Retrospiele: Pirates Gold!

 

Im Jahr 1993 erschien von Microprose unter dem hauseigenen Label "MPS Labs" der langersehnte Nachfolger zum extrem erfolgreichen Klassiker "Sid Meiers Pirates". Wie üblich bei Nachfolgern zu Sid Meiers Spielen, hatte der "große Meister" mit dem Spiel kaum etwas zu tun, außer das er wieder seinen Namen für den Titel hergab. In den Credits tauchte er folgerichtig nur unter der Rubrik "Special Thanks" auf. Im Prinzip guckte er nur, ob das Spiel, das unter seinem Namen erschien, kein totaler Schrott war. In seinen Memoiren schreibt er daher lediglich, das er "einige Projekte im Hause beobachtete" und seinen "stamp of approval" zu dem Spiel "Pirates Gold" gab.

Es erschien 1993/1994 für DOS, Amiga CD32 (nicht mehr für den "normalen" Amiga), Macintosh, Windows 3.x (die extrem selten ist) und als Konsolenkonvertierung für das Sega Genesis bzw. Mega Drive. 

Für mich ist Pirates Gold aus verschiedenen Gründen bis heute die beste Version des Spiels.

An dem erfolgreichen Spielprinzip wurde im Grunde nichts geändert, so das viele bis heute sagen, es sei einfach ein "Grafikupdate" des alten Spiels. Es wurden aber einige Teile entfernt bzw. erweitert, so gibt es jetzt eine digitale Karte, womit die ungeliebte Positionsberechnung per Sonnenstand entfällt. 

Endlich eine Seekarte im Spiel

Das Verwalten größerer Schiffsverbände wurde vereinfacht und die von mir verhassten Landschlachten aufgebohrt. Diese enden jetzt in einem etwas langwierigen Strategiespielchen. Ansonsten gibt es etwas mehr Städte als im Original und man kann jetzt, statt einer Gouverneurstochter, auch eine Kaufmannstochter heiraten. 

Na, das ist ja ne tolle Auswahl.....

Neu war auch die berühmte Kopierschutzabfrage, bei der man die verschiedenen Piratenflaggen den entsprechenden Freibeutern zuordnen musste. Kleiner Exkurs dazu:

Die Piratenflagge: Der "Jolly Roger"

Wie das Spiel, im Gegensatz zu vielen Filmen, korrekt darstellt, gab es nicht DIE eine Piratenflagge.
Im englischen werden Piratenflaggen allgemein als "Jolly Roger" bezeichnet, es gibt also auch nicht den einen "Jolly Roger". Piraten konnte also unter verschiedenen "Jolly Rogers" unterwegs sein. Zu den berühmtesten Flaggen zählen sicherlich die von Calico Jack Rackham, Edward England und die von Blackbeard, wobei letztere geschichtlich umstritten ist:

Die Flagge von Calico Jack Rackham

Die Flagge von Edward England
Autor: WarX Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die (angebliche) Flagge von Blackbeard

  Das Piratenflaggen keinesfalls immer schwarz/weiß sein mussten, zeigen folgende Beispiele:

Flagge von Edward Low
Autor: RootOfAllLight Lizenz: CC BY-SA 4.0 

Flagge von Christopher Moody
Autor: Bastianow Lizenz: CC BY-SA 2.5

Die Flaggen dienten vorwiegend zur Abschreckung, um die Gegner möglichst zur kampflosen Aufgabe zu bewegen. Heutzutage wird das Symbol des "Jolly Rogers" häufig in der Popkultur verwendet, aber auch gern als Zeichen für Anarchismus (z.B. auf Demos oder in der Hausbesetzerszene) eingesetzt. Eine, besonders in Deutschland, recht bekannte Popkulturreferenz wäre z.B. das Album "Under Jolly Roger" der deutschen Metal Band "Running Wild".

