Pirates - Live the Life (2004)

 

2004 brachte Firaxis Games, die Firma die Sid Meier nach seinem Weggang von Microprose mitgründete, in Zusammenarbeit mit dem Publisher Atari den neusten Teil der Pirates Reihe heraus: Sid Meiers Pirates - Live the Life.

Seit dem letzten Teil (Pirates Gold, 1993) waren 11 Jahre vergangen und auf dem Markt für Computerspiele hatte sich einiges getan, besonders was die Technik und Systeme anging. Waren zu Zeiten von Pirates Gold noch Dos, Sega Mega Drive und der auslaufende Amiga die wichtigsten Systeme, so waren es jetzt Windows, Mac und die aufkommende Xbox. Das neue Pirates sollte daher in moderner 3D-Grafik umgesetzt werden und für mehr Systeme umsetzbar sein. Es erschien zuerst 2004 für Windows, danach folgten eine Reihe Umsetzungen für verschiedene Systeme: Xbox (2005), Xbox 360 (2008), Mac (2008), Wii (2010), iPad (2011), iPhone (2012), Windows Phone (2012) und Xbox One (2017). Auch wenn es über immerhin 13 Jahre hinweg konvertiert wurde, änderte sich an dem Spielprinzip und der Grafik fast nichts, was auch zu Kritik führte. Was 2004 grafisch noch als "state of the art" galt, war in den 2010ern schon wieder altbacken. Das monierten auch eine Reihe Tests der späteren Umsetzungen.  

Das Spiel wurde designt, um das geniale Pirates-Spielprinzip für eine neue Generation Gamer und Systeme umzusetzen, was auch ganz gut gelang. Die Grafik und die gesamte Präsentation ist wirklich gut gemacht, zumindest wenn man die Windows Version von 2004 betrachtet. Die nachfolgenden Versionen, besonders aus den 2010ern für iOS und Wii galten schon bei Veröffentlichung als lieblos und grafisch nicht mehr auf dem Stand der Technik.

Leider, und das werfe ich den Machern bis heute vor, hat die neue Version vieles vom alten Charme der vorherigen Teile verloren. Das 2004er Pirates wirkt leider wie eine lose Aneinanderreihung von Mini-Spielchen ohne echtem Zusammenhang. Aber ich möchte einmal Stück für Stück durchgehen, was mir nicht gefällt. Die folgende Kritik werden jüngere Leser evtl. nicht nachvollziehen können, man kann sie vermutlich nur nachvollziehen, wenn man, wie ich, vorher die ganze Pirates Reihe von Anfang an gespielt hat und nicht erst mit dem 2004er Titel eingestiegen ist. Also bitte nicht falsch verstehen: Pirates von 2004 ist ein tolles Spiel, aber in meinen Augen leider der schwächste Teil der Serie. Hier meine Gründe warum:

Die Spielwelt

So hübsch ich die Grafik finde, so ist sie vor allem eines: viel zu groß! Die Schiffe wirken auf dem karibischen Meer zwar hübsch, aber sind in der Proportion viel zu groß und wirken wie Spielzeuge. Dadurch wirkt die Karibik in der Relation viel zu klein, das Gefühl der Einsamkeit auf einem kleinen Schiff kommt niemals auf. Es wirkt irgendwie wie eine "Kinder-Spielzeug Version" des alten Pirates.

Die grafisch hübsche Karibik

Mir ist natürlich klar, das das mit einer Touchbedienung wie auf dem iPad oder iPhone nicht anders geht, aber bei der Windows-Umsetzung hätte ich mir das anders gewünscht. Und...das muss einem klar sein, 2004 war weder der Erfolg von Touch (das iPhone war ja noch Jahre weg) abzusehen, noch, ob das Spiel auf der Konsole ein Erfolg werden würde. In dem Zusammenhang wundert mich übrigens das Fehlen einer Umsetzung für die sehr populäre Playstation. Aber weiter...

Eine weitere Designentscheidung verstehe ich hinten und vorne nicht: Warum sind auf der Karte die anderen Schiffe zu sehen? Ein Teil der Spannung der ersten Teile entstand auch dadurch, das man beim ersten Aufeinandertreffen mit einem gegnerischen Schiff, nicht sofort wusste, um was/wen es sich handelte. Hier sehe ich sofort ob es sich lohnt auf das andere Schiff zuzusegeln oder nicht.... Ich empfinde das als extrem langweilig. Wenn ich von weitem sehe, wo die Treasure Fleet ist, macht es keinen Spaß mehr... 😒

Eine Seeschlacht die ist lustig....

