Retrospiele: Pirates!

 

So, es wird mal wieder Zeit für eines der "Big Games", also eines der ganz großen Spiele der Geschichte. Heute soll es um Sid Meiers Pirates! gehen, und zwar um die Ur-Version. Die weiteren Versionen werde ich jeweils einzeln behandeln, denn die Pirates Spiele gehören zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Dadurch, das sage ich Euch gleich, werden die Texte auch sehr lang werden....

Tja, Pirates! Was für ein großartiges Spiel.... Veröffentlicht wurde der Titel natürlich von Microprose, der Firma, die Programmierer Sid Meier 1982 zusammen mit "Wild Bill" Stealey gegründet hatte.

Die Idee von einem Piratenspiel hatte aber nicht Sid Meier alleine, sondern sie stammte zu einem großen Teil auch von seinem Kollegen Arnold Hendrick. Beide wollten einfach mal etwas anderes machen, als realistische Flug- und Fahrzeugsimulationen im Militärbereich.  
Es war das 15. Spiel von Sid Meier für das Unternehmen und es kostete ihn einige Überzeugungsarbeit, es überhaupt herauszubringen. Microprose war sehr erfolgreich mit Kriegsspielen und -simulationen, sei es nun zu Land, zu Wasser aber vor allem in der Luft. Der ehemalige Air Force Pilot Stealey wollte weitere Spiele dieser Art forcieren, Sid Meier war aber müde, sich immer wieder diesem Thema widmen zu müssen. 
Als er und Hendrick Stealey von ihrer Idee eines Piratenspiels erzählten, meinte dieser, das das niemand kaufen würde. Fortan hieß das Spiel intern nur "Sid Meiers Pirate Whatever". Sid blieb aber standhaft und entwickelte aus der Idee, zusammen mit Hendrick, ein Spiel. Arnold Hendrick war dabei für das Szenario-Design zuständig, Sid für die hauptsächliche Programmierarbeit. Beide wollten eine neue Art Spiel erschaffen, eines, in dem man das Leben eines Piraten spielt, sich relativ frei in der Welt bewegen und viele eigene Entscheidungen treffen konnte.

Die kleinen Antillen (PC Booter)

Piraten faszinieren die Menschen irgendwie seit jeher. Es gab schon immer Bücher und Filme über Piraten, die Thematik zog schon immer, besonders bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen. Nicht umsonst war einer der ersten Attraktionen im kalifornischen Disneyland die "Piraten der Karibik" Fahrt. Besonders geprägt wurden die Schöpfer des Spiels allerdings von den alten Piratenfilmen mit Erol Flynn.

Schließlich genehmigte auch Mr. Stealey das Projekt, allerdings bestand er darauf, das Spiel "Sid Meiers Pirates!" zu nennen. Denn Sid Meier hatte sich bereits einen Namen gemacht, und wenn man schon so ein seltsames Spiel veröffentlichen würde, dann sollte man zumindest seinen Namen mit dazuschreiben, damit es überhaupt jemand kauft. Das hat dann ja auch geklappt: Pirates wurde ein Megahit und eines der ersten Spiele, das man als "Crossover Game" bezeichnen konnte. Für die damalige Zeit ungewöhnlich, enthielt es Elemente der folgenden Genres: Actionspiel, Handelsspiel, Rollenspiel, Strategiespiel und Adventure

Sid Meier hasste aber Adventurespiele, wie es sie damals gab. Gemeint waren Textadventure, bei denen das Spiel darin bestand den Launen und dem Humor der Programmierer mit Hilfe eines Parsers auf die Schliche zu kommen. Er war der Meinung das sowas schlicht keinen Spaß machte, sondern meist eine frustrierende Erfahrung war. Sein Adventure sollte Multiple-Choice Antworten beinhalten und dem Spieler mehr Entscheidungsfreiheit geben.

Das Spiel erschien 1987 zuerst auf dem C64 bis zum Ende des Jahrzehnts kamen aber auch noch Versionen für Amstrad/Schneider CPC, Apple II, Atari ST, Amiga, Macintosh sowie für die PC-88/PC-98 Maschinen, die vorwiegend in Japan bekannt waren. 1991 wurde das Spiel schließlich für die NES Konsole umgesetzt.

Für den PC gab es zwei Versionen. Einmal die Ur-Version als PC-Booter, wo man also mit der Diskette im Laufwerk, unter Umgehung des Betriebssystems, den Rechner starten musste. Später gab es dann noch eine, unfassbar hässliche, CGA-Version für DOS (siehe unten).
Fairerweise muss man sagen, das es dann 1994, und damit 1 Jahr nach dem Nachfolger "Pirates Gold!", noch einmal ein Re-Release des Originals gab, das von U.S Gold unter dem Label "Kixx XL" vertrieben wurde. In dieser Version waren die Grafiken aufgehübscht. Hier mal ein Versionenvergleich der ursprünglichen Grafiken:

Szenen der PC-Booter Variante:



Szenen der CGA-DOS Variante:






Zum Spiel muss ich leider erstmal eine peinliche Anekdote aus meiner Kindheit loswerden und durch diesen Text mein Trauma verarbeiten. Ich habe Pirates! nämlich zuerst nicht begriffen.....
Der Schwertkampf (C64)

Ich hatte es in einem Stapel Raubkopien für den C64 bekommen und als eines von vielen Spielen angespielt. Als ich zu der 1. Fechtszene kam, habe ich diese mehrfach verloren, weil ich nicht wusste, worum es ging. Da dachte ich: "Na toll - n Fechtspiel - Blöd!". Ich habe es dann nie wieder gestartet, weil ich dachte es wäre eines dieser billigen "Homebrew Spielchen", halt von irgendeinem Fechtfan.
Solche kleinen Spielchen für Zwischendurch gab es schließlich damals zu Hauf in diesen "Raubkopien-Sammlungen".

