Retrospiele: Rome A.D. 92

 

Heute beschäftige ich mich mit einem Spiel, das ich eigentlich wirklich mögen möchte, das es mir aber schwer macht: Rome A.D. 92 "Pathway to Power".


Das Spiel wurde von Firstlight programmiert und in Europa 1992 über Millennium Interactive und in Amerika über Maxis für Amiga und PC vertrieben. Man merkt dem Spiel seine Amiga Wurzeln irgendwie an, einfach von der Grafik und der Auflösung. Der PC war 1992 schon zu mehr fähig.
Übrigens gab es, auch von Millennium Interactive, im selben Jahr ein, grafisch fast identisches, Spiel, namens "The Adventures of Robin Hood"

Die Grafik erinnert stark an Populous...



...oder eben an den "Schwestertitel" Robin Hood

Das Spiel trifft eigentlich genau meinen Geschmack: Ein Adventure mit Strategie-Elementen in historischem Setting. Ihr spielt Hector, einen Sklaven im alten Rom bzw. zuerst in der Stadt Herculaneum. Diese solltet ihr aber ganz schnell verlassen, denn zu Beginn läuft ein Countdown: Ihr müsst die Stadt verlassen, bevor der nahe Vesuv ausbricht. Dieser ist berühmterweise natürlich 79 nach Christus ausgebrochen und nicht 92 nach Christus wie das Spiel suggeriert, aber es passte so schön zum Releasejahr. 

Die Stadt Herculaneum ist übrigens, zusammen mit der deutlich bekannteren Nachbarstadt Pompeji, tatsächlich beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 zerstört worden. Sie war eine unbedeutende Hafenstadt am Golf von Neapel mit ca. 4000 Einwohnern. Allerdings war (und ist!) die Gegend am Golf von Neapel so schön, das schon damals reiche Römer dort ihre Sommerhäuser hatten. Einige der ausgegrabenen Villen kann man sich ansehen. 

Die Zwischensequenzen sind recht hübsch anzusehen


Grade noch rechtzeitig geschafft aus der Stadt zu fliehen...


Ihr müsst also schnell weg aus Herculaneum, was sich aber als Problem darstellt, denn Sklaven dürfen, man ahnt es, nicht einfach reisen und die Stadt verlassen. Ihr müsst also sehen, wie ihr es clever anstellt, trotzdem die Stadt zu verlassen. Das Chaos beim Ausbruch hilft Euch dabei, aber setzt Euch auch unter Zeitdruck. 

Der Trick ist recht einfach. Ihr "organisiert" euch eine Toga aus dem Badehaus und schon werdet ihr als "Bürger" angesehen. Jetzt müsst ihr nur noch an Geld kommen, um die Schiffspassage nach Rom zu zahlen. Kurz zuvor habt ihr einen Botengang für Euren "Herren" absolviert und gemerkt, das da etwas im "römischen Busch" ist: Es ist eine Verschwörung gegen den Kaiser in Gange....
Hier endet das erste Kapitel, das eine Art Tutorial darstellt.

Rom... die Hauptstadt der damaligen Welt

Rom ist übersichtlicher als gedacht 😁

Soweit der Anfang der Story. Diese ist in 6 Kapitel aufgeteilt, die in verschiedenen Orten spielen. Im 2. Kapitel müsste ihr den Kaiser in Rom vor dessen Ermordung warnen, der Euch daraufhin befördert. Im 3. Kapitel müsst ihr in England das dortige aufständische Völkchen bekämpfen, danach könnt ihr Euch, wieder in Rom, in den Senat wählen lassen. Das 5. Kapitel führt Euch dann zu Kleopatra ins warme Ägypten um im letzte Kapitel wieder nach Rom zu gehen um selbst Herrscher des römischen Reiches Rom zu werden.

Geht es am Anfang eher nur um den Protagonisten Hector an sich, kümmert ihr Euch im späteren Spiel im Strategie-Teil darum, das ihr Euch auch als Befehlshaber von Armeen einen Namen macht. Auch dieser Teil des Spiels wird in dem kleinen Bildschirm abgehandelt, es gibt jetzt lediglich einige neue Buttons zur Steuerung der Formationen. 

"Battle of Britain" 

So bewährt man sich, arbeitet sich hoch und kehrt immer wieder, für den nächsten Karriereschritt, nach Rom zurück. Die Story finde ich wirklich nett und schön erzählt, soweit so gut.

Für mich sind die Grafik und die Steuerung die Knackpunkte des Spiels. Die Grafik ist, besonders für das Jahr 1992, ungewöhnlich, sie zeigt die Welt, ähnlich wie in Populous, isometrisch von schräg oben. Bei manchen Szenen könnte man fast von einer dreisten Kopie sprechen.
Will man einem Kind der Zeit die Grafik des Spiels beschreiben, reicht tatsächlich ein Satz:

"Stell die Populous vor, nur als Adventure".