Die Seeschlachten sind sehr schön animiert, und man hat die Wahl zwischen verschiedenen Geschossen, was ich für eine sinnvolle Erweiterung halte. Die anderen Upgrades für die Schiffe (andere Beplankungen etc.) sind allerdings komplett sinnlos und wirken sich fast gar nicht aus. Das Entern des Schiffs und das unvermeidliche Duell mit dem Kapitän der Gegenseite ist an sich auch gut gelungen, aber für meine Begriffe zu film- und slapstickhaft. Beim ersten mal ist es eine Offenbarung, aber nach der x-ten Wiederholung der Szene, wo man den Gegner statt mit dem Schwert mit einem Eimer schlägt, ist diese schlicht nur noch nervig.

Ein stilvolles Duell 

Achievements / Special Items:

Wie oben beschrieben kann man jetzt z.B. seine Schiffe "upgraden" und findet auch in der Welt einen ganzen Strauß von "Special Items" vom "Fencing Shirt" über diverse Schwerter, Pistolen, Rüstungen bis hin zu Nahrungsmitteln und Musikinstrumenten (!). Ich verstehe diesen Trend im Gaming nicht und keiner, wirklich keiner, der Gegenstände bringt irgendwas sinnvolles Neues in das Spiel. Neuerungen, die die Welt nicht braucht...

Die Städte

Städte sind ein besonderer Hort des Frustes und ein Hauptgrund, warum ich das Spiel kaum noch anfasse. Grafisch an sich nett umgesetzt, gibt es hier einige Mini-Spiele, bei denen ich mir denke, was die Entwickler wohl geritten hat, die mit reinzunehmen. Das fängt beim Angriff auf Städte an, der in einem unsäglichen Strategiespielchen endet, das viel zu lang und umständlich ist. 

Der Stadtangriff

Versucht man sich in eine feindliche Stadt zu schleichen, so wird auch dieses durch ein kleines Mini-Spiel gelöst, in dem man sich durch die dunkle Stadt zu einem bestimmten Gebäude schleichen muss, ohne von den Wachen gesehen zu werden. Das macht auch beim ersten Mal Spaß, ist danach aber einfach frustrierend und bricht total mit dem Flow des Spiels. "Sneak into town" gab es schon vorher, aber damals musste man das nicht spielen...es gelang eben oder nicht. 

*schleich* 😁

Das allerschlimmste, und das verzeihe ich den Entwicklern und vor allem Sid Meier (dessen Idee es war) niemals, ist die völlig bescheuerte Idee des Tanzes mit der Gouverneurstochter. Ich glaube kein Spielelement hat die alten Fans derart auf die Palme gebracht, wie dieses. In einem Mini-Spiel muss man sich zur Musik bewegen und innerhalb kürzester Zeit auf eingeblendete Richtungspfeile reagieren, um "gut und richtig" mit der Angebeteten zu tanzen. Wenn der Tanz misslingt, ist es aus mit der Romanze. Diese Sequenz ist zum einen eindeutig zu lang und zum anderen frustrierend schwer. Schon nach wenigen Spielrunden stand für mich fest: "Ach, Scheiß drauf, ich bleib Single!". 

Ich hasse tanzen....

Path of Revenge / andere Piraten

Im Spiel gibt es jetzt eine Top 10 Liste der berüchtigsten Piraten der Karibik, die man finden muss und deren Schätze man "abgreifen" kann. Zudem gibt es mit dem Marquis del Montalban eine Art Oberschurken, den man mehrfach suchen und bekämpfen muss, um seine Verwandten zu retten. Ich empfinde diesen Part als komplett "aufgesetzt" und unnötig. 

Sonstiges:

Es gibt jetzt beim Gouverneur neue Aufgaben wie z.B. die Eskorte eines Schiffs und auch von den Klöstern, einem neuen Feature, gibt es Aufgaben, die man annehmen kann. Leider sind diese sehr repititiv und machen nur wenige Male Spaß.

Fazit:

Ich fühle mich in der Welt von Pirates - Live the Life einfach nicht wohl. Mir ist alles zu albern, zu klein (Stichwort Spielwelt) und vor allem zu unfrei. In den beiden vorherigen Spielen konnte ich tun und lassen was ich wollte, hier fühlt man sich eher "eingezwängt" in eine Art Story. So muss man irgendwann den "Path of Revenge" gegen Montalban betreten, um das Spiel zu "gewinnen". Die Original-Spiele waren da deutlich offener, freier und eher nach meinem Geschmack. Im Spiel hat man irgendwann derart viele "Quests" offen, das es unübersichtlich wird. Da mochte ich die beiden alten Teile viel lieber, wo ich mir meine Ziele weitestgehend selber gesucht habe.