Irgendwann erzählte mir dann irgendwer (ich weiß nicht mehr wer) von dem Spiel "dahinter" - Pirates!
Ich habe schön meine Klappe gehalten und es dann gespielt, um mitreden zu können. Was für eine Offenbarung das war! Wirklich gespielt habe ich es dann als PC-Booter Version.

Das Spielprinzip sollte wohl jeder Leser meines Blogs kennen, aber trotzdem erkläre ich es gern nochmal. Man startet als Freibeuter mit einer von 4 möglichen Nationalitäten (Spanien, England, Frankreich oder Holland) in die Karibik. Zu Anfang hat man auf einem Schiff angeheuert, es kommt zu einer Meuterei und ihr werdet, nach gewonnenem Fechtkampf, zum Kapitän. Soweit die Vorgeschichte, die sich aber je nach Nationalität und der gewählten Ära ändern kann. Zu Anfang des Spiels wählt man nämlich einen von 6 Zeiträumen:

1560 - The silver Empire

1600 - Merchants & Smugglers

1620 - The new Colonists

1640 - War for Profit

1660 - The Buccaneers Heroes

1680 - The Pirates Sunset 

Jeder dieser Zeiträume spielt sich anders und teilweise gibt es auch andere Orte. Einige Städte gab es 1560 noch gar nicht, wieder andere verschwanden im Laufe der Zeit wieder. In den ersten Epochen (1560/1600) gehört Spanien fast alles, es gibt nur sehr wenige englische und französische Kolonien. Ab 1620 konnten die drei anderen Nationen immer mehr Fuß fassen. 1640 und 1660 war die "goldene Zeit" für Piraten, die ab 1680 endete, weil sich immer mehr Staaten gegen die Piraterie wandten und diese ausrotten wollten. Diese Zeiträume, welche Städte, Nationalitäten und Schiffe es gab, wurde von Microprose übrigens absolut korrekt recherchiert. Auch die handelbaren Güter ändern sich durch die Zeiten. So wurde z.B. im 16 Jhd. noch nicht wirklich Tabak angebaut. Aprospos....

Eine kleine Anekdote dazu: Im Original Spiel gibt es als typisch karibisches Handelsgut "Tobacco" und zwar in der Zeit von 1600 bis 1640. Das war den Leuten bei Nintendo wohl nicht jugendfrei genug, in der NES Version gibt es nämlich in der Zeit stattdessen einfach "Crops".😖   Ey, manchmal sind die Leute bei Nintendo so peinlich....aber gut...anderes Thema.😁

Zusätzlich zum Zeitraum und eurem Namen wählt ihr am Start einen von 4 Schwierigkeitsgraden, eine  Nationalität und eine Spezialfähigkeit. Hier könnt ihr zum Beispiel besonders gut im Fechten, im Umgang mit Kanonen oder in der Navigation sein. Ihr könnt Euch aber auch dafür entscheiden, besonders charmant zu sein. Wofür das wichtig ist? Fragt mal die Töchter der Gouverneure....  

Die Optionen zum Start des Spiels (Amiga)

Jetzt seid ihr also mit eurem kleinen Schiff und der ebensolchen Mannschaft in einer Stadt in der Karibik. Je nach dem welchen historischen Zeitraum ihr gewählt habt, ist entweder die ganze Karibik spanisch oder es gibt schon einige Kolonien anderer Nationen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Niemand spielt die Spanier, vermutlich nicht mal spanische Pirates Spieler!

Eine Stadtansicht (Amiga)

Das klassische Herkunftsland von Piraten war England, dazu später mehr. Es gab aber auch einige berühmte Piraten aus Frankreich und Holland. Die Herkunftsländer ergaben sich einfach aus der Tatsache, das Spanien die Karibik entdeckt und sich ja sogar über die katholischen Kirche die "Neue Welt" zusammen mit Portugal aufgeteilt hatte. Über diese Kolonien wurde Spanien immer reicher und reicher, Engländer, Franzosen und Holländer schauten in die Röhre. England war das erste Land, das offizielle Kaperbriefe ausstellte, also königliche Genehmigungen Schiffe anderer Nationen (nennen wir diese Nationen einfach mal "Spanien") anzugreifen, auszurauben und zu versenken. Als Dank dafür lieferte man ein Teil der Beute brav bei der Krone ab. Heute undenkbar, war es damals von den Engländern einfach eine Kriegstaktik. Einer der ersten, der so einen Brief ausgestellt bekam, war einer meiner Lieblingsfiguren der Geschichte und der "Vater aller Piraten": Sir Francis Drake. Die Lebensgeschichte von Mr. Drake ist einer meiner Leidenschaften und deshalb gibt es dazu unten einen längeren Exkurs. Er ist, zusammen mit 2-3 anderen Piraten, eindeutig die Vorlage zu dem, was wir in Pirates tun dürfen.

Man ist im Spiel also erstmal in einer Stadt. Der Spielteil "In einer Stadt" läuft immer gleich ab. Man geht zum Kaufmann und verkauft seine Beute, geht in die Taverne um Leute anzuheuern und um eventuell wichtige Informationen und Schatzkarten zu bekommen. 

Die Taverne (PC Booter)

Je nach Nationalität geht man zum Gouverneur, der einem einen Kaperbrief gibt oder später, wenn man erfolgreich war, mit Ländereien und Titeln belohnt. Dieses funktioniert, sofern man sich Spanien zum Feind nimmt, mit allen drei anderen Nationen zeitgleich. Man kann also Adelstitel und Ländereien in England, Frankreich und Holland sammeln und sich so einen echten Namen machen.

Danach verlässt man die Stadt - Das Abenteuer beginnt... 