Angepasste Varianten von Piratenflaggen werden vielfach als "offizielles" Symbol oder Logo verwendet, so z.B. von der Organisation "Sea Shepherd", dem FC St. Pauli oder auch als Logo eines F14-Geschwaders der US-Navy...

Aber auch in der Raubkopierszene wird gern mit Piratensymbolik gearbeitet, auf englisch spricht man ja auch von "software/music piracy". Das internationale Torrent-Portal "The Pirate Bay" hat nicht nur einen passenden Namen, sondern ein eben solches Logo samt angepasstem "Jolly Roger"

Natürlich findet die Flagge auch als Gag auf Booten von Freizeitskippern (wie ich einer bin) Anwendung, ist aber dort nicht gern gesehen und wird teilweise sogar von der Wasserschutzpolizei abgemahnt. Dazu muss man wissen, das man eigentlich z.B. auf Bundeswasserstraßen die Landesflagge an Bord zu hissen hat, im Ausland die Gastlandsflagge. Damit zeigt man an, das man sich dem lokalen Gesetzmäßigkeiten anpasst. Die Piratenflagge sagt eigentlich eher das Gegenteil aus... 😁 

So, jetzt zurück zum Spiel:

Die wichtigsten Veränderungen waren ganz klar bei der Grafik und dem Sound zu finden. Je nach installierter Hardware konnte man jetzt VGA oder SVGA nutzen und den Sound via Adlib, Roland, Soundblaster oder Covox ausgeben lassen. Das war im Vergleich zum 1987er Original schon ein Quantensprung, denn damals gab es noch gar keine verbreiteten Soundkarten, geschweige denn VGA.

So beschränkte sich der Sound beim PC-Original auf piepsen aus dem PC-Speaker, wobei dieser tatsächlich zur Wiedergabe von Musik (Titel Thema) verwendet wurde.

Oh, ein Engländer....

Bei Pirates Gold wurde jetzt geklotzt: Der Sound kam mit Sprachausgabe daher ("Sail Ho!")  und bei der Musik brachte das Spiel unter anderem Titel von Johann Sebastian Bach zu Gehör. 
Grafisch war es ebenfalls ein Quantensprung. Die Bilder der Städte waren jetzt in einem wirklich netten Artstyle gezeichnet, auch alle anderen Standbilder waren sehr atmosphärisch. 

Die schöne Stadt Nassau in der Karibik

Eine durchschnittliche Beute

Home sweet Home

Die Duelle waren schöner, aber vor allem waren unterschiedliche Schiffstypen jetzt besser zu erkennen und die Landkarte, Hauptbestandteil des Spiels, war viel detaillierter und einfach hübscher. 

Es war ein atmosphärisch wirklich schöner Nachfolger entstanden, der sich gut spielte, auch wenn er bei Installation und Hardware etwas "zickig" war. Pirates Gold war eines der Spiele, bei denen man etwas probieren musste, bevor man alles hinbekommen hatte: SVGA Grafik und Sprachausgabe zum Beispiel.

Der sieht wütend aus....

Für die Grafiken lag dem Spiel z.B. ein kleines Konvertierungsprogramm bei, mit dem man die Grafiken runter-/hochkonvertieren konnte. 

Get rich or die tryin´ 😁

Zwischen den einzelnen Versionen gab es übrigens erhebliche Unterschiede im Gameplay, besonders die Amiga CD32 Version sieht teilweise aus, wie ein komplett anderes Spiel. Denn, anders als in der deutlich bekannteren DOS Version, läuft man beim Amiga mit einem Piraten-Avatar durch die Städte, was ein wenig an die Point-and-Click Adventure von Lucasarts oder Sierra erinnert.


  Auch der Schwertkampf sieht etwas anders aus:

Die Karte der Karibik ebenfalls:


Die Version für das Sega Genesis/Mega Drive ist grafisch recht dicht an der Amiga Version....

