Retrospiele: Golden Axe Warrior

 


Heute "gehe ich mal Fremd" und berichte Euch von meinem Lieblingsspiel auf dem Sega Master System. Ich hatte Ende der 80er/Anfang der 90er eine kurze Konsolenphase, bei mir war es eben das Master System. Ich habe mich für das Gerät entschieden, weil die Sega-Spiele irgendwie farbenfroher und etwas "cooler" waren als die Nintendo Sachen.  

Ich muss dazu sagen, das ich von Konsolen gar keine Ahnung habe/hatte und viele Spiele deshalb nicht als "Kopie" erkannt habe. So ging es mir zum Beispiel bei Mario. Ich habe zuerst Giana Sisters gespielt und als mir dann ein Bekannter Mario auf dem NES zeigte, sagte ich: Das ist eine Kopie von Giana Sisters, das habe ich auf dem C64....

Genauso ging es mir mit dem Spiel, das heute Thema ist und das, bis heute, mein allerliebstes Rollenspiel ist: Golden Axe Warrior von 1991. Das Spiel ist (Zitat der Zeitschrift IGN): "History of gaming's most shameless rip-off", nämlich eine Kopie von Legend of Zelda. Da ich aber der Firma Nintendo bis zum heutigen Tage komplett aus dem Weg gehe, kenne ich Zelda nicht mal vom sehen....

Golden Axe Warrior, das fast überhaupt nichts mit dem Arcade Titel "Golden Axe" zu tun hat, ist zu allererst mal eines: Selten! Ich habe das Spiel durch einen Freund kennengelernt, der es damals von seiner irischen Verwandschaft bekommen hat, in Deutschland ist es nur sehr wenig bekannt, eine deutsche Version gab es nicht. So ist es ein begehrtes Sammlerobjekt. Ich selbst habe meine Version, bei Auflösung meiner (kleinen) Sega-Sammlung für fast 80 € verkauft. In gutem Zustand zahlt man deutlich dreistellig...

Das Spiel ist ein klassisches Action-RPG in der Tradition von eben Zelda oder auch von Ys. Man sieht die, grafisch sehr bunte, Welt aus der Vogelperspektive und spielt natürlich den Helden auf dem Weg zur Rettung der Welt.

Diese Welt besteht aus 3 Reichen, nämlich Firewood, Nendoria und Altorulia. Der Antagonist, ein böser Riese namens Death Adder, hat die jeweiligen Herrscher umgebracht/entführt und setzt die Welt mit Monstern in Angst und Schrecken. Ziel des Spielers ist die 9 Kristalle der Königsfamilie von Firewood wiederzufinden, und damit Death Adder das Handwerk zu legen. Diese Kristalle hat der gute Death Adder aber in 9 Labyrinthen versteckt, die es zu finden gilt. 

Gespräche mit NPCs gibt es viele

Wie üblich bei solchen Spielen fängt man relativ schwach in einem Dorf an. Man kann und muss mit den vielen NPCs sprechen, die einem Tipps geben oder auch Artefakte verkaufen können. Verlässt man das Dorf, geht man hinaus in die über 200 Bildschirme große Welt, die in versch. Landschaften aufgeteilt ist. So gibt es eine Wüstenwelt, eine waldige Ecke, eine Meereswelt und so weiter. Jede Landschaft birgt eigene Gefahren und Monster. Auf dem Weg des Abenteuers kann (und muss) unser Held auch Magie lernen, nämlich die Feuer-, Erd, Donner- und Wassermagie.   

Im Dorf ist noch alles ruhig...

Man läuft also durch die Welt und vertrimmt fröhlich Monster, die, nach ihrem Ableben, meistens etwas hinterlassen: Geld (in Form von Hörnern), Magie- oder Lebenspunkte. Verlässt man den Bildschirm zum nächsten und kehrt zurück, respawnen die Monster nach einer Zeit. 

Die Welt ist sehr groß und interessant aufgebaut. So gibt es immer wieder versteckte Eingänge oder auch Läden, die man erst "freispielen" muss. Dieses kann durch das Töten aller Gegner eines Bildschirmes passieren, oft muss man aber auch mit einer Axt ein paar Bäume fällen oder per Magie einen Stein zerstören, um die Geheimtüren zu finden. Das Spiel ist nichts für Baumliebhaber, man fällt eigentlich im Spiel jeden Baum der zu fällen ist....

Der Wald ist in einem schlechten Zustand....überall Monster...

Wie bei fast alles Action-RPGs kämpft man sich so weiter hoch, man levelt auf und sammelt immer bessere Ausrüstung wie Waffen, Rüstungen sowie weltliche und magische Gegenstände, vom Boot bis zum magischen Ring, ein. Der Sprung vom Kurzschwert zur ersten Axt ist schon gewaltig, nicht nur weil man damit eine etwas bessere Reichweite und Stärke hat, sondern auch weil man Bäume plätten kann :-)

Das Kampfsystem ist eher rudimentär: Man läuft auf den Gegner zu und sticht mit dem Schwert zu. Schießt der Gegner, kann man die Schüsse teilweise per Schild abwehren. 