Das völlig Neue an dem Spiel war: Es gab keinerlei Vorgaben, was zu tun war. Kein echtes Spielziel, keine Gewinnkondition. Man konnte Pirates nicht "gewinnen" und auch nicht "durchspielen", es verlief jedes Mal anders und war immer wieder spannend.
Dieses Gefühl aus der ersten Stadt einfach loszusegeln....aufzubrechen in ein neues Abenteuer ist bei kaum einem Spiel so mit Händen zu Greifen, wie in Pirates. Pirates gilt auch als Initialzündung für ein neues Genre: Dem Open-World-Spiel.

Wie gesagt... man segelt los und kann tun und lassen was einem gefällt. Als z.B. Engländer hat man normalerweise in der spanisch dominierten Karibik großartig viele Feinde und es steht einem frei einfach alle Schiffe die einem vor den Bug kommen anzugreifen, sich auf spanische zu beschränken oder auch einfach nur Handel zu treiben. Letzteres ist eher eine theoretische Option, denn die Verkaufspreise bei den Händlern schwanken zwar von Stadt zu Stadt, aber das Spiel heißt "Pirates!" und nicht "Traders!"

Man bewegt sich also völlig frei über die karibische See und kann auf See und an Land jeden Punkt der Karte erreichen. Auf See wird man hin und wieder durch einen Schiffskontakt aufgehalten. Genialerweise sieht man erstmal die Silhouette des Schiffs und dadurch die Art, ohne seine Nationalität zu kennen. Dann wählt man "Investigate" und man fährt dichter ran. Erst dann sieht man, um was für ein Schiff/Nationalität es sich genau handelt. Ist es ein kleiner Händler einer befreundeten Nation? Ein anderer Pirat? Ein spanischer Piratenjäger? Eine Handelsgalleone? Ein Kriegsschiff? Oder ist es eventuell eine spanische Schatzgalleone, vollbeladen mit den Reichtümern der Neuen Welt auf dem Weg nach Europa? In fast allen Fällen greift man als Pirat an, man ist ja nicht wählerisch... 😁

Allerdings greift man natürlich Schiffe seiner Nation nicht an, man braucht ja auch Freunde. Zudem kann man mit Schiffen befreundeter Nationen Nachrichten austauschen, man will ja "up to date" sein, wo es was zu holen gibt. 😁. Manchmal kommen die Heimatnationen auf so abwegige Ideen wie die, einen Friedensvertrag mit Spanien zu schließen. Das kann das ganze schöne Geschäftsmodell "Pirat" bedrohen.... Denkt denn keiner an deren "Geschäfte"?

Ein Schiffskontakt (PC Booter)

Manchmal hat man gar nicht die Wahl und wird sofort angegriffen, meistens wenn es ein spanisches Kriegsschiff oder ein Piratenjäger ist. 

Oh, jetzt gibt's Ärger (PC Booter)

Insgesamt gibt es im Original neun Schiffstypen. Diese sind die schnelle und wendige Pinasse, die größere und gut zu steuernde Sloop, dann die Barque, die schon ein ein mittelgroßes und recht stabiles Schiff darstellt. Es folgen mit der Cargo Fluyt und der Merchantman zwei Handelsschiffe, die man eher nicht als Piratenschiff nutzen sollte. Sie sind eher "Beute". Als größerer Schiffe kommen dann drei mächtige Kriegsschiffe, namentlich die Frigate, die Fast Galleon und die riesige War Galleon, ein wirklich großes und meistens bis an die Zähne bewaffnetes Schiff. Als letztes folgt die Galleon, die großen spanischen Handelsschiffe, sie sind die größten Schiffe des Spiels. 

Für den geneigten Piraten eignet sich zu Anfang die schnelle und wendige Sloop oder eine Barque. Zum Ende der jeweiligen Kaperfahrt kann man sich dann auch mal eine Fast Galleon "gönnen" 😁. Kaufen muss man die Schiffe zum Glück nicht, denn überall in der Karibik findet man freundliche Spanier, die einem nach kurzer "Überzeugungsarbeit" ihr Schiff....ähm....zur weiteren, unentgeltlichen, Nutzung "überlassen". 😂 

Schiffskampf (C64)

Die Seegefechte sind ein Hauptteil des Spiels. Hier kann man sich epische Schlachten liefern, besonders wenn man zu Anfang mit seiner kleinen Nußschale einem scheinbar übermächtigen Feind gegenübersteht. Übermächtige Feinde gibt es aber eigentlich nicht, wenn man es richtig macht. Ich nutze immer ein eher kleines Schiff, die sind wendiger und viel schneller. Damit kann man "Kreise um die Feinde" fahren und viel schneller schießen, wie die spanischen "Dickschiffe". Wenn einen allerdings so ein 30 Kanonen Schiff mal per Breitseite treffen sollte.....

Normalerweise schießt man das gegnerische Schiff, was deren Kanonen und Mannschaft angeht, auf eine "Idealgröße" zusammen und entschließt sich dann zum Entern. Wenn man das Schiff zu lange unter Feuer nimmt, kann es aber auch explodieren und sinken. Dann ist, im wahrsten Sinne des Wortes, "Asche" mit Beute....

Da haben wir wohl zu viel geschossen (PC Booter)

Normalerweise steuert man sein Schiff wagemutig auf das Schiff des Gegners zu. Solange es nicht aufgibt, kommt es zum Kampf und man stellt sich dem gegnerischen Kapitän im Schwertduell. 

Ob der wütend ist? 😁 (Amiga)

Gewinnt man dieses, bekommt man Schiff, Ladung und manchmal auch einige Männer hinzu. Zum Schluss hat man die Wahl, ob man das gegnerische Schiff behalten oder nur plündern und versenken möchte.   

Wir sammeln die Beute ein.... (PC Booter)

In ähnlicher Art und Weise kann man auch ganze Städte plündern....von Seeseite aus nimmt man die Kanonen des/der Forts unter Feuer und kämpft irgendwann gegen den Gouverneur. Manchmal darf man danach sogar einen neuen Gouverneur seines Landes einsetzen, dann wechselt die Stadt von Spanien zu z.B. England. Eine fette Belohnung des Heimatlandes ist einem für so eine Aktion sicher, der Hass der spanischen Seite allerdings auch ;).

