Retrospiele: Ace of Aces

 


Heute möchte ich über ein Spiel bloggen, das wir früher auf dem C64 geliebt haben: Ace of Aces.

Das Spiel erschien im September 1986 auf dem C64 und wurde später auf allerlei Maschinen umgesetzt, darunter Amstrad CPC, Atari 8-Bit, Atari 7800, Dos, ZX Spectrum und sogar auf dem Master System. Entwickelt wurde das Spiel von Artech, gepublished von Accolade.

Das Spiel simuliert Einsätze der Royal Air Force im 2. Weltkrieg. Ihr fliegt eine "Mosquito", ein sehr interessantes Flugzeug. So interessant, das ich einen kurzen Exkurs dazu machen möchte.

De Havilland DH.98 "Mosquito"

Die zwischen 1940 und 1950 hergestellte "Mosquito" hieß eigentlich "DH.98 Mosquito" und wurde vom britischen Hersteller De Havilland hergestellt. Das besondere an dem Jagdbomber, der sowohl für Aufklärungs- als auch für (Nacht-)Jagd- und Bombeneinsätze genutzt wurde, war sein Konstruktionsmaterial: Holz!

Die Maschine bestand zum großen Teil aus verschiedenen Holzarten (Sperrholz, Birke, Fichte, Balsaholz), was damals erst für Verwunderung sorgte, so bekam die Maschine schnell den Spitznamen: "Wooden Wonder". Holz war auch deswegen in der Zeit ein gutes Baumaterial, weil es gut verfügbar war und nicht für andere "kriegswichtige" Projekte gebraucht wurde.
Die Maschine war vor allem eines: extrem schnell! So schnell, das es für eine gewisse Zeit das schnellste Flugzeug des Krieges war, denn die Holzkonstruktion wurde von 2 Rolls-Royce Motoren mit je über 1600 PS betrieben, bei einem Startgewicht von etwas über 8500 Kg. Das Verhältnis "Gewicht zu PS" war einmalig und machte die "Mosquito" zu einem perfekten Nachtjäger und "Schnellbomber"... 

Mit seinen, je nach Version, ca. 3200 PS konnte die Konstruktion deutlich über 600 Km/h schnell werden und über 11.000m hoch fliegen, viel zu schnell und hoch für die damalige deutsche Flugabwehr.
Zuerst waren die Bomberversionen nicht mal bewaffnet, einfach weil die Maschinen sowieso zu schnell für die deutschen Jäger waren! Schon 1941 gab es einen dokumentierten Einsatz, bei dem eine Mosquito drei deutschen Messerschmidts Bf109 schlichtweg im Geradeausflug davonflog.
In Deutschland sprach man von der "Mosquito Plage". Erst spät im Krieg gab es deutsche Abfangjäger, die der Mosquito ebenbürtig waren, so zum Beispiel die Heinkel HE-219. Von ihr gab es die extrem hochgezüchtete und leichte Kleinserien-Variante "A6", die speziell gegen die Mosquito entwickelt wurde. 
Ab 1943 gab es dann die Mosquito-Varianten, die wir auch im Spiel fliegen können: Mit Bomben und Maschinengewehr.

Insgesamt wurden 7700 Flugzeuge des Typs in verschiedenen Varianten und für diverse Länder gebaut. 

Zurück zum Spiel.

Ihr spielt also Einsätze der RAF gegen das Deutsche Reich im 2. Weltkrieg. Im Spiel gibt es Einsätze zur Bombardierung von festen Zielen, aber auch von U-Booten, Zügen sowie dem Abfangen von V1-Raketen und deren Basen. Dazu kommen natürlich Dogfights mit anderen Flugzeugen.... Das Spiel war keine simple Arcadeballerei, sondern baute auf "echten" Missionen auf, die auf einer Landkarte vorbesprochen wurden. Schon auf der Karte konnte man sehen, was einen erwartet: Ziele, gegnerische Flugzeuge etc....sogar das Wetter, das eine nicht unerhebliche Rolle spielen kann. 

