Retrospiele: Donald Ducks Playground

 


Heute gehen wir mal ganz weit zurück in der Zeit und nehmen uns ein altes Lernspiel vor, das ich als Kind auf dem C64 geliebt habe: Donald Duck´s Playground von Sierra Online. Sierra hatte damals die Disney Lizenz für Computerspiele und brachte eine Reihe von Lernspielen für Kinder heraus, wovon Donald Duck´s Playground klar das coolste ist.

In dem Spiel plant Donald für seine Neffen Tick, Trick und Track (bzw. Huey, Louie und Dewey im englischen) einen Spielplatz zu bauen. Leider hat Donald, wie immer, kein Geld und muss es sich erst verdienen..... In diesem Zusammenhang: Achtet mal auf den Gesichtsausdruck von Donald oben mit dem Bauplan in der Hand....  😁

Kleiner Exkurs: Ich weiß nicht ob es allen klar ist, das Disney Figuren in unterschiedlichen Ländern völlig unterschiedliche Namen haben. So heißt Dagobert Duck in den USA Scrooge McDuck und im französischen Balthazar Picsou, was ein Wortspiel mit "Geld klauen" ist. Am lustigsten finde ich aber die schwedische Version wo Donald Duck "Kalle Anka" ist und die Neffen Knatte, Fnatte und Tjatte heißen. Wer sich da mal einarbeiten möchte, hier ein Link zur Duckipedia... 

Das Spiel erschien 1984 für den C64, in den Jahren 1985 bis 1988 folgten Versionen für Apple II, PC-Booter, Amiga, Atari ST und TRS 80. Das Spiel wurde von Al Lowe geschrieben, der ja später unter anderem mit der Larry-Serie berühmt werden sollte. Es ist sein 5. Spiel überhaupt und das 3. für Sierra Online.

Zum Spiel selbst:

Man spielt logischerweise Donald Duck, der Geld verdienen muss, um seinen Spielgeräte für den Spielplatz kaufen zu können.

Duckburg - Mainstreet. Rechts die Jobs, links die Shops...

Die PC-. Amiga- und ST-Versionen glänzten mit einer viel schöneren, zweigeteilten "Main Street":

Mainstreet Amiga - Jobseite

Mainstreet Amiga - Shopseite

Man bewegt sich mit Donald in der Stadt "Duckburg" (dt: Entenhausen) und kann in verschiedene Häuser gehen, wo versch. Arbeiten auf ihn warten. An der Arbeitsstelle angekommen wählt man, wie lange eine Schicht dauern soll. Was gibt es denn so für Jobs?

Der Flughafen:

Amiga Version des Flughafens


Der C64 Flughafen

Hier läuft das Gepäck über ein Laufband, und man muss es dem, vorbeifahrenden, Gepäckwagen und den korrekten Boxen zuordnen, damit es an die passenden Zielorte kommt. Bei der Aufgabe geht es um Geschwindigkeit und dem schnellen, korrekten Zuweisen der Gepäckstücke.

Der Fruchthandel:

PC Booter

C64 Version mit meckerndem Donald

Donalds Aufgabe beim Fruchthandel ist das Sortieren von Früchten. Es werden drei verschiedene Fruchtsorten unterschiedlich schnell (bzw. weit) von einem LKW geworfen. Donald muss sie fangen und in die passenden Kisten sortieren. Fängt man sie nicht oder sortiert man sie falsch ein, zermatschen sie auf dem Boden und Donald meckert sehr effektvoll. Man kann Donald hier nur horizontal vor und zurück bewegen und der Joystick Knopf löst nur das Fallenlassen der Frucht aus. Wenn man die Frucht korrekt einsortiert hat, quittiert Donald das mit einem sehr befriedigenden Grinsen. 

Das Stellwerk:

Das Stellwerk des Atari ST

Die weit weniger farbenfrohe Apple II Version

In diesem Fall muss Donald die Weichen für Züge stellen, damit diese ihren Zielbahnhof erreichen können. Der Zug fährt endlos, er bekommt immer einen neuen der 8 Zielbahnhöfe zugewiesen. Hier geht es um das koordinierte Denken und das möglichst effiziente Schalten der Weichen, ohne das der Zug "Extrarunden" dreht.

Spielzeugladen:

C64 Spielzeugladen

Die PC Version...

Im Spielzeugladen ist das Einräumen von Regalen angesagt. Unten links erscheint ein Spielzeug das man in das passende Feld im Regalfach einräumen muss. Hier lernen die Kinder also das richtige Zuordnen von Formen/Gegenständen zueinander. Dummerweise kommt regelmäßig ein Zug direkt am Haus vorbei, der das Regal erschüttert und für Chaos sorgt. Das kann man verhindern, in dem man, den Countdown beachtend, schnell mit dem Schalter rechts eine Art Vorhang vor das Regal schiebt, damit alles an seinem Platz bleibt.

Schnell den Vorhang vor das Regal, bevor der "Amquack" Zug kommt

Das Geld:

Nach getaner Arbeit bekommt man in einem extra Bildschirm stilecht das Geld ausgezahlt und darf in 3 verschiedenen Shops einkaufen gehen. 

Zahltag auf dem C64

Die Shops werden von Minnie, Goofy und Mickey geführt und man darf nach Herzenslust Spielgeräte für den Spielplatz kaufen. Das können einfache Kletterseile, Schaukeln, Kletterwände, Rutschen aber auch z.B. ein Trampolin sein. Diese werden dann im lokalen Park verbaut und man kann den Neffen beim Spielen zusehen.

Wir kaufen ein Trampolin bei Minnie auf dem Apple II

Möglicherweise hat Mickey auf dem C64 aber coolere Sachen....

Die verschiedenen Versionen des Spiels unterschieden sich etwas, die C64 Version fällt inhaltlich etwas gegenüber den PC, Atari ST und Amiga Versionen ab. In der C64 Version ist der Spielplatz als lediglich als Gitterkonstruktion dargestellt, in späteren Versionen liegt er in einem schönen Stadtpark.  

Der C64 Spielplatz

Der Amiga Spielplatz....


...auf dem es sogar eine Raketenrutsche zu bauen gab

Das war eigentlich auch schon das ganze Spiel. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, geht es beim Geld um Centbeträge, ein Trampolin kostet oben z.B. 0.01$. Das macht es sicher für Kinder etwas einfacher, auch wenn es wenig realistisch ist. Aber die Kinder sollen lernen, das sich ehrliche Arbeit auszahlt. 😁

Die Grafik war seinerzeit für das jeweilige System hübsch, besonders die Disney Figuren finde ich recht gut umgesetzt. Auch die Musik war, zumindest auf dem C64, sehr nett und kindgerecht.

Das Spiel kam viel zu früh raus, um von deutschen Zeitschriften in Prozentskalen bewertet worden zu sein. Es gibt in den Archiven generell nur einen einzigen deutschen Test aus der Happy Computer von 1986. Er kümmert sich um die C64 Version und lobt die Grafik, die bekannten Disney Figuren und das tolle Gameplay, das auch Erwachsene vor den Joystick bannen kann. 

Es sind einige internationale Tests überliefert, die auch besonders die Grafik und das Setting loben. Aber natürlich gab es schon damals Bedenkenträger, die hinterfragten, ob Kinder in dem Alter schon mit Dingen wie Kapitalismus, Arbeitsethos und dem (ich zitiere) "Work-Buy-Play Cycle" konfrontiert werden sollten. Ich denke die Spiele haben niemandem geschadet. 

Das Spiel kostete übrigens 1986 39 Mark auf Kassette (Datasette) und 59 Mark auf Diskette. Ich hatte damals die dritte Variante, die nichts gekostet hat *hust* 😁.

Übrigens:

Das schöne an den alten Spielen von Al Lowe: Ihr könnt sie kostenlos und legal runterladen! 
Geht dazu einfach auf Al Lowes Internetseite und "zieht" sie Euch.

Fazit:

Donald Duck´s Playground ist einer meiner frühesten Computerspiel-Erinnerungen überhaupt und hat daher einen besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist einfach ein nettes Spielchen für Zwischendurch, auch wenn es wenig anspruchsvoll ist. Aber es ist ein grafisch nettes, gut animiertes und witziges Spiel sowie ein frühes, gelungenes, Beispiel für die Integration eines bekannten Franchises der "Analogwelt" in ein Computerspiel.  

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

Alle verwendeten Icons, Screenshots, Bilder und andere Grafiken sowie alle verwendeten Marken-, Spiele- und Produktnamen und Logos sind Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer.  


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