Und an diesem Punkt ist es wichtig, es sich nicht mit allen Nationen zu verscherzen. Einmal ist es cool von den anderen Nationen (außer den Spaniern meistens) Titel und Ländereien zu bekommen, aber man braucht auch als gesuchter Pirat im wahrsten Sinne des Wortes sichere Häfen um sich zurückzuziehen. Hierfür eignet sich zum Beispiel das direkt vor der spanisch dominierten Küste Südamerikas gelegene holländische Curacao hervorragend. Da ich meistens für England spiele, habe ich dort in der Regel den höchsten Rang, gefolgt von den Holländern und den Franzosen. Bei den Spaniern bekomme ich immer den Rang eines "Evil Pirate", ich weiß auch nicht warum.... 😇

Aber zurück zu den Städten, die man so erobern kann....

Die Plündung von Trinidad (PC Booter)

Ich habe mir mehrfsch epische Schlachten mit der Stadt Havanna auf Kuba geliefert, die meistens die größte und mächtigste Stadt im Spiel darstellt. 4 Forts hat die Stadt in einigen Szenarien, was eine echte Prüfung für ein einzelnes Schiff darstellt. Mit viel Geschick kann man es aber schaffen....

Schwertkampf mit dem Kapitän des Forts der Stadt (PC Booter)

Man konnte Städte auch vom Land aus angreifen, was in einem kleinen Mini-Spiel mündete, das ich nicht sonderlich mochte. Ich bin Pirat, und fühle mich daher eher auf dem Wasser wohl ;).

So plündert man sich also durch die Karibik, fährt hin und wieder zu freundlich gesinnten Städten, heuert dort neue Leute an, lässt evtl. sein Schiff reparieren und besucht den Gouverneur, der ja evtl. eine Beförderung für einen in Petto hat. 

Ein Amiga Gouverneur

So steigt ihr nach und nach im System der Ränge auf, von denen es 5 militärische und danach 4 Adelsränge gibt. Ihr könnt (theoretisch in jeder Nation) durch folgende Ränge aufsteigen:

Militärische Titel:

Ensign - Der erste Titel, entspricht dem 1. Offizier

Captain - Kapitän eines Schiffes 

Major - Kommandeur einer Einheit

Colonel - Kommandeur eines Regimentes

Admiral - Flottenkommandeur

Danach könnt ihr im Adelssystem, in England "Peers" genannt, wie folgt aufsteigen:

Baron - Entspricht dem deutschen "Freiherr", dem untersten "ritterlichen" Titel 

Count - Entspricht dem Graf und ist schon ein ehrenvoller Titel mit Prestige

Marquis - Der Markgraf, ein Titel der sehr einflussreich ist 

Duke - Der Herzog ist der prestigereichste Adelstitel, den man im Spiel erreichen kann 

Zusammen mit dem Grundbesitz, den ihr für großartige Leistungen vom Gouverneur bekommen könnt, sind diese Beförderungen ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor im Spiel. 

Es gibt aber auch Sonderaufträge vom Gouverneur und wenn man es geschickt anstellt, kann man evtl. seine Tochter als Braut "abgreifen". 

Die geht doch..... (PC Booter)

Nach einigen erfolgreichen Kaperfahrten wird es Zeit die Beute aufzuteilen. Dieses macht man in einer Stadt seiner Wahl. Die Beute wird nach einem System verteilt, das damals üblich war. Der Kapitän bekam einen größeren Anteil, der Rest wurde nahezu gleichmäßig auf die Crew verteilt. Diese arbeitete sozusagen "auf Rechnung", statt mit einem Sold wurde sie Anteilig an der Beute beteiligt. Im norddeutschen Sprachraum hat sich für dieses Vorgehen durch die Störtebeker Geschichte der Begriff "Likedeeler" (Gleichteiler) eingebürgert. 

Das ist übrigens auch der Hauptgrund für Veränderungen in der Stimmung der Mannschaft. Hat man reichlich Beute gemacht, ist diese zufrieden, will aber auch irgendwann mit der Kohle saufend durch die Kneipen und Bordelle der Karibik ziehen und ihr Leben genießen. Insofern muss man irgendwann die Beute aufteilen, bevor es zur Meuterei kommt. Ganz schlecht ist es übrigens, wenn man mit reicher Beute noch ein Schiff aufbringt, bei dem man neue Leute zur Crew hinzu gewinnt oder in Kneipen noch neue Leute anheuert. Das schlägt sofort auf die Stimmung, da ja nun die Beute durch mehr Leute geteilt wird, der persönliche Anteil also kleiner wird.

Eine besondere Schwierigkeit, die auch mit der Größe der Mannschaft zusammenhängt, ist deren Ernährung. Als echter Pirat ist es ehrenrührig Nahrungsmittel irgendwo in Städten zu kaufen, man plündert ja Schiffe, und da gibt es immer Nahrungsmittel zu finden. Hat man allerdings eine große Crew und das Pech länger kein Schiff mehr angetroffen zu haben, hat die Crew gleich 2 Gründe unzufrieden zu sein: Hunger und kaum Beute. Das ist im Spiel eine Kombination die nur sehr kurze Zeit gut geht und eventuell auf einer einsamen Insel endet...nämlich wenn es zur Meuterei kommt und man als Kapitän "abgelöst" wird.   

