Legenden: Chris Sawyer

 

Chris Sawyer 2004

Chris Sawyer ist ein sehr interessanter Charakter der britischen Spiele-Industrie. Er hat nur wenige "eigene" Spiele programmiert, allerdings sind diese ausnahmslos Klassiker und echte "Sawyer-Games", die man sofort als solche erkennt. Sollte es jemanden geben, der seinen Namen nicht einordnen kann:

Er ist der Entwickler der Spiele-Serien Transport- und Rollercoaster Tycoon.

Wie immer bei den "Legenden"-Artikeln werde ich die meisten im folgenden erwähnten Spiele noch in jeweils eigenen Artikeln würdigen, aber hier schon mal die Geschichte des Genies hinter den Spielen....

Chris Sawyer wurde im schottischen Dundee geboren und war schon Anfang der 80er als Teenager ein begeisterter Programmierer. Er schrieb einfache Basic Scripte für einen lokalen Computerladen auf einem ZX81. Leider konnte er sich keinen der damals populären BBC Micro Computern leisten und so war sein erster eigener Computer ein reichlich exotisches Gerät, das aber seine Laufbahn prägen sollte: einen Memotech MTX.  

Der Memotech Computer
Lizenz: CC-BY 3.0 Quelle: Wikipedia, Autor: Bilby

Dieses Gerät, 1983 veröffentlicht, hatte lediglich 32Kb und einen Z80 Prozessor mit 4 MHz.

Auf diesem Gerät lernte Chris Sawyer jedoch in Maschinencode zu programmieren, später studierte er "Computer Science and microprocessor systems" an der Uni in Glasgow.

Seine ersten Spiele wurden über Memotech veröffentlicht, namentlich die Titel Sepulcri Scelerati und Ziggurat. Diese wurden teilweise auch über Ariolasoft veröffentlicht.

Sepulcri Scelerati
(Bildquelle: Launchbox Gamesdatabase)

Als er Probleme mit der Bezahlung seiner Titel hatte, begann er mit DOS-Portierungen von Amiga-Spielen. In dieser Zeit war er an folgenden Titeln beteiligt: Virus, Conqueror, Campaign, Birds of Prey, Dino Dini's Goal und Frontier: Elite II

Anfang der 90er spielte Chris Sawyer Sid Meiers Railroad Tycoon, was für Ihn ein Wendepunkt darstellte. Inspiriert von diesem Meilenstein begann er eigene Spiele in dieser Art zu entwickeln. Sein erstes Spiel ist bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden und gilt bis heute als Meilenstein seines Genres: Transport Tycoon (1994).

Transport Tycoon (1994)

Ähnlich wie Geoff Crammond bei "Grand Prix" programmierte Chris Sawyer das Spiel weitestgehend alleine. Lediglich beim Sound und später beim "Feinschliff" sowie beim Cover gab es Hilfe des Publishers Microprose

Als es 1994 für Dos, Macintosh, Playstation und Sega Saturn herauskam, war es ein sofortiger Hit, hoch gelobt von den Zeitschriften und geliebt von den Spielern. Das Spiel passte wunderbar in das damalige Lineup von Microprose mit Titeln wie Railroad Tycoon, Civilization und anderen Titeln mit isometrischer Grafik. 
Der isometrische Grafikstil von Transport Tycoon und die einfache klare Struktur sollte ein Markenzeichen von Sawyers Spielen werden, man erkennt sie sofort als solche. Dies zeigt auch sein persönliches Logo, an dem man sofort seinen Stil erkennt:

Ein besonderes Detail macht seine Spiele noch bemerkenswerter und ist eine Parallele zu seinem britischen Microprose-Kollegen Geoff Crammond: Chris Sawyer programmierte seine Spiele nahezu allein und zu 99% in Assembler! Dieses hat definitiv mit der Herkunft zu tun, denn die britische Heimcomputer-Industrie war eine besondere und am besten ließ sich eben mit Assembler auf den Maschinen arbeiten.

Wenig später,1995, veröffentlichte er sein Transport Tycoon Deluxe, das ebenfalls eine Erfolg wurde.

Transport Tycoon Deluxe (1995)

Danach machte er erstmal Urlaub in Europa und in den USA und entwickelte eine Leidenschaft für Freizeitparks und Achterbahnen. Schon vorher hatte er, mehr aus Spaß, mit der Spiele-Engine von Transport Tycoon experimentiert, mit dem Ziel zu sehen, ob sich im Spiel auch Achterbahnen statt Eisenbahnen bauen ließen. Aus diesem eher spaßigen Projekt entwickelte sich auf der Reise eine echte Leidenschaft und die Idee zu seinem 2. legendären Titel: Rollercoaster Tycoon.

