Retrospiele: Wings of Fury

 


Heute geht es um ein sehr bekanntes, aber auch kontroverses Spiel: "Wings of Fury".

Das Spiel, programmiert von Steve Waldo und veröffentlicht von Broderbund, erschien erstmals 1988 für Dos und Apple II, 1989 dann für Sharp X68000 und 1990 für Amstrad CPC, C64 und (wohl die bekannteste Version) für den Amiga. 1999 kam noch eine, entschärfte, Version für den Nintendo Gameboy Color heraus.

Im Spiel steuert man eine Grumman F6F "Hellcat", die auf einem Flugzeugträger im Pazifikkrieg stationiert ist. Die Maschine wurde über 12.000 mal produziert und wurde ab 1943, tatsächlich auf Flugzeugträgern und gegen die japanische "Zero" (siehe unten), eingesetzt.  

Zwei F6F Hellcat in der Luft (Quelle: Wikipedia)

Auf einem Träger (USS Yorktown) Quelle: Wikipedia

Von seinem Flugzeugträger startet man zu verschiedenen Missionen in die pazifische Inselwelt. Es gilt jeweils mindestens eine Insel und deren Verteidigungsanlagen zu zerstören. Hierzu hat man das Maschinengewehr des Flugzeugs und (vor dem Start vom Träger) die Wahl das Flugzeug mit Bomben, Raketen oder Torpedos zu bestücken. Torpedos sind logischerweise bei Missionen gegen Schiffe zu verwenden, Bomben gegen unbefestigte Unterkünfte sowie Flak-Stellungen und Raketen gegen befestigte Bunkeranlagen. 

Die Waffenauswahl vor dem Start

Das Spiel ist ein klassischer Side-Scroller und eine Mission (als Beispiel dient eine Mission mit 2 Inseln) läuft in etwa wie folgt ab. Man wählt Bomben als Waffe und startet vom Flugzeugträger nach links. In dieser Richtung fliegt man etwa in halber Höhe bis eine Insel ins Bild kommt. Diese hat immer mindestens 1 Flakstellung und mehrere Truppenunterkünfte in Form von Hütten. Sowohl die Flaks als auch die Hütten gilt es mit gezielten Bombentreffern zu zerstören. 

Bombardierung aus größerer Höhe

Danach flüchten, auf der groben Ansicht, kleine weiße Punkte aus eben diesen Einrichtungen. Nun heißt es in den Sturzflug überzugehen und die flüchtenden Soldaten mit dem Maschinengewehr zu beschießen. Sobald man eine gewisse Tiefflughöhe erreicht hat, schaltet die Grafik auf Nah-Ansicht um und man erledigt, in sehr expliziter Grafik, Mann für Mann. Beim Abschießen der Soldaten gibt es ein sehr markantes Todesgeräusch. Erwischt man nicht alle, verstecken diese sich in den verwaisten Flak-Bunkern und nehmen diese bald wieder in Betrieb. Ziel ist es also, alles Leben auf den Inseln auszulöschen und dann zur nächsten Insel zu fliegen.

Die "Feinarbeit"

Das beschriebene Töten der japanischen Soldaten in der Nah-Ansicht führte am 29.Februar 1992 zur Indizierung des Spiels durch die damalige BPjS, die nach 25 Jahren 2017 verjährt ist. Die Indizierung betraf alle Versionen mit Ausnahme der Gameboy Color Version. 

Das Spiel ist in der Tat ein einseitiges und, ehrlich gesagt, ziemlich dumpfes Spiel. Übrigens wurde die Version für den japanischen Markt umgebaut, hier fliegt man ein japanisches Flugzeug und kämpft gegen die Amerikaner. Aber abseits von der Kriegsdarstellung, der Einseitigkeit und der Fragwürdigkeit solcher Titel, machte es damals einfach einen Heidenspaß! Wings of Fury ist einer der Kult-Titel besonders des Amigas. Warum sieht man besonders im Vergleich zu den anderen Versionen, die allesamt nicht besonders hübsch sind... Hier mal eine kleine Galerie:

DOS

Amstrad CPC

Apple II

C64

PC-98 (hier spielt man die Japaner)

Sharp X68000 (ebenfalls japanische Version)

Wie man sieht, gibt es einige grafische Unterschiede. Auf dem PC, dem Apple und dem C64 ist der Hintergrund immer schwarz, es gibt also nur "Nachtmissionen". Bei dem Spiel konnte der Amiga, auch vom Sound her, zeigen was er konnte.