Zurück zum Aufteilen der Beute, im Spiel "Divide up the plunder" genannt:

Richtig gierig-fiese "Pro-Piraten" machen es vorher folgendermaßen: Man besorgt sich eine große Crew und zieht raubend und plündernd durch die Karibik. Kurz vor Ende der Kaperfahrt, also direkt vorm Aufteilen der Beute, legt man sich mit einem großen Schiff an und begibt sich erstmal auf die Verliererstraße. Man lässt sich treffen und dadurch seine Crew dezimieren. Auch beim Fechten stellt man sich erstmal etwas "dumm" an, bis man so auf 20 Crew-Mitglieder "zusammengestaucht" wird. Dann gewinnt man das Fechtduell doch noch, plündert das Schiff, schickt die geschlagene Crew in den Tod und steuert die nächste Stadt an, um die Beute jetzt mit nur 20 Crewmitgliedern statt 200 zu teilen - Mehr Gold für den Kapitän! Keiner hat gesagt das Piratenkapitäne nett oder fair sind....eine gewisse Gier steht allerdings ganz weit vorne in der "Berufsbeschreibung"...

Nach dem Teilen der Beute verteilt Eure Mannschaft das Geld über die Karibik, ihr legt es in eurer Schatzkammer an und plant eine weitere Runde. Hier könnt ihr wählen, ob ihr es fortan in einem höheren Schwierigkeitsgrad versuchen wollt.

Damit ist das Spiel weitestgehend erklärt. Wie gesagt, ein Ende gibt es nicht, ihr könnt nicht sterben, aber ihr altert im Spiel und mit der Zeit fällt Euch das Piratenleben zunehmend schwerer. Da kann es vorkommen, das ihr Duelle verliert, im Kerker landet, von eurer Mannschaft auf einer Insel ausgesetzt werdet und einfach merkt, das eure Zeit vorbei ist. Wie in vielen frühen Spielen von Microprose bekommt ihr, wenn ihr Euch für den Ruhestand entscheidet, einen Job angeboten, der je nach eurem Erfolg als Pirat variieren kann. 

Übrigens: Wenn man die Liste der Berufe unten so sieht, könnte man denken: "Ja, klar...ein früherer Pirat wird Bürgermeister, Ratsmitglied oder gar Gouverneur". Das ist alles wirklich vorgekommen!!!

Francis Drake wurde zwischendurch Bürgermeister von Plymouth, danach sogar Abgeordneter im Londoner Parlament sowie Berater der Königin in Marinefragen. Der berühmte Pirat Henry Morgan wurde später Vize-Gouverneur von Jamaica, der Holländer Piet Hein Admiralleutnant und Oberkommandierender der holländischen Flotte. Auch hier hat Microprose nicht so schlecht recherchiert. 

Die berufliche Zukunft (PC Booter)

Zum Schluss möchte ich noch auf einige Besonderheiten und Details des Spiels eingehen.

Programmiertechnik:

Sid Meier und Arnold Hendrick merkten relativ schnell, das sie am Limit der damaligen Computer und besonders deren Speicher programmierten. Schnell entschied man sich Animationen auf das nötige Minimum zu beschränken. So wurde verworfen, sich mit einem Avatar durch Städte zu bewegen. Stattdessen wurden hübsche Standbilder gezeichnet und man bewegte sich zwischen diesen hin und her. Die Animationen wurden auf die notwendigen Dinge wie Schiffsbewegungen, Fechtkämpfe etc. reduziert. Um weiter Speicher zu sparen, wurde ein Trick angewendet, der in der Programmierszene der 80er Jahre schon länger üblich war: Grafik als Font.
Computer waren für Schrift gedacht, so wurde die Schriftart immer zuerst in den Speicher geladen. Eine Schriftart bestand aus maximal 256 Zeichen. Für Schrift wurden maximal 30 Zeichen benötigt, der Rest wurde in Pirates mit kleinen Grafikkacheln belegt. So besteht z.B. blauer Himmel immer aus dem selben Schriftzeichen, das eben nur nicht als Zeichen, sondern als kleine blaue Fläche auf dem Bildschirm erscheint. Das konnten Computer sehr schnell berechnen und auch sehr schnell zwischen Zeichen (respektive Farben) umschalten. Der Computer verschiebt also auch keine kleinen weißen Wölkchen auf der Karte sondern eigentlich Zeichen einer Schriftart. Arnold Hendrick schrieb dafür ein Tool, das eine vorhandene Grafik möglichst effizient in eben diesen Font umrechnen konnte.  

Navigation:

Im Originalspiel ist die Karibik riesig und euer Schiff klein. Manchmal habt ihr mehrere Bildschirme nur Wasser wo ihr durch müsst.... Und es gab im Spiel keine digitale Karte! Eine Karte gab es auf Papier und ihr musstet, realistisch, eure Position nach der Sonne bestimmen und auf der Karte nachvollziehen. Bei einer Raubkopie half es, den Diercke Weltatlas aus der Schule zu nehmen, die Karibik aufzuschlagen und sich von Insel zu Insel zu hangeln.... Ich jedenfalls verdanke meine umfangreichen geographischen Kenntnisse der Gegend nur dem Spielen von Pirates.

Die Berechnung des Standortes mit Hilfe des Sonnenstandes auf dem NES

Besonders war auch, das das Wetter in Form von Wind ein nicht unerheblichen Einfluss auf das Spiel hatte. Wie es auch in der Realität ist, bläst der Wind vorwiegend aus Westen, so das eine Fahrt vom westlichsten Punkt im Golf von Mexiko zur östlichsten Stadt (Barbados) viel schneller geht als andersherum.

Schatzkarten:

Eine Schatzkarte (C64)

An Schatzkarten kommt man auf 2 Wegen: Entweder man kauft sie bei dem Schatzkarten-Dealer seines Vertrauens und hofft, das es keine "Gebrauchte" ist. 😁. Den zweite Weg beschreibe ich weiter unten.

"Wolle Schatzkarte kauffe"? (PC Booter)

Ihr könnt also auch an Reichtümer kommen, ohne Schiffe und Städte zu plündern...