Allerdings, das muss ich auch einräumen, bin ich generell kein Fan der Spiele von Firaxis und deren Stil. Meiner Meinung nach haben die viele meiner Lieblingsspiele mit Folgeteilen "ruiniert", aber das ist wie gesagt nur meine Meinung, mit der ich vermutlich etwas polarisiere. Aber ich spiele heute noch lieber "Railroad Tycoon 1" statt "Railroads", "Civilization 1 und 2" sind für mich die ultimativen Teile der Serie und nicht die weiteren von Firaxis. Selbst "Alpha Centauri" empfand ich als einzige Katastrophe - grafisch wie spielerisch. Da störte mich einfach, das es auch hier keine echte Freiheit mehr gibt, sondern das Spiel einer Agenda folgt, nämlich sobald man sich für eine Fraktion entscheidet. 
Das hat mich allerdings nicht daran gehindert, alle genannten Spiele jeweils zu kaufen und zu spielen, aber sie werden nie auf die Liste meiner Lieblingsspiele kommen. 
Aber wie gesagt: Meine Meinung. 

Genauso geht es mir, leider, mit Sid Meiers Pirates - Live the Life. Das Spiel ist nicht komplett schlecht, nein es macht sogar (zuerst) sehr viel Spaß, weil das Flair der alten Piratenfilme gut rüberkommt. Die ersten Seeschlachten und Duelle sind großartig und machen einen Riesenspass. Allerdings wird das Spiel viel zu schnell langweilig, man sieht sich schnell satt an den Animationen und Cutscenes. Irgendwann nerven diese einfach nur noch und man wünscht sich einen schnelleren Weg, um durchs Spiel zu kommen. Am schlimmsten sind in diesem Zusammenhang eben diese Mini-Spielchen, die den Spielfluss hemmen und mir das Spiel komplett versauen. Ich habe einfach keine Lust in fast jeder Stadt das Schleichspielchen zu spielen und schon wieder mit einer Tochter des Gouverneurs oder Kaufmanns zu tanzen. Aber vielleicht macht das alles ja jüngeren Spielern total Spaß und ich werde einfach nur alt... 😁.   


"Captain" Sir Henry Morgan, "der Wandlungsfähige" 

In meiner kleinen Serie über reale Piraten kommen wir heute zu einem echten Klischee-Piraten und quasi dem personifizierten Übergang zwischen den Pirates Zeitaltern "Buccaneer Heroes" und "Pirates Sunset" : Sir Henry Morgan.

Über seine frühen Jahre gibt es nur Spekulationen, angeblich soll er um 1621 in Wales geboren worden sein. Auch wie er überhaupt in die Karibik kam, ist nicht wirklich belegt - er tauchte jedenfalls 1665 dort auf. Er schloss sich Piraten an und beteiligte sich an verschiedenen Überfällen auf spanische Schiffe und Besitzungen. Ihn unterschied allerdings ein Detail von den meisten anderen Freibeutern: Er verprasste sein Geld nicht, sondern hortete es. Henry Morgan entsprach damit dem Klischee des Piraten, der seine Beute irgendwo versteckte.

Schon 1668 war er so reich, das er eigene Kaperflotten zusammenstellte. Diese Kaperflotten wurden vom damaligen Gouverneur von Jamaika, Sir Thomas Modyford, gedeckt. Dieser taucht übrigens in Pirates selbst als Pirat auf. Die Flotten von Morgan bestanden schon aus mehreren Schiffen und großer Mannschaft.

Im Juli 1668 überfiel Morgan mit 500 Mann die Stadt Portobelo bei Panama und plünderte sowohl die Stadtkasse, als auch die Bürger und die Handelswarenlager aus. Zusätzlich erpresste er Lösegeld von den spanischen Behörden mit der Drohung, die Stadt komplett niederzubrennen - erfolgreich. So erfolgreich, das das Lösegeld mehr wert war, als der Rest der Beute. Nach dem Motto "Was einmal geklappt hat...." machte er 1668 mit der Stadt Santa Maria del Puerto Principe (auf Kuba) sowie 1669 mit den am Maracaibo See gelegenen Maracaibo und Gibraltar weiter. Pirates-Fans nicken jetzt wissend, denn alle genannten Städte kennt jeder Pirates Spieler.