Hier mal ein direkter Vergleich zwischen Amiga und Mega-Drive Version, anhand einer identischen Szene. Man sieht, das die Auflösung sowie die Farbpallette des Amigas gefälliger wirken. Trotzdem finde ich die Umsetzung auf dem Megadrive erstaunlich gelungen, denn vom Spiel her ist es ja eher kein typischer Konsolentitel. 

Petit Goave auf dem Mega Drive.....

...und auf dem Amiga CD32

Die Presse und die Spieler nahmen die neue Version des Spiels dankend an. Die Bewertungen sind nahezu komplett im hohen 80er Bereich, die Ausreißer nach unten kritisieren die wenigen Neuerungen und die etwas altbackene Präsentation auf dem Amiga CD32, der mehr gekonnt hätte. Aber selbst die negativen Kritiken kommen, in Bezug auf den Spielinhalt, zu dem Schluss: "Warum hätte Microprose auch viel an dem genialen und erfolgreichen Spielprinzip ändern sollen?".
Der Erfolg gab Ihnen recht: zusätzlich zu etlichen Preisen freute sich Microprose 1997 über bin dahin 450.000 verkaufte Exemplare vom "goldenen Piraten". Auch heute gibt es das Spiel weiterhin zu kaufen, in den USA zum Beispiel von dem Retropublisher "Tommo", der 2013 die Rechte erwarb.

Fazit:

Ich habe Pirates Gold sehr viel gespielt, heute würde man sagen "gesuchtet". Auch heute spiele ich es immer wieder mal gern und finde die Grafik und den Artstyle weiterhin ganz hübsch. Diese Version ist für mich die "ultimative", weil ich an der neusten Version, dem 2004er Pirates Titel von Firaxis, zu viel nicht mag - dazu aber im nächsten Artikel mehr. Pirates Gold hat, meiner Meinung nach, einfach die guten Dinge des Vorgängers übernommen, überflüssige entfernt und das ganze in einer zeitgemäßen Präsentation dargeboten. Besonders freut es mich, das das Gefühl der Freiheit des eigenen Tuns beibehalten wurde und man nicht in ein Korsett aus einer Geschichte gezwängt wurde. Pirates gehört zu den Spielen, die ich seit Erscheinen spiele und die ich mein Leben lang spielen werde....    


Piet Heyn - Volksheld, Pirat und Oberbefehlshaber

Wie im 1. Teil meiner Pirates Artikel versprochen, bespreche ich wieder einen realen Piraten, heute geht es um den Niederländer Piet Heyn. 

Piet Pieterszoon Heyn

Piet Heyn wurde 1577 in Delfshaven (heute Teil von Rotterdam) in eine Kapitänfamilie geboren und fuhr schon früh zur See. Nach einigen Gefangennahmen durch die Spanier in der Karibik im 1. Jahrzehnt des 17 Jahrhunderts kehrte er 1607 aus der Karibik nach Holland zurück. Für die Ostindienkompanie fuhr er über viele Jahre nach Asien und Afrika, bevor er ab 1623 für die Westindische Kompanie in der Karibik aktiv war. Zu dieser Zeit führte Spanien einen erbitterten Krieg gegen die Niederlande, die teilweise von Spanien besetzt waren.

In der Karibik brachte er diverse Schiffe auf und erlebte einige Dinge, die wir evtl. aus Pirates kennen.... Einmal eroberte er z.B. die Stadt Salvador im heutigen Brasilien und machte dabei reichlich Beute. Als er allerdings einige Zeit später zurückkehrte, war die Stadt schon wieder unter portugiesischer Flagge... 