"Betrachte Reichtümer" (Oh, falsches Spiel 😁😂)

Silver Train / Treasure Fleet

Diese beiden jährlich auftauchenden "Beutestücke" sind quasi der "Heilige Gral" der Piraterie. Beide gab es in der Realität tatsächlich. Der Silver Train war eine Lastentier-Karawane von Panama City nach Nombre de Dios, von wo das Silber auf die Treasure Fleet verladen wurde. Zwei Piraten ist es nachweislich gelungen diesen Trek zu überfallen und das Silber zu stehlen. Der erste davon war...ihr ahnt es... Francis Drake.
Die Treasure Fleet war ein Convoy von Schiffen um die Reichtümer der Neuen Welt nach Spanien zu bringen. Diese Flotte wurde nur ein einziges Mal komplett gekapert und zwar 1628 vom Holländer Piet Hein.
Beide Ziele tauchen im Spiel periodisch auf und wandern auf einer bestimmten Route durch die Karibik. Beide kann man durch erobern einer Stadt erringen ("Treasure Fleet is in Town!"), die Treasure Fleet kann man aber auch auf hoher See zu seiner Beute machen.

Aber selbst die Treasure Fleet und der Silver Train sind nur Kleingeld im Vergleich zu dem, was passiert, wenn ihr euch um eure Familie "kümmert"....

Verwandtschaft:

Nach und nach bekommt ihr mit, das ihr Verwandte habt, die durch fiese "Kollegen" entführt wurden. Dazu jagt ihr Hinweisen nach, bis ihr den Übeltäter gestellt und ihm das Versteck eures Schwester, Vaters, Onkels etc. entlockt habt. Diese Hinweis ist eine Karte zum Versteck. Der Gerettete berichtet Euch dann von einem großen Schatz und ihr bekommt eine weitere Karte. Diese Karten sind nur Fragmente (1/4 einer Karte), aber mit guter Kenntnis des Spiels reicht das oft, um den Schatz zu finden. Dazu geht man an Land und gräbt an der vermeintlichen Stelle.

Die liebe Verwandtschaft (PC Booter)

Die Schatzkarten, an die ihr nur über gefundene Familienmitglieder kommt, führen euch zu wirklich fetten Schätzen. Da sind Inka Schätze dabei, die euch auf einen Schlag 100.000 Goldstücke bringen. 

Der Inka Schatz (C64)

Punktevergabe:

Wie oben beschrieben, bekommt man am Ende des Spiels einen Beruf zugewiesen, der sich nach seinem Erfolg im Spiel richtet. Hier wird aber nicht nur das zusammengeraffte Gold gezählt. Pirates errechnet einen Score aus verschiedenen Aspekten des Spiels. Ein ideales Spiel wäre, wenn man im höchsten Schwierigkeitsgrad bei allen Nationen den höchsten Rang "Duke" besitzt (was nicht machbar ist, da Spanien meist der Feind ist), große Ländereien in allen Nationen sein Eigen nennt, sowohl die Treasure Fleet als auch den Silver Train gekapert hat, alle 4 Mitglieder seiner Familie befreit, die daraus resultierenden Schätze gefunden und noch die schönste aller Gouverneurstöchter geheiratet hat. Aber auch mit weniger Erfolg kann man es zum höchsten Beruf, dem "Kings Advisor" bringen, einfach ist das aber nicht. 

Fazit:

Als Pirates 1987 erschien, war es ein sehr besonderes Spiel, mit dem manche auch nichts anfangen konnten. Es gibt bei kaum einem Spiel so unterschiedliche Rezensionen. Diese reichen von 33 % der Amiga Power bis zu mehreren Wertungen mit 100 %. Das Spiel gilt heute zu Recht als einer DER grössten Klassiker der Spielegeschichte und findet sich auf allen Listen der besten Spiele aller Zeiten wieder. Die Spielmechanik und -thematik sind unsterblich, der Wiederspielwert extrem hoch und der Spassfaktor ebenfalls. Es macht einfach eine diebische Freude noch ein Schiff mehr zu erobern und in einem Piratenleben die Treasure Fleet, den Silver Train, einige Städte und den Inca Schatz zu ergattern. Einfach eines der besten Spiele aller Zeiten.  


Kleiner Exkurs zu Francis Drake

Sid Meier hatte sich mit dem Piratenszenario ein durchaus sehr populäres Thema herausgepickt. Er sagt auch offen, das das Spiel eher an den alten Piratenfilmen, als an der Realität angelehnt ist.
Aber.... kann man das Spiel trotzdem realistisch nennen? Sicher nicht, denn Piraten waren in der Regel keine ehrenvollen, romantischen Abenteurer sondern mordende, gierige Soziopathen. Trotzdem ist es aber interessant ist zu sehen, wie viel Realismus trotzdem im Spiel steckt. 

Ich interessiere mich seit jeher für Piraten und habe einiges an Wissen auf dem Gebiet angesammelt. Für das Leben, das wir normalerweise in Pirates spielen, gibt es tatsächlich einige reale Vorbilder. Besonders zu nennen sind drei berühmte Piraten der Geschichte: Die Engländer Henry Morgan und Francis Drake sowie der Holländer Piet Heyn. Warum ich grade die drei rausgesucht habe, darauf komme ich in meinen Pirates Artikeln zu sprechen. Ich werde bei jedem Pirates Spiel, das ich bespreche, auf einen "echten" Piraten eingehen, beginnen werde ich mit meinem Favoriten und demjenigen, mit der sicherlich abgefahrendsten Lebensgeschichte von allen: Sir Francis Drake.

Francis Drake 

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, sind England und auch das Leben von Francis Drake eine Leidenschaft von mir. Ich habe viele Bücher über ihn gelesen, war in seinem Geburtsort Tavistock in England und habe sein Herrenhaus (eigentlich ein ehemaliges Kloster) Buckland Abbey in Devon besucht, das seine Nachkommen übrigens bis 1946 bewohnt haben, bevor es durch den National Trust übernommen und jedem zugänglich gemacht wurde. 