Die Landschaft wechselt von Wald zu Küste. Die Brücke führt....


...zum ersten Labyrinth

Damit man auch weiß im wie vielten man sich befindet, sind die Labyrinthe sauber nummeriert...

Irgendwann steht man vor dem ersten Labyrinth. Diese Gebäude, jeweils aus vielen Räumen voller Monster bestehend, muss man durchkämmen und alle Monster töten. Nach und nach öffnen sich dadurch (oder durch versteckte Schalter und Schlüssel) alle Räume des Labyrinths. Auf dem Weg findet man evtl. Schatztruhen die neue Artefakte enthalten können. 

Im 1. Labyrinth findet man die Battle Axe. Endlich kann man Bäume fällen...

Jedes Labyrinth endet mit einem extra Raum in dem ein Endgegner wartet. Diese sind immer fair und durch beobachten und geschicktes bewegen zu besiegen. Hat man das geschafft, erhält man einen der 9 Kristalle. Die gefunden Kristalle werden dann schön auf dem "Kerzenständer" in der unteren linken Ecke des Bildschirms drappiert. 

Einer der 9+1 Endgegner

Hat man alle zusammen, kommt man zu einem 10. Labyrinth und hat die Chance Death Adder zu besiegen. Hoffentlich hat man bis dahin die namensgebende goldene Axt gefunden, sonst kann man die Begegnung mit dem Obermotz auch sein lassen.... 

Das Spiel führt in den Labyrinthen eine Karte der Räume, die im Inventory gelistet wird. Das ist sehr praktisch, auch sonst ist das Spiel recht übersichtlich und leicht zu erlernen. Mit der Zeit bekommt man viele Gegenstände, sicherlich das praktischste ist, neben Waffen und Magie, das Boot. Nur so kommt man in entlegenere Ecken der Welt und natürlich zu den Inseln. Death Adder war nicht überall so freundlich und hat Brücken gebaut...

Die Gegnertypen in Golden Axe sind sehr variantenreich und vielfältig. Was da nicht alles, je nach Landschaftsform, aufgeboten wird: Seemonster, Sandwürmer, Krebse, Skorpione, Blobs, Fledermäuse, Skelette, Muscheln, Feuermonster....es gibt zig verschiedene Gegner, man wird immer wieder überrascht. 

Das Spiel spielt sich recht "straight forward" und ist für geübte Action-RPG Spieler sicherlich kein sehr großes Hindernis. Aber es ist eine Freude es zu spielen...immer wieder.

Von der Rezeption her ist es allerdings extrem zwiespältig aufgenommen worden. International gibt es wirklich kein einheitliches Bild: Die "Gamepro" vergab 5/5, die "Joystick" 88%, die Videogames 81 % und die RPG-Fan war bei 94% der Meinung, das das Spiel "Zelda in jeder Art und Weise wegbläst".

Auf der anderen Seite war, neben den eingangs erwähntem IGN Kommentar, "Sega Pro" der Meinung das es 67% verdient hat, während die "Computer und Videogames" nur 42 % vergibt und meint das Spiel wäre ein "unglaublich langweiliges und dummes Rollenspiel", einer Meinung der sich die "Mean Machines" anschloss.

In Deutschland wurde das Spiel von der ASM (10/12 und ASM Hit) und der Videogames (81%) positiv aufgenommen. Letztere meinte, das sich bei Nintendo die Entwickler eventuell zum Harakiri versammeln würden, weil sich die Sega Kopie so gut spielen würde. Das geht natürlich zu weit, aber Golden Axe Warrior war auf jeden Fall eine sehr gute Kopie und mit 120 DM auch keine günstige...

So richtig erfolgreich kann das Spiel aber nicht gewesen sein, denn es kam nie für ein anderes System heraus, als für das Master System. Es gab also auch keine Mega Drive Variante oder für irgendein anderes (japanisches?) System. So bleibt Golden Axe Warrior ein historisches Artefakt und ein echtes Original für das, gern ja etwas gescholtene, Master System. Zugegeben, ein weiteres Release gab es noch: Es wurde als Teil von "Sonics ultimate Genesis Collection" auf der Xbox 360 und der Playstation 3 wiederveröffentlicht.  

Fazit:

Golden Axe Warrior ist einfach "mein" Action-RPG. Ich habe es schon mehrfach durchgespielt, das ganze Spieldesign trifft exakt meinen Geschmack. Es ist schön bunt, nicht so düster und hat tolle Ideen im Spiel, seien es die vielen verschiedenen Gegnertypen, die versteckten Geheim-Areale oder einfach die schön gestaltete Welt. Ich mag es einfach, auch wenn es eine dreiste Kopie von "Zelda" ist. Ob das Spiel nun genial oder langweilig ist, liegt glaube ich, wie die Tests ja zeigen, im Auge des jeweiligen Spielers. Auf jeden Fall ist es ein Spiel, das eher selten besprochen wird, einfach weil es in Deutschland sehr selten vorhanden ist. Insofern...vielleicht hat der eine oder andere ja ein neues Spiel kennengelernt...

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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