Der Angriff auf Puerto Principe

Im Januar 1671 griff Henry Morgan dann die größte Stadt der damaligen spanischen Besitzungen an: Panama. Und die schiere Masse an Männer und Material zeigt, das Henry Morgan quasi sein eigener kleiner Piraten-Staat war. Seine Kaperflotte, mit der er gen Panama segelte (und den Rest zu Fuß ging, weil Panama nicht direkt an der karibischen See lag), konnte sich sehen lassen und war für die damalige Zeit eine veritable Kriegsflotte: Er kam nämlich mit 1.800 Mann und 36 Schiffen!

Die spanische Armee war schnell besiegt und Panama erobert. Trotzdem war Morgans Meisterstück auch zeitgleich ein Fehlschlag. Über die Ereignisse der Tage in Panama gibt es widersprüchliche Aussagen und einige Legenden. Fakt ist das, wie auch immer, viele reiche Bürger ihre Habseligkeiten weggeschafft hatten. Das an sich wäre nicht das große Problem gewesen, aber am Tag der Eroberung brach in Panama ein Großfeuer aus, das die Stadt fast völlig zerstörte. Ob dieses nun durch Unachtsamkeit der Eroberer, durch eine Siegesfeier oder eventuell sogar mit Vorsatz gelegt wurde - es lässt sich nicht mehr sagen. Fakt war, das das schöne Druckmittel, wie damals in Portobelo, also die Drohung die Stadt ohne Lösegeld in Schutt und Asche zu legen, dahin war. Bei dem Brand wurde auch ein Großteil der eigentlichen Beute ein Raub der Flammen.
Seine Mannschaft verdächtigte Morgan hinterher, das ganze fingiert zu haben, um ein Großteil der Beute heimlich, an ihnen vorbei, für sich "abzweigen" zu können. Man weiß es nicht, aber das seine Männer ihm dieses zutrauten, lässt schon tief blicken, oder? Wie auch immer, direkt nach dem Aufteilen der restlichen Beute machte sich Henry Morgan aus dem Staub und beendete seine Piratenkarriere. Seine folgenden Jahre nährten nur die Legende, das an der "Panama-Geschichte" irgendwas faul war... 

Henry Morgan in Panama

Als er nach Jamaika zurückkehrte war er ein reicher Mann, und wurde entsprechend empfangen. Allerdings hatte sich das politische Blatt gewendet. Wie wir es auch aus "Pirates" kennen, hatte England zwischendurch einen Friedensvertrag mit Spanien gemacht (Geschichtlich: Der Friedensvertrag von Madrid) und Henry Morgan hatte Panama erobert, trotzdem eigentlich Frieden herrschen sollte. Er kannte damals die Funktion "Hail for news" bei Begegnungen mit anderen Schiffen wohl nicht.... 😂

Jedenfalls führte das Thema zu einer diplomatischen Krise zwischen England und Spanien, letztere drohten mit Krieg deswegen. Um Spanien zu beruhigen zog England den "Piratenunterstützer" Modyford vom Posten des Gouverneurs ab und warf ihn in den Tower of London. Allerdings wurde er dort wohl mit Samthandschuhen angefasst und, ohne Verurteilung, nach 2 Jahren wieder entlassen. Er kehrte sofort in die Karibik zurück.

Was mit Henry Morgan passierte ist einer dieser legendären, aber tatsächlich wahren Piratengeschichten. Er wurde 1672 verhaftet und nach London gebracht, wo ihm der Prozess gemacht wurde. 1674 wurde er, aufgrund von mächtigen Fürsprechern (*hust* Modyford *hust*) wieder begnadigt. Er konnte glaubhaft versichern, das er nichts von dem Friedensvertrag wusste, als er Panama eroberte. Kurz danach war er kurzzeitig, Achtung, Berater des Königs Charles II. Er schrieb nämlich, in offiziellem Auftrag, ein Memorandum, wie man die Verteidigung Jamaikas besser organisieren könnte.  

Charles II.

Henry Morgan, der damalige "König der Piraten" war nicht nur begnadigt worden - nein - er wurde sogar geadelt und zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt. Zeitgenössische Quellen berichten, er wäre in London nie inhaftiert gewesen. Offiziell saß er im Tower of London, allerdings taucht sein Name in den dortigen Listen nicht auf. Der Historiker Violet Barbour beschrieb es dahingehend, das er zum Schein verurteilt, aber eigentlich als Held gefeiert wurde. Er wurde als derjenige betrachtet auf den, Zitat, "Drakes Mantel gefallen war".

