die auch 2001 den Nachfolger herausbrachten, allerdings ohne Neo Beteiligung.

Die Völker (1999)

Ebenfalls 2001 brachte Neo dann das letztes Spiel unter dem Namen heraus: Der Clou 2. Es war ebenfalls erfolgreich, ich persönlich mag das Spiel jedoch überhaupt nicht, trotzdem ich den Vorgänger liebe. Ich komme einfach mit der Comicgrafik und der 3D-Darstellung nicht klar und spiele bis heute lieber den 1. Teil.

Der Clou 2 (2001)

Tja, aber was ist dann aus Neo Software geworden, wenn die doch ganz erfolgreich waren??? 

Im Juni 1999 übernahm die deutsche Computec Media Gruppe für 2 Mio DM 51% von Neo Software, verkaufte sie allerdings schon im Februar 2000, zusammen mit 4 anderen Unternehmen, an Gameplay.com weiter. Diese verkauften die Firma 2001, als Teil eines größeren Deals, für sage und schreibe 1 Pfund an Take 2 Interactive weiter, die der Firma Neo leider echt übel mitspielten. 

Neo wurde nämlich nicht etwa als eigenständiger Entwickler bei Take 2 eingegliedert, sondern durfte lediglich Portierungen anderer Titel machen. So war die Xbox Version von Max Payne eine Portierung aus dem Hause Neo. 

2003, tatsächlich während der Feiern zum 10-jährigen Firmenjubiläum, verkündete Take 2, das das Studio in die Rockstar Gruppe eingeliedert wird und in Rockstar Vienna umbenannt wird. Der Name Neo Software war Geschichte. In der neuen Funktion wurden Portierungen von GTA III, GTA-Vice City und Max Payne 2 für verschiedene Konsolen vorgenommen.

Was dann allerdings am Donnerstag, 11. Mai 2006 passierte, war schon sehr erschütternd. Die Angestellten, darunter auch die Gründer von Neo, standen morgens vor verschlossenen Türen! Take 2 Interactive hatte nämlich das Studio in einer Nacht-und-Nebel Aktion geschlossen und die Türschlösser ausgewechselt!!!
Die 97 Angestellten erfuhren an dem Tag von Security-Leuten auf dem Gelände, das es das Studio nicht mehr gab und das man jetzt halt keinen Job mehr hatte. 

Ein grade in Entwicklung befindliches Spiel, das schon weit fortgeschritten war, nämlich Manhunt 2, wurde von Rockstar London fertiggestellt. Viele Teile des fertigen Spiels waren noch in Wien programmiert worden. Allerdings, und das hat die ehemaligen Leute von Rockstar Vienna/Neo zutiefst erschüttert, wurden alle Credits der österreichischen Programmierer aus dem fertigen Spiel entfernt, als ob es das Team in Österreich nie gegeben hätte. Lauter nette Leute bei Take 2 Interactive, oder? 😟  

Einige Angestellte, darunter Hannes Seifert, machten sich aber, mit großen Teilen des bisherigen Teams, wieder selbstständig, die Firma hieß erst "Games-that-matter", nach der Übernahme durch die Koch Media Tochter Deep Silver dann "Deep Silver Vienna". Anfang 2010 wurde das Studio dann aber von Koch Media wieder geschlossen, weil man den Standort München erweitern wollte. Das war dann das endgültige Ende des ehemaligen Neo Teams.

Hannes Seifert, einer der Gründer von Neo, ist heute noch in leitender Funktion in der Spielebranche tätig, nämlich als "Head of Publishing Europe" bei Riot Games, bekannt für League of Legends.    

Fazit:

Der Fall Neo Software zeigt, das ein kleines innovatives Team wirklich gute Spiele rausbringen kann. Sobald ein solches Unternehmen aber durch einen internationalen Multi übernommen wird, bleiben, wie so oft in der Spielegeschichte, Innovationen und eigene Titel auf der Strecke. Neo wurde zur "verlängerten Werkbank" von Rockstar degradiert und entwickelte kein eigenes Spiel mehr. Mit dem fast zeitgleich verschwundenen Max Design waren leider zwei sehr innovative Spieleschmieden aus Österreich Geschichte. Ein Schicksal das ja auch dem großen österreichischen Publisher Jowood wenig später, nämlich 2011, blühen sollte. 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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