Rollercoaster Tycoon (1999)

Es gab in den 90ern schon mehrere "Freizeitpark-Spiele", darunter Disneys Achterbahnsimulator  "Coaster" von 1993 und natürlich das Spiel Theme Park von Bullfrog (1994). Ihr werdet schon noch in meinem Blog merken, das ich kein Bullfrog Fan bin und mit Spielen von Peter Molyneux generell nicht viel anfangen kann..... 😁

Disneys "Coaster" (1993)

Theme Park (1994)

Im Vergleich zu der Rollercoaster Tycoon Serie sind Theme Park (und auch Theme Park World), meiner Meinung nach, chancenlos schlechte Spiele. Aber ich weiß, das Bullfrog und auch Theme Park ganz viele Fans hat, insofern drückt das nur meine eigene Meinung aus, auch wenn ich alle Spiele gespielt und in meiner Sammlung habe. Mir gefällt der eher sachliche Grafikstil der "Sawyer-Games" einfach besser und ich mag den eher realistischeren Ansatz der Achterbahnen und natürlich deren Design in Rollercoaster Tycoon sehr.  

Rollercoaster Tycoon (1999)

Auch wenn Microprose ihn zu einem weiteren Transport Tycoon drängte, fing er an das Achterbahn-Spiel zu designen, zuerst unter dem Titel "White Knuckle". Die englisch/amerikanische Phrase "White Knuckle" lässt sich schlecht direkt übersetzen, im englischen werden damit angsteinflössende Erlebnisse bezeichnet. Freizeitparks kategorisieren ihre schnellsten Fahrten (meist Achterbahnen) auf den Webseiten gern als "White-Knuckle Rides". 

Aus Marketinggründen wurde das Spiel aber letztendlich Teil der erfolgreichen "Tycoon-Serie" die Microprose begründet hatte. 

Nach dem Erfolg von Rollercoaster Tycoon machte er sich wieder an den Nachfolger zu Transport Tycoon, konnte aber einfach nicht weitermachen, weil ihn die Achterbahnen nicht losließen. So machte er weiter und brachte 2002 Rollercoaster Tycoon 2 heraus: Ebenfalls ein großer Erfolg.

2004 programmierte er dann seinen letzten Transport Tycoon Titel: Chris Sawyers Locomotion.

Chris Sawyers Locomotion (2004)

Nach diesem Titel und den Querelen um die Auflösung von Microprose durch Hasbro und der Übernahme von Hasbro durch Atari stieg Chris Sawyer langsam aus der Industrie aus. Er war noch Consultant für Rollercoaster Tycoon 3, das von Frontier Developments in 3D-Grafik umgesetzt wurde. Chris Sawyer mochte keine 3D-Grafik und verließ das Team während der Entwicklung. Mit Atari gab es echten Streit, der sogar vor Gericht landete, weil Atari ihn nicht vertragsgerecht bezahlt hatte.

Chris Sawyers Abneigung von 3D-Grafik in Strategie- und Managementspielen kann ich gut nachvollziehen, denn übersichtlicher und besser werden die Spiele dadurch nicht. Natürlich ist es spassig in Rollercoaster Tycoon 3 seine selbst designten Bahnen in 3D zu fahren, aber der Aufbau des Parks ist durch die 3D Perspektive äußerst umständlich, genau wie die Steuerung. 

Rollercoaster Tycoon 3D (2004)

Chris Sawyer war aber auch mit der gesamten Industrie unzufrieden, die immer gewalttätigere Spiele herausbrachte, was nicht "seine Welt" war. Er fühlte, das er nicht mehr Teil dieser Industrie war und sein wollte - Er steig aus, mit dem Ziel, sich seinen privaten Interessen zu widmen. 

Er gründete jedoch 2013 die Firma 31X Ltd., die sich auf mobile Spiele konzentrierte. Sawyer hatte gemerkt, das es steigendes Interesse an mobilen Versionen seiner Spiele gab. Mit Teilen seines alten Teams, entwickelte er 2013 die Mobilversionen von Transport Tycoon für Android und iOS und 2016 das sehr genial umgesetzte Roller Coaster Tycoon Classic, das auf Rollercoaster Tycoon 2 basiert.

Noch heute leitet Chris Sawyer, zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Jacqui Lyons, die Firma 31x Ltd in London.  

Fazit:
Chris Sawyer ist eine wahre Legende der Spiele-Industrie. Er ist einer der wenigen Programmierer der 90er, die Welthits weitestgehend im Alleingang programmiert haben und der einen ganz bestimmten Stil in seinen Spielen hat. Man erkennt seine Spiele sofort, ähnlich wie man einen Sid Meier Titel erkennt. 
Er hat im Prinzip nur eine einzige Spiele-Engine und im Prinzip mit dieser auch nur eine Art von Spiel entwickelt, aber daraus wirklich viel gemacht und uns Spielern Meisterwerke geschenkt, die heute noch als brilliant gelten. Meiner Meinung nach gibt es heute noch kein besseres Simulationsspiel des Verkehrswesens als Transport-Tycoon, obwohl es da einige gute Kandidaten gibt. Aber auch diese Spiele, wie z.B. "Open TTD" und "Cities in Motion" zollen in ihren Credits ausdrücklich Respekt an Chris Sawyer und bedanken sich für seine "amazing games".

Eine Simulation eines Freizeitparks habe ich nie wieder besser, spaßiger und intuitiver gespielt, als in den Rollercoaster Tycoon Spielen. Insofern möchte ich Chris Sawyer für sein kurzes aber geniales Werk danken und wage nicht zu überschlagen, wie viele Stunden und Tage ich mit seinen Spielen verbracht habe.... 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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