Die Missionen wurden später immer aufwändiger. Zuerst gibt es nur eine Insel, dann mehrere, dann welche mit gepanzerten Bunkern (Raketen verwenden) und später auch feindliche Schiffe. Legendär sind die japanischen "Zero" Abfangjäger, die irgendwann in der Luft sind und einen vom Himmel holen wollen oder dem man den Abschuss eines Torpedos auf seinen Träger "ausreden" muss.

Der Luftkampf mit einer "Zero"

Eine Zero hebt ab (Quelle: Wikipedia)

Diese Mitsubishi A6M "Zero" Maschinen waren mit über 11.000 Maschinen das Standardflugzeug der Japaner. Es war den amerikanischen Maschinen zu Beginn des Krieges in den Punkten Reichweite, Wendigkeit und Schnelligkeit deutlich überlegen, allerdings erkauften sich die Japaner dies mit einer hohen Verwundbarkeit durch kaum vorhandene Panzerung. Alle amerikanischen Maschinen hatten aber immer wieder Probleme, wenn es zum Luftkampf mit den pfeilschnellen und sehr gut bewaffneten "Zeros" kam.... Allerdings entwickelten die Amerikaner im Laufe des Krieges ebenbürtige Maschinen (darunter die F6F, die P51 und andere) in so hoher Stückzahl, so das man die Oberhand gewann. 

Mit diesen "Zeros" habe ich mir epische Luftkämpfe geliefert, die grafisch auch nett gemacht sind. Trifft man oder wird man getroffen, zieht man zuerst eine üble Rauchfahne hinter sich her und der Öldruck der Maschine sinkt. Ist dieser auf Null, stürzt die Maschine ab.

Eindeutig ein zu tiefer Tiefflug....

Ebenfalls legendär: Die Landung auf dem Träger bei Ende der Mission oder zum Nachtanken. Dieses war eigentlich der schwierigste Teil des Spiels. Auch der Einsatz der Waffen musste etwas trainiert werden. Bomben konnte man aus beliebiger Höhe abwerfen, Torpedos hingegen musste man im Tiefflug über Wasser ausbringen. Nicht ganz leicht waren Raketen, die sich nur nach vorn abschießen ließen. Um also einen gepanzerten Bunker zu zerstören, musste man das Flugzeug erst in eine entsprechende Position bringen, meist in einen leichten Sturzflug aus entsprechender Entfernung. Es kam auf den Winkel des Abschusses in Relation zum Ziel an. 

Landung mit einer beschädigten F6F auf dem heimatlichen Träger....

Damit ist das Spiel eigentlich auch schon erschöpfend beschrieben. Schon zur Veröffentlichung war das Spiel in der Kritik und bekam sehr unterschiedliche Wertungen. Von 33 % (Amiga Power) über 51% (Amiga Joker) bis zu 65% der Powerplay war in deutschen Magazinen eher Mittelmaß angesagt. International gab es aber höhere Weihen, so das es einige Wertungen jenseits der 80% gab und sogar 89% von einer, passenderweise, Zero genannten Zeitschrift. Alle wiesen aber darauf hin, das es ein fragwürdiges Spiel und nichts für empfindliche Naturen sei. 

Wie schon gesagt war Wings of Fury ein Kult-Spiel und ein Raubkopier-Hit. Es gibt heute eine Reihe Fan-Remakes für alle möglichen Systeme, was ja auch ein Indikator der Beliebtheit ist. Besonders auf dem Amiga erfreute es ich großer Beliebtheit. Hier gab es auch den berühmten Trick um an unendliche Leben und Waffen zu kommen. Man gab "Colin was here" ein und konnte dann über verschiedene tasten immer wieder "auffüllen". 

Fazit:
Wings of Fury ist fraglos ein Klassiker, wenn auch ein Kontroverser. Das Spiel macht Spaß, auch wenn die "Story" fragwürdig ist. Der historische Hintergrund ist gar nicht schlecht umgesetzt, denn die F6F und die Zero waren in der Tat häufige Gegner und die mögliche Bewaffnung der "Hellcat" entspricht den historischen Tatsachen. Es ist einfach ein gut spielbarer Action Sidescroller den vermutlich viele "Kinder der 80er/90er" mal gespielt haben, auch wenn die wenigsten ihn als Kaufversion gehabt haben werden. Eine Indizierung machte ein Spiel eben damals besonders interessant und zu bekommen war es letztendlich auf jedem Schulhof....

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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