Retrospiele: Emerald Mine / Rocks'n'Diamonds

 


Heute widme ich mich mal nicht (nur) einem Original, sondern auch einem Clone von mehreren Originalen: "Rocks'n'Diamonds" von Artsoft Entertainment bzw. Holger Schemel.

Es handelt sich sozusagen um eine Spiele-Engine, die mehrere Spieleklassiker "clont": Boulder Dash, Sobokan, Solomon's Key und meinen Favoriten Emerald Mine. Das Spiel ist kostenlos unter GPL Lizenz erhältlich und wurde für sehr viele Systeme veröffentlicht: Dos, Mac OS; Windows, Linux, Android etc. Für Linux war es 1995 eines der ersten Spiele überhaupt.

Das "Original", Emerald Mine, erschien 1987 vom deutschen Publisher Kingsoft nur für den Amiga. 1988 folgten Versionen für C64 und C16. Programmiert wurde es von Klaus Heinz und Volker Wertich. Letzterer war übrigens später, jeweils als Lead Designer/Creative Director, auch maßgeblich an Siedler III, Spellforce 1+2, Battleforge und C&C -The Tiberium Alliances beteiligt. Für die Musik war Holger Gehrmann verantwortlich.     

Startet man Rocks'n'Diamonds kann man auswählen welches "Sub-Game" man spielen möchte, in meinem Fall Emerald Mine. Für das Spiel gibt es tausende Levels zum Download darunter die Original-Level aber auch viele tausend von Usern erstellte, denn es liegt ein Leveleditor bei. Insgesamt finden sich im Netz über 50.000 (!) Levels für Rocks'n'Diamonds. 

Emerald Mine war damals ein Spiel, das ich bei meinem Kumpel Matthias auf dem Amiga sehr gern gespielt habe. Ich mochte das Gameplay, die Musik und vor allem die vielen abwechslungsreichen Levels. Durch die Hinzunahme von Bomben, versch. Gegnern und giftigen Substanzen ("Acid") wurde das Boulderdash Spielprinzip hervorragend erweitert. 

Ein "giftiges" Level im originalen Emerald Mine (Amiga, 1987)

Zum Spiel selber (obwohl ich der Meinung bin das jeder Retrospieler zumindest ein ähnliches Spiel kennt):

Bei Emerald Mine spielt man einen einzelnen "Höhlen-Forscher"/Schatzsucher, der in einem 2D-Level unter Zeitdruck Edelsteine einsammeln muss. Hat er genug zusammen (es müssen nicht immer 100% sein!), tut sich ein Levelausgang auf. Um an die Edelsteine zu kommen gräbt man sich durch das Level. Dabei muss man immer die physikalischen Gesetze beachten: Untergräbt man z.B. Felsen fallen die natürlich runter. Steht man direkt unter dem Felsen, passiert erstmal nichts, trifft einen aber ein Felsen aus größerer Höhe (1 Freifeld dazwischen) war´s das mit Leben. Fallende Felsen können auch Bomben auslösen, die dann die umliegenden Felder zerstören. Es gibt auch in Nüssen "verpackte" Edelsteine, die man erst mit Hilfe eines Felsbrockens "aufknacken" muss. Fällt jedoch ein Felsbrocken, auf einen Edelstein ist dieser verloren. Es gibt also Situationen, in dem man so viele Edelsteine zerstört hat, das das Level nicht mehr zu gewinnen ist. In späteren Levels kommen dann auch bewegliche Gegner hinzu, die man wunderbar in Fallen (Steine/Bomben) locken kann/muss. Ein großer Spaß!

Ein recht einfaches Original-Level mit "Ufo-Gegner" oben rechts (Amiga, 1987)

Die geradezu klassische Art einen Gegner loszuwerden war ein senkrechter Tunnel, den man, vom Gegner verfolgt, hochlief, um diesem dann wahlweise einen Felsbrocken oder eine Bombe auf den Kopf zu werfen. Durch verschieben und Untergraben von Steinen und Bomben konnte man das Level großartig und großflächig umbauen. Entweder um den Gegnern fallen zu stellen ("komm mal schön hier unter den Stein..."), oder einfach aus purem Spaß an der Zerstörung. Was haben wir damals in einigen Levels für großartige Kettenreaktionen gebastelt..... ;)

Auf diesem Screenshot ist alles zu sehen, was es im Spiel gibt: Bomben, Dynamit (Zeitzünder),
Edelsteine, in "Nüssen" verpackte Edelsteine, Schlüssel sowie die Gegnertypen "Yam-Yam", "Ufo", 
"Beetle" und "Alien". (Rocks n Diamonds, 1995)

In späteren Levels wird der Zeitdruck dadurch erhöht, das sich z.B. die Felder nach und nach in grüne Giftfelder verwandeln, man also sehr schnell handeln muss. Zudem musste man verschiedene Schlüssel zu Türen finden, um alle Levelteile (und damit die Edelsteine) zu finden. Blaue Edelsteine (Diamanten) haben einen höheren Zählwert (3), die grünen Edelsteine zählen jeweils als 1 Stein.