Bevor die Mission startet wählt man seine Bewaffnung und die Betankung. 

Es empfiehlt sich, genug Waffen und Sprit mitzunehmen....

Dieses Spiel war tatsächlich meine erste Flugsimulation mit einer solchen Missionsstruktur.

Am spannendsten waren definitiv die Dogfights, in meinem Freundeskreis zählten nur die Abschüsse, denn Ace of Aces war ein Highscorespiel!

Während der Mission gab es 5 Bildschirme: Die normale Cockpitansicht, der Blick nach links und rechts (zu den Motoren/Flügeln), der Blick durch den Bombenschacht und der auf die Karte.

Im Cockpit waren natürlich die üblichen Anzeigen zu beachten: künstlicher Horizont, Höhenmesser, Kompass, Geschwindigkeit, Schadensanzeige und natürlich das Radar.

Cockpitansicht (Atari 8-Bit)

Der Blick auf die Motoren war nicht nur ein optischer Gag, sondern hatte einen wichtigen Grund: Die Motoren konnten während der Mission nämlich brennen, und in der Ansichtsperspektive konnte man diese löschen. Das war natürlich sehr hektisch, wenn man grade im Dogfight unterwegs war....
Aber für den Realismus war es ein spannendes Feature.

Ich erinnere mich noch gut an Sessions mit Kumpels und den Aufschrei: "Ah...mein Motor brennt!"

Blöd.... das Treibwerk brennt.... (C64)

Frei nach dem Film "Madagascar 2": "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht!" " Die Schlechte: "Das linke Treibwerk ist ausgefallen". "Die Gute: "Das rechte hat aufgehört zu brennen....." 😁

Hatte man das zu bombardierende Ziel erreicht, schaltete man auf die Bombardierungsansicht und warf einen Blick durch den Bombenschacht.

Die Bombardierung eines Zuges (DOS)

Bei der Bombardierung war Zielgenauigkeit gefragt, so durfte man z.B. beim Zugangriff nicht die Waggons mit dem roten Kreuz treffen. 

Die Missionen starteten und endeten in der Luft, man brauchte also weder zu starten noch zu landen. Während der Mission musste man immer etwas auf die Karte achten, einmal um seinen Kurs zu prüfen aber auch um das schlechte Wetter zu meiden. Ein Dogfight in schlechtem Wetter ist kein Vergnügen.

Nach erfolgreichem Beenden der Mission wurden die Punkte berechnet. Es flossen sowohl die Abschüsse und Bombardements ein aber auch die Effektivität, also wie viel Sprit und Waffen ihr für die Mission benötigt habt.  

Auf dem C64 war das Spiel ein Highlight, besonders was Grafik und Sound anging. Auf anderen Systemen, besonders PC und Master System, waren Grafik und Sound nicht auf dem "Stand der Technik".

Hier mal ein Grafikvergleich der Systeme anhand von ähnlichen Spielsituationen:

Amstrad  / Schneider CPC

Atari 7800

Atari 8-Bit

C64

Dos

Sega Master System

Das Spiel war 1986/1987 eines der erfolgreichsten auf dem C64 und das zweiterfolgreichste überhaupt von Accolade. Von den C64-Kritikern wurde besonders die Grafik und der Sound gelobt und allgemein die Missionsstruktur sowie das Einbinden von Wetter.

Fazit:

Ace of Aces war auf dem C64 ein Highlight und ein Kind seiner Zeit. Es war eine Mischung aus Actionfliegerei und Simulation, mit klarem Fokus auf Action. Im Gegensatz zu vielen anderen Flugspielen der Zeit, gab es eine Missionsstruktur samt "Hintergrundgeschichte" und es war kein reines "Ballerspiel". Allerdings hatte man die Varianten des Spiels auch recht schnell "durch", denn es gab eben nur wenige unterschiedliche Aufgaben, aus denen Missionen bestehen konnten. So hatte man am meisten Spaß an den Dogfights. Trotzdem war es damals ein tolles Spiel das sicherlich auch den einen oder anderen späteren Titel beeinflusst haben dürfte.

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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