Wer es nicht mehr vor Augen hat:

Populous I von 1989 (inkl. Erweiterung):

Selbst die Kacheloptik der Spielfeldumrandung ist übernommen worden....

Populous II von 1991:

Die Hintergrundbilder sind ebenfalls keine eigene Idee der Entwickler

Rome AD 92 von Ende 1992:

Die Optik ist eine Mischung aus Populous I & II mit Menü an der linken Seite und einer Auflösung von Populous I.

Leider steuert sich die Figur sehr hakelig und die Perspektive tut ihr übriges, denn sie ist zur präzisen Steuerung, beispielsweise in Rom, nur bedingt geeignet. Die Grafik war, schon damals, rückständig. Zwar sind die Zwischensequenzen vom Artstyle her hübsch, aber die eigentliche Spielgrafik und die Auflösung sind, für ein Vollpreistitel Ende 1992, ein Witz und vor allem viel zu klein. Wie ein damaliger Test zu der Tatsache, das die Welt nur ein einem kleinen Teil des Bildschirms dargestellt wurde, sagte: "Es spielt sich wie in einem Schuhkarton".

Mir persönlich verleidet die Steuerung und eben die nicht sehr anschauliche Spiel-Grafik leider das eigentlich spannende Spiel. Ich habe es nie durchgespielt, einfach weil es sehr anstrengend ist.
Vom Sound her ist es ebenfalls keine Offenbarung. Zwar gibt es kleine Soundeffekte, etwa, wenn man an einem plätschernden Brunnen vorbeigeht oder auch bei wichtigen Ereignissen, aber wirklich erwähnenswert guten Sound gibt es (auf dem PC) nicht.  

Die "White Cliffs of Dover" bei typisch englischem Wetter 
Oder wie es bei Asterix bei den Briten heißt: "Ist es bei Euch immer so nebelig"?
"Nein....wenn es regnet...dann nicht" 😁

Wenn man sich die zeitgenössischen Tests so ansieht, tritt die Diskrepanz zwischen Amiga und PC deutlich zu Tage: Während internationale Amiga Magazine das Spiel zwischen 11/92 und 01/93 mit teilweise über 80% loben und auch aus Deutschland aus dem Joker Verlag noch eine 71% kommt, bewertet die Powerplay die, grafisch absolut identische, PC Version mit 47 %. Während man Anfang 1993 auf dem Amiga froh war, das überhaupt noch Spiele für das System erschienen, konnte man auf dem PC mit dem Spiel 1993 keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Das finde ich, wie gesagt, besonders schade, denn die Story und auch einige der Grafiken sind echt hübsch gemacht, besonders die Zwischensequenzen. Trotzdem muss man das Spiel kritisieren. Es kam Ende 1992 für den PC heraus und wurde z.B. in der Power Play 1/93 getestet. Wenn man jetzt überlegt was grafisch auf dem PC 1993 so los war.... Verglichen mit anderen Adventures der Hersteller Sierra und Lucasarts oder auch anderen Titeln wie den Wing Commander- und Ultima Teilen der Zeit sieht man doch deutlich, das das Spiel grafisch aus einer anderen Ära stammte.
In der selben Power Play Ausgabe wird z.B. Ultima Underworld 2 besprochen und es werden Spiele wie Kings Quest 6 oder Alone in the Dark getestet. Aber es scheint generell keine gute Zeit für Spiele im Setting des alten Roms gewesen zu sein, denn in der Ausgabe 1/93 in der Rome AD 92 47% bekommt, bekommt die erste Caesar Städtebausimulation nur 21%.
Insofern ist Rome AD 92 noch gut weggekommen... 😁
Aber da beide Spiele mit 90 Mark Vollpreistitel waren, war die Kritik, in Relation zu anderen Spielen auf dem Markt, berechtigt.  

Kleopatra beim Baden - Eine der Szenen wo man sich bessere Grafik wünscht 😆

Ein kleiner Flirt mit Kleopatra ist auch drin (diese Nase....😃...ja ich gucke zu viel Asterix....)

Fazit:

Rome AD 92 ist eigentlich ein Spiel das genau "meins" ist. Ich mag historische Settings und auch die Story an sich. Es mag an mir liegen, aber ich finde das Spiel von der Grafik (im Spielfenster) und von der Steuerung her derart anstrengend, das ich immer wieder mal anfange, aber das Spiel nicht zu Ende bringe. Aber jetzt, wo ich mich nochmal damit beschäftigt habe...irgendwann muss ich mich mal dazu zwingen...Das Spiel liegt hier fast 30 Jahre bei mir rum.... 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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