Der Wohnsitz der Familie Drake von 1580 - 1946: Buckland Abbey
Autor:   HP.Schaefer   Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ich nenne Francis Drake gern "Vater aller Piraten", weil er einer der ersten war, der eine "Pirates-artige" Karriere gelebt hat. Er wurde in eine Zeit des Aufbruchs hineingeboren. Amerika war entdeckt, allerdings war sein Heimatland, England, bei der "Verteilung der Kolonien" irgendwie nicht beteiligt, und damit auch nicht an den Schätzen, die aus der neuen Welt nach Spanien und Portugal flossen. 

Man kann mit Fug und Recht behaupten, das England bei seiner Geburt eine eher unbedeutende und relativ arme Insel war. Zum Zeitpunkt seines Todes war England eine mächtige Seefahrernation an der Stufe zum Weltreich. Das ist natürlich nicht nur sein Verdienst, aber er hat an vielen entscheidenden Kapiteln mitgeschrieben. Auf einige davon möchte ich hier mal eingehen, Parallelen zu Pirates werdet ihr sicherlich problemlos feststellen. 

Geboren 1540 in Tavistock / Devon genoss er eine Seefahrtsausbildung in Plymouth, und konnte bereits mit 20 Jahren ein Schiff übernehmen. Ende der 1560er Jahre war er auf einer Sklavenroute von Afrika in die Karibik tätig. Von den Spaniern wurde er immer etwas herablassend behandelt, diese Behandlung eskalierte im September 1568 in einem Scharmützel mit dem spanischen Vizekönig, der eine Waffenruhe brach und die englische Flotte um Francis Drake sowie seinem Vetter John Hawkins angriff und teilweise versenkte. Dieser Vorfall festigte den Hass Drakes auf alles Spanische und führte zu einem in der Geschichte beispiellosen "Privatkrieg" zwischen ihm und Spanien.

Ab 1570 ging er auf Kaperfahrt in die Karibik - ausgestattet mit einem Kaperbrief seiner Königin Elisabeth der I. Es war der Beginn der englischen Piraterie in der Karibik. Schon auf den ersten Fahrten mit mehreren Schiffsplünderungen waren die Schäden mit 66.000 Tudor Pfund so gewaltig, das der spanische König direkt davon erfuhr.   

1572/1573 fuhr er wieder in die Karibik und dieses mal wollte er es den Spanier richtig "zeigen", möglicherweise wird euch einiges davon aus Pirates bekannt vorkommen: Er brachte mehrere Schiffe auf, lies die Besatzung aber meistens frei, damit diese von ihm erzählen konnten. So festigte sich sein Ruf als Pirat, aber auch die Kunde von seinem Vorgehen die Gegner zu verschonen, wenn sie sich ergeben.
Danach eroberte er mit ca. 100 Mann den Ort Nombre de Dios, der an einer der Schnittstellen des spanischen Gold- und Silberverkehrs lag. Passend dazu nahm er eine größere Menge Silberbarren aus dem örtlichen Lager in Besitz. Trotz einer Schusswunde machte er in der Karibik weiter und belagerte erfolgreich Cartagena. Danach tat er etwas, mit dem keiner gerechnet hatte und was vor ihm auch noch nie jemand getan hatte: Er überfiel den "Silver Train", eine Silber Karawane, die regelmäßig per Lastesel von Panama an die karibische Küste unterwegs war. Nur so viel: Die Beute allein dieses Überfalls entsprach 1/5 der englischen Steuereinnahmen des Jahres! 

Ein seetüchtiger Nachbau von Drakes Flagschiff "Golden Hind" zu sehen in London

1577 brach er dann an Bord der "Golden Hind" zu einer legendären Reise auf, der "Famous Voyage". Mit 150 Leuten und unklarem Ziel verließ er Plymouth und machte sich auf den Weg nach Süd-Westen. Ich habe diese Fahrt genau studiert, dazu habe ich ein Tagebuch eines Mitfahrenden gelesen, das es heute noch zu kaufen gibt. Um es abzukürzen: Drake fuhr durch die, heute nach ihm benannte, Passage um Südamerika herum, und griff, erstmals überhaupt, die spanischen Besitzungen auf der Pazifikseite Amerikas an. Hier wähnten sich die Spanier in Sicherheit, noch nie war ein Schiff einer anderen Nation hier entlanggefahren. Das wusste Francis Drake und er hatte den Mut die Spanier dort zu treffen, wo es am meisten weh tat. Die Gold und SIlbervorkommen lagen nämlich nicht in der Karibik, sondern an der Pazifikseite Südamerikas, sie wurden nur durch die Karibik nach Spanien transportiert. Er ging also, wenn man so will, an die Quelle des spanischen Reichtums. Dort plünderte er nach und nach viele Städte und Siedlungen, bis er auf die Schatzgalleone "Cacafuego" ("Feuerscheisser") traf. Diese ergab sich nahezu kampflos. Mehrere Quellen behaupten, das das Umladen der Schätze 3 Tage dauerte...  

Kupferstich der "Cacafuego"

Da der Rückweg über die Magellanstrasse mittlerweile von Spaniern wimmelte, entschloss sich Drake nach Norden zu fahren - Eine Bucht bei San Francisco trägt heute noch seinen Namen. Da er keine Nordwestpassage zurück nach Europa fand, segelte er auf den offenen Pazifik - einmal um die Welt - als 2. Mensch überhaupt. Und er war der Erste, der eine Weltumseglung als Kapitän startete und am selben Ort wieder beendete, denn Ferdinand Magellan, der erste Weltumsegler, war unterwegs gestorben, seine Crew vollendete aber die Fahrt.

Die Weltumseglung des Francis Drake 
Autor: Lencer Lizenz: CC BY-SA 3.0

Als er 1580, nach insgesamt 3 Jahren, wieder in Plymouth ankam wurde er als Volksheld gefeiert. Die Investoren, die ihm seine Kaperfahrt vorfinanziert hatten, freuten sich über - Achtung! - 4700 Prozent Profit. Falls ihr euch fragt, was das für Leute waren, die eine solche Kaperfahrt vorfinanzierten.... Es war ein Konsortium aus Händlern, königlichen Beratern und Adligen. Die Führung dieses Konsortiums lag nachweislich beim Londoner Tuchhändler Thomas Gresham, dem Gründer der Londoner Börse. Die Investoren waren also keine zwielichtigen Unbekannten, sondern gehörten zur Upper Class Englands. Die Finanzierung von Piraterie als Investment war also ein offenes Geheimnis....  

Thomas Gresham

Übrigens erlaubte die Queen Drake heimlich aus der Beute 10.000 Pfund für sich und nochmal die gleiche Summe für seine Crew zu entnehmen - bevor die Beute von offizieller Stelle gezählt wurde. 

Das zeigt, welchen Stellenwert Francis Drake bei seiner "Chefin" hatte.

Legendär ist auch sein Ritterschlag, der bei einem Besuch der Königin 1581 auf seinem Schiff in London vorgenommen wurde. Bei dieser Zeremonie waren viele Zuschauer anwesend, so das das folgende historisch gut belegt ist:
Drake kniete nach einem Essen an Bord des Schiffes vor seiner Königin nieder. Sie nahm ihr Schwert und sagte leise zu ihm: "Francis Drake, ihr seid ein Schurke, und um meiner Ehre willen, muss ich mich von Euch lossagen". Dann drehte sie sich zu einem anwesenden französischen Gesandten um und sagte: "Ich bin überzeugt das dieser Monsieur hier den Ritterschlag mit Freunde für mich ausführen wird...." So erhielt Francis Drake seinen Ritterschlag und führte fortan den Titel "Sir" im Namen.  

In den folgenden Jahren war er Bürgermeister von Plymouth, Parlamentsabgeordneter sowie einer der Berater der Königin bzw. der Admiralität in Fragen der Marine. Es gibt sogar einige Quellen die ihm eine Affaire mit der "Virgin Queen" andichten wollen, vermutlich ist da aber nichts dran.
Es zog ihn aber auch bald wieder hinaus zu neuen, allerdings weit weniger erfolgreichen, Kaperfahrten.

1585/6 ging er nochmal auf Kaperfahrt, nachdem die Spanier durch eine List einen Teil der englischen Flotte in Europa beschlagnahmt hatten. Er überfiel Santo Domingo, Cartagena und auf dem Rückweg
St. Augustine in Florida. Diese Kaperfahrt war ein finanzieller Fehlschlag für ihn und seine Investoren, aber ein harter Schlag für Spanien, denn die finanzielle Lage Spaniens wurde immer schwieriger. Die Bank von Sevillia ging in Konkurs und viele Geldgeber Spaniens weigerten sich, weitere Kredite zu geben. Dieses ist in direkter Linie auf die Taten Drakes zurückzuführen.

1588 schlug aber nochmal seine große Stunde, als er maßgeblich an der Vernichtung der spanischen Armada beteiligt war. Es war seine Idee sogenannte Brander, brennende "Geisterschiffe", in die Flotte der Spanier zu steuern, um diese in Panik zu versetzen. Bekanntermaßen wurde die spanische Armada geschlagen, teilweise durch die Engländer, aber auch zum Teil von Stürmen, als die Spanier gezwungen waren, um Schottland herum zu flüchten.
Francis Drake zeigte sich hier und auch zu anderen Gelegenheiten zwar als Draufgänger und genialer Kapitän, allerdings auch als unfähig, sich unterzuordnen und sich in ein größeres Ganzes zu fügen. Es gibt in der Geschichte rund um die Armada und auch sonst eine Reihe von Situationen, in denen er komplett irrational und eigenmächtig handelte. Oft war es pures Glück, das es für ihn gut ausging. Er ging auch in Bezug auf seine Crew oft unnötige Risiken ein, was viele seiner Männer, darunter auch z.B. sein Bruder mit dem Leben bezahlten. Er war zwar kein mordlustiger Psychopath aber wohl schon ein sehr egozentrischer und "schwieriger" Charakter, der nach eigenen Regeln lebte.  
Am 28 Januar 1596 starb Francis Drake auf See vor Puerto Bello in der Karibik an der Ruhr und wurde noch auf See beigesetzt. Als England 1996 den 400. Todestag Drakes mit etlichen Feierlichkeiten beging, kam es zu diplomatischen Verwicklungen mit Spanien, die diese Feierlichkeiten gar nicht lustig fanden.... 

Fazit:

Francis Drake war fraglos ein Dieb, ein Pirat, ein Outlaw, aber auch ein Kind seiner Zeit. Sein beispielloser "Privatkrieg" mit Spanien war von seiner Königin genehmigt, ja seine Kaperfahrten wurden sogar offiziell finanziert. 
Die "Lebensleistung" und Nachwirkung von Francis Drake ist in der englischen Geschichte nicht zu unterschätzen. Er sorgte dafür, das Spanien erheblich beschädigt und England gleichermaßen gestärkt wurde, umsegelte die Welt und war maßgeblich an der Zerstörung der spanischen Armada beteiligt. Zudem stellte er seine Expertise und Erfahrung mit Schiffen in den Dienst seines Landes, denn er verbesserte die Art und Weise, wie in England Schiffe gebaut wurden erheblich, was späteren Generationen zu Gute kam. Im 17. Jahrhundert waren die englischen Schiffe die schnellsten und besten der Welt. Viele die von seinen Taten in der Karibik gehört hatten, wollten es ihm gleich tun.
Sein Vorbild führte dann zu einer waren Invasion an englischen Piraten und "Glücksrittern" in der Karibik, die wir ja im Spiel Pirates in den Zeitaltern "War for Profit" und "Buccaneer Heroes" nachspielen. Francis Drake war, zumindest zum Teil, am Aufstieg Englands zur dominierenden Seemacht beteiligt, und Teil des "Elisabethanischen Zeitalters". 


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