Retrospiele: Locomotion

 


Heute nehme ich mir mal ein "kleineres" und weniger bekanntes Spiel vor, das nicht jeder im Regal hat: Locomotion von Kingsoft aus dem Jahre 1992. 

Das Kingsoft Logo von 1988 - 1993

Kingsoft werden einige noch aus C64, Amiga oder AtariST-Zeiten kennen. Von 1982 bis 1995 war das Unternehmen ein wichtiger deutscher Player, wurde dann aber in Electronic Arts integriert. Ein sehr bekanntes Spiel aus C64/Amiga Tagen dürfte der geniale Boulderdash Clone "Emerald Mine" sein, den ich sehr liebe. Darüber werde ich aber zu einem späteren Zeitpunkt bloggen, denn zu dem Spiel gibt es eine wunderbare Freeware-Version für aktuelle Betriebssysteme, die besonders liebevoll umgesetzt ist.

Emerald Mine (Amiga, 1997)

Anfang der 90er war eine gute Zeit für sogenannte "Knobelspiele", das bekannteste ist sicherlich Lemmings, aber es gab eine Reihe von ähnlichen Spielen, über Pushover habe ich ja schon gebloggt.

Bei Locomotion geht es, in einem der letzten Spiele des Aachener Unternehmens Kingsoft, um Eisenbahnen. Programmiert wurde der Titel von Andre Wüthrich, soweit ich das nachvollziehen kann, weitestgehend alleine. Kingsