Firmenportrait Max Design

 


Heute möchte ich über eine Firma bloggen, für die ich eine besondere Vorliebe habe: Max Design.

Max Design hat eine eher kurze Firmengeschichte, aber in diese Zeit fallen großartige Spiele, auf die ich hier eingehen möchte. 

Die Firma wurde 1991 von den Brüdern Albert und Martin Lasser sowie Wilfried Reiter in der österreichischen Steiermark, genauer in Schladming, gegründet - nicht grade ein typischer Ort für eine Spieleschmiede. Im deutschsprachigen Raum sollten Sie trotzdem Legendenstatus erreichen.

Als erstes Spiel erschien schon 1991 die Wirtschaftssimulation "Cash", die ich nie gespielt habe. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, es war ein reiner Amiga Titel.  

Cash (1991, Amiga)

Es folgten 1991/1992 noch die Puzzlespiele Think Cross und Osiris.

Think Cross (1992, DOS)

1992 kam dann für Amiga und Dos ein Spiel heraus, das voll im Trend lag, zumindest im deutschsprachigen Raum: 1869 - Hart am Wind. Fast zeitgleich mit Ascons Patrizier erschienen, war es eine sehr realistische Handelssimulation des beginnenden Dampfschiffzeitalters und des Imperialismus. 

1869 - Hart am Wind (1992, DOS)

Im direkten Vergleich mit Patrizier fand ich den Ascon Titel besser, aber auch 1869 hatte seinen Reiz. Der besondere Grafikstil von Max Design war schon bei 1869 zu erkennen und wird sich durch die folgenden Titel ziehen. 1869 gehörte zur Serie "Erlebte Geschichte" die Max Design ins Leben gerufen hatte. Das Unternehmen sollte dafür bekannt werden, sehr genau zu recherchieren und großartige Handbücher und geschichtliche Abrisse in die Spiele einzubauen. In diesem Fall wurde im Handbuch sehr ausführlich auf Seehandel und Imperialismus eingegangen. Die Handbücher von Max Design waren in Sachen Recherche nur noch mit denen von Microprose vergleichbar. 

1993 kam dann mit Burntime ein sehr spezielles Spiel heraus, das in einem Endzeit-Szenario spielte. Aufgabe in dieser Mischung aus Rollen- und Strategiespiel war es, die Herrschaft über die post-apokalyptische Erde zu erlangen. Ich habe es damals gespielt, allerdings war das Szenario nicht so "mein Ding".

Burntime (1993)

1994 kam dann, in Zusammenarbeit mit Neo Software aus Österreich, eines meiner Lieblingsspiele heraus, über das ich auch schon einen Artikel verfasst habe: Die Einbruchssiluation Der Clou!. Dieses Spiel ist nicht nur von der Thematik besonders, sondern ist einfach ein wundervolles Spielprinzip, das mir bis heute Freude macht und in das ich viele viele Stunden investiert habe. Allerdings, Ehre wem Ehre gebührt, das Spiel wurde von Neo Software entwickelt, Max Design war hier "nur" Publisher.

Der Clou (1994, DOS)

1994/5 veröffentlichte Max Design dann wieder eine Wirtschaftssimulation, die wieder unter der firmeneigenen Reihe "Erlebte Geschichte" firmierte und sich der Automobilwirtschaft widmete: Oldtimer.

Auch dieses Spiel war wirklich gut, es hatte allerdings das Pech, das von Impression Games mit dem Spiel Detroit (dt. Rüsselsheim) zeitgleich ein sehr ähnliches Spiel erschien. Oldtimer war aber das definitiv wertvollere Spiel, denn es war realistischer und hatte eine wunderbares Lexikon der Autogeschichte "eingebaut".     

Oldtimer (1995, DOS)

Durch die Wahl von falschen Partnern begann Mitte der 90er der Abstieg von Max Design und man schrammte ganz knapp an der Insolvenz vorbei. Die in dieser Zeit veröffentlichten Spiele waren keine Hits mehr: Albert Lassings Clearing House (Börsensimulation), Prototype (Shoot em up, entwickelt von Neo Software), Dark Universe (Weltraum-Wirtschaftssimulation, nur Publishing) und Strike Base (Weltraum Action).