An Gegnern finden sich hauptsächlich 4 Typen. Da sind erstmal die lustigen "Yam-Yams". Bei diesen "Fressmaschinen", die etwas an Pac-Man erinnern, ist zwar Vorsicht geboten, aber da sich die Monster nur horizontal oder vertikal hin- und her bewegen, sind sie einfach "auszurechnen". Ihr Sound ("Yam Yam") ist aber furchtbar nervig. Der 2. Gegner sieht aus wie ein Ufo, das einem immer entlang von Kanten (also nicht im freien Raum) verfolgt. Dann gibt es noch die Aliens die sich recht sprunghaft bewegen und die "Beetles": kleine Käfer die einen unablässig verfolgen und ein lustiges Krabbelgeräusch von sich geben.

Grundsätzlich ist Emerald Mine also ein reines Geschicklichkeitsspiel mit teilweisem Planungscharakter, weil man sich sonst schnell das Level verbaut. Spiele dieser "Gehe in eine Mine und sammele alle Schätze ein"-Art gab es reichlich, sie zählen zu den ältesten Spielegenres überhaupt. Ich habe damals z.B. auf dem C64 gern Boulderdash aber auch das einfache, aber geniale, o´Riley´s Mine gespielt. Bei Letzterem war der Gegner weniger die Zeit, sondern das unaufhaltsam ansteigende Wasser in der Mine.

o´Riley´s Mine (C64, 1983)

Emerald Mine war ein Clone von Boulderdash und wurde selbst zig-mal geclont wie eben mit "Rocks´n Diamonds". Aber es gab direkt nach Emerald Mine (1987) eine wahre Flut von sehr ähnlichen Spielen, die bis heute anhält. Da das Spielprinzip sehr einfach ist, gibt es hunderte (!) kommerzielle und Freeware-Spiele, die sich dem Thema widmen. Diese Spiele gibt es, in irgendeiner Form, für jedes erdenkliche System. Das Spielprinzip von "Boulder Dash/Emerald Mine" gilt als eines der meistkopierten in der Spielegeschichte. 

Boulderdash (C64, 1984)

Wer sich da mal einlesen möchte, dem empfehle ich die Fan-Seite "BD-Fans" zu besuchen. Dort findet man ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Spielen der "Boulderdash/Emerald Mine Art" und Links zu abertausenden Levelsets, die von Fans designt wurden. Auf der Emerald Mine Unterseite findet man eine sehr umfangreiche Liste von ähnlichen Spielen und Levelsets.   

Emerald Mine ist, meiner Meinung nach, das beste Spiel dieser Art, einfach weil das Leveldesign so gut gelungen war. Zudem hatte es diesen "One More Level" Suchtfaktor, oder um es anders zu sagen:
Emerald Mine war ein unfassbarer Zeitfresser. 

Es war auch ein gutes Beispiel für die Spielmaxime: "Einfach zu lernen - schwer zu meistern". Was man tun musste, war auch ohne Handbuch schnell klar, aber schnell gemacht war es eben nicht immer.

Die beste Art das Spiel heute zu genießen ist, wie schon erwähnt, das kostenlose Programm "Rocks ´n Diamonds" von Artsoft das es hier für Windows, MAC, Linux und Android gibt. 

Fazit:

Emerald Mine gilt vielen, obwohl ein Clone von Boulder Dash, als "Original Klassiker". Ich finde zu recht, denn die Spielidee wurde sehr gut umgesetzt und logisch erweitert. Es macht einfach einen Riesenspaß und durch die Fan-Basis in vielen Foren versiegt der Levelnachschub so schnell nicht. Diese Fan-Basis, und die Tatsache, das bis heute ähnliche Spiele entwickelt werden, zeigt, wie unsterblich diese Spielidee ist. Es zeigt auch, wie viel Freude man an einem recht einfachen Spielprinzip haben kann. Ein echter Klassiker.  

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

Alle verwendeten Icons, Screenshots, Bilder und andere Grafiken sowie alle verwendeten Marken-, Spiele- und Produktnamen und Logos sind Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer. 

 


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