Am 17.September 1628 gelang ihm, als einzigem Piraten der Geschichte, ein absolutes Meisterstück, das ihn bei seinen Landsleuten zur Legende machte:
Er eroberte, übrigens kampflos, die spanische "Treasure Fleet". Insgesamt brachte er 16 Schiffe der Flotte auf, einige nach Verfolgungsjagden quer durch die Karibik. Die vier letzten Galleonen hatte er in der Bucht von Matanzas (bei Havanna/Kuba) gestellt und erobert. Die Spanier ließ er jeweils laufen, es gab kein Blutvergießen bei dieser "Schlacht". Diese waren übrigens erstaunt, das Piet Heyn fließend spanisch sprach, sie mit Vorräten ausstattete und ihnen den Weg nach Havanna wies.

Zur Wahrheit gehört aber auch, das ein Teil der Schatzflotte in Venezuela gewarnt wurde, so das Piet Heyn eigentlich nur einen Teil der gesamten Flotte "übernahm". Der Wert seiner Beute aus diesem einen Überfall betrug jedoch 12 Mio. Gulden, was heute etwa 1 Milliarde Euro entspricht. Man kann sich das Ausmaß des Desasters für die Spanier gar nicht groß genug vorstellen.

Die Eroberung der Treasure Fleet

Allein mit dieser Beute (sie bestand übrigens aus Silber, Gold und wertvollen Handelswaren) konnte die Niederlande ihren Krieg gegen Spanien erfolgreich fortführen und wichtige Rückeroberungen, wie z.B. die entscheidende Festungsstadt sHertogenbosch, machen. Wie bei Francis Drake ein halbes Jahrhundert zuvor, freuten sich aber auch hier die Financiers der "Expedition" über eine fette Rendite.
Einige Historiker nennen die Eroberung der Schatzflotte durch Piet Heyn den Wendepunkt des Krieges.

Piet Heyn bekam allerdings nur 7000 Gulden von der Beute ab, weshalb er danach frustriert den Dienst bei der Westindischen Kompanie quittierte und 1629 zum Oberbefehlshaber der niederländischen Flotte ernannt wurde. Diesen Titel konnte er allerdings nicht lange genießen, denn am 18.Juni 1629 starb er in einer Seeschlacht bei Oostende.

Der schon zu Lebzeiten als Volksheld gefeierte Piet Heyn liegt heute in der "Oude Kerk" von Delft begraben, in der z.B. auch der Maler Jan Vermeer bestattet ist.

Es gibt 2 Statuen von ihm, eine in seinem Geburtsort Delfshaven und eine weitere in der Bucht von Matanzas auf Kuba, wo er die letzten Galeonen der Schatzflotte kaperte....

Heute sind in den Niederlanden Straßen, Plätze sowie ein Tunnel in Amsterdam nach ihm benannt. Ein Lied über ihn, das die Kaperung der spanischen Schatzflotte besingt, wird sowohl von Chören, Schulkindern, Studenten als auch als Fangesang in Fußballarenen, z.B. bei "Feyenoord Rotterdam" gesungen.
Bei Spielen gegen spanische Mannschaften (wie z.B. gegen den FC Sevilla im Jahr 2014) wird schonmal eine Choreographie im Stadion aufgeführt, bei der ein riesiges Bild der Eroberung der Silberflotte präsentiert wird. Beim Heimspiel 2014 hatte das Bild, das der Förderverein Feyenoords hergestellt hat, Ausmaße von sage und schreibe 100 x 15,5m!!! Geile Aktion Jungs!
Nachdrucke davon gab und gibt es in Fanshops zu kaufen.....Die armen Spanier.... 😁

Das Heimspiel von "Feyenoord" 2014 gegen Sevilla ging 2:0 für die Niederländer aus
Quelle: https://versbeton.nl/2014/11/hoe-piet-hein-nogmaals-de-spaanse-armada-oprolde/

Hier auch im Video zu sehen (ca. bei 2:10min)...

Zum Schluss, und zum kurzen Nachhören, das zugehörige Lied "De Zivervloot" in zwei Versionen...

Einmal die "normale Version" eines Chores:


Und als lustiges Kinderlied mit Karaoke-Text:


Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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