Albert Lassers Clearing House (1995, DOS)

Prototype (1995, DOS)

Strike Base (1996, DOS)

Nach überstandener Fast-Insolvenz berappelte sich Max Design aber wieder und arbeitete an dem 3. Teil der "Erlebte Geschichte" Reihe. Diese Teil wurde zur Legende und schlug ein wie eine Bombe. Dieses Spiel und sein Nachfolger wurden die erfolgreichsten Spiele des deutschsprachigen Raumes. Die Rede ist natürlich von Anno 1602, das 1998 in Zusammenarbeit mit Sunflowers erschien. Das Spiel war ein unfassbarer Erfolg, bis 2002 wurden 2 Millionen Spiele verkauft, was damals eine gigantische Zahl war, zumal diese Zahl fast nur im deutschsprachigen Raum erwirtschaftet wurde. 

Ganz weit oben bei mir: Anno 1602

Für das Jahr 2000 war der Nachfolger Anno 1503 geplant, verzögerte sich aber und erschien erst mit 2 Jahren Verzögerung 2002. Auch das Spiel wurde ein Hit, es ging in 2 Wochen über 200.000 mal über den Ladentisch. Nach und nach stellte sich heraus, das der Partner Sunflowers immer mehr die Führung bei "Anno" übernahm. Die Fa. Max Design stand nach dem großen Erfolg vor einer "Do or Die" Entscheidung.

Die Firma, mittlerweile umsatztechnisch einer der größten Spielehersteller Europas(!), bestand zur Zeit des Release von Anno 1503 aus einem 10 Mann Team (!!) im ländlichen Schladming und war durch den Erfolg der beiden Anno Titel (beide zusammen verkauften sich über 4 Mio mal!) zwar finanziell saniert, aber auch total ausgebrannt von dem Stress der Entwicklungszeiten. Weitere Entwickler waren im ländlichen Österreich nicht zu finden, so das man die Firma an einem neuen Standort hätte größer und neu aufstellen müssen. Viele junge Talente hatten das Unternehmen nämlich während der Entwicklung der Anno Spiele in Richtung diverser Großstädte verlassen. 

Anno 1503

2004 wurde dann von den Gründern beschlossen, die Firma zu schliessen und sich aus dem Spielegeschäft zurückzuziehen. Nach 13 "faszinierenden" Jahren, so die Gründer in einer Mitteilung, beende man das Kapitel Max Design. Die Rechte an der Anno-Serie gingen komplett auf Sunflowers über, die die Serie ja bekanntermaßen bis heute mit unterschiedlichen Partnern sehr erfolgreich weiterführen.

Die Gründer von Max Design sind heute einfach Hobby-Gamer und haben, bis auf eine kurze Episode 2006 bei der Fa. Red Monkeys, nie wieder in der Spieleindustrie gearbeitet. In einem Interview mit dem "Standard" sagte Mitgründer Albert Lasser einmal, das er besonders Stolz auf das mit Anno 1602 geschaffene sei, aber das das Team nach "1503" einfach ausberannt war und eine Neuorientierung notwendig wurde. 
Auf die Frage, ob es heute noch möglich wäre, so einen Erfolg eines derart kleinen Teams zu wiederholen, sagte Lasser, das sich der Spielemarkt in den 2000ern stark gewandelt hätte. Heute gäbe es nur wenige große weltweite Konzerne mit riesigen Franchises, die den Markt dominieren und viele kleine Indie-Entwickler, die versuchen genug Aufmerksamkeit zu bekommen, um nicht in der Masse unterzugehen. 

Fazit: 

Max Design war ein wirklich faszinierendes Unternehmen. Wie ein kleines Team aus einem 6.500 Einwohner Ort in der Steiermark zuerst (teilweise mit Partnern wie Neo Software) kleine, aber faszinierende, Spiele mit Partnern herausbringt, dann fast in die Insolvenz schlittert, nur um danach noch zwei gigantische Mega-Hits zu programmieren, hat schon etwas besonderes. Die Tatsache, das die Firma sich danach selbst aufgelöst hat, trägt vielleicht zum Legendenstatus bei, denn kaum ein Spielehersteller hat derart am Höhepunkt aufgehört wie Max Design. Für mich ist Anno 1602 bis heute DAS Anno schlechthin, und ich liebe auch die älteren Titel wie Oldtimer, 1869 und natürlich "mein" Der Clou. An dieser Stelle möchte ich einfach mal "Danke" sagen für die vielen schönen Stunden, die mir dieses kleine österreichische Unternehmen beschert hat! 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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