Er kehrte also in die Karibik zurück, jetzt als offizieller Vertreter der englischen Krone. Keine schlechte Karriere, oder? Was er für mächtige Fürsprecher hatte, zeigte sich auch in der Tatsache, das der neue Gouverneur von Jamaika Lord Vaughan, der Nachfolger Modyfords, mehrfach versuchte, seinen Stellvertreter Morgan absetzen zu lassen. Das endete jedoch mit der Absetzung von Vaughan selbst und der zeitweiligen Installation von Morgan als Gouverneur von Jamaika. Spanien muss getobt haben vor Wut.

1676 segelte er dann in Richtung Port Royal, allerdings lief sein Schiff direkt vor der Stadt auf ein Riff und sank. Und was macht man als Ex-Pirat, wenn sein Schiff kaputt ist, man aber die Waffen und so bergen konnte? Falsch.... Das nicht! 😂

Er wechselte tatsächlich komplett die Seiten und befestigte mit den Waffen die Stadt Port Royal gegen die Piraten! Henry Morgan war eine Art Bürgermeister von Port Royal sowie oberster Richter der Vize-Admiralität und machte auf diesem Posten gnadenlos Jagd auf Piraten! Er hat nachweislich auch einige seiner ehemaligen "Kollegen" abgeurteilt.

Henry Morgan lebte noch einige Jahre als reicher, geachteter und einflussreicher Mann. Er besaß Land in unterschiedlichen Teilen der englischen Besitzungen und sogar 3 Plantagen, auf denen er eine Menge Sklaven beschäftigte. 

Sein größtes Laster, der Alkohol, bereitete ihm jedoch bald sein Ende. Er war schon immer ein Trinker gewesen, aber zum Ende hin soll er kaum noch ansprechbar gewesen sein. An Tagen wo er bei klarem Verstand war, soll er seine früheren Taten bereut haben.
Er starb am 25. August 1688 in Port Royal und wurde mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Eine, eigentlich unglaubliche, Anekdote dazu ist tatsächlich schriftlich belegt: Zu Ehren seines Begräbnisses gab es eine Piraten-Amnestie, damit diese ihm angstfrei ihre letzte Ehre erweisen konnten! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen- da muss man erstmal drauf kommen!!!

4 Jahre nach seinem Tod, 1692, wurde Port Royal von einem fatalen Erdbeben erschüttert, 2/3 der Stadt versanken im Meer, darunter auch der Friedhof und mit ihm der große Pirat Sir Henry Morgan. Das war auch das Ende der Überlegungen der englischen Regierung, den Leichnam von Sir Henry Morgan in die Londoner Westminster Abbey umzubetten. 

Noch eine kleine Anekdote zu Henry Morgan: Auf ihn geht der "Piratencodex" zurück, der von seinem Arzt niedergeschrieben wurde. Der Codex war eine Art "Kranken- und Unfallversicherung", denn je nach Verwundungsgrad gab es eine Entschädigung. Der Verlust eines rechten Arms wurde z.B. mit 600 Piastern oder 6 Sklaven vergütet und so weiter. In England heißt es tatsächlich bis heute, Henry Morgan hätte nicht nur zum Sturz des spanischen Weltreiches beigetragen, sondern sei auch quasi der Erfinder der modernen Sozialversicherung. 

Fazit: 

Henry Morgans Leben gehört, ähnlich wie das von Francis Drake, in die Kategorie: "Kannste Dir nicht ausdenken....". Wie man von einem Niemand von ungewisser Herkunft, der sich Piraten anschließt, zu einer Art "Piratenfürst" mit ansehnlicher, eigenfinanzierter, Kriegsflotte wird, dann diverse spanische Städte erobert, nur um direkt danach eine 180 Grad Wendung zu vollziehen und zum geadelten Vize-Gouverneur, Richter und Piratenjäger zu werden, gehört schon zu den ganz besonderen Geschichten der Piraterie. Er gilt als einer der berühmtesten, erfolgreichsten und wohlhabendsten Piraten der Geschichte und als sehr spannende Persönlichkeit für Historiker.  
Immerhin können wir Laien dem Wirken von Henry Morgan heutzutage mit einem Schluck "Captain Morgan" Rum gedenken und uns fragen, ob wir auch das Zeug zum Captain hätten, denn der Werbeslogan, des nach ihm benannten, jamaikanischen Rums meint genau das, wenn er uns fragt: "Got a little Captain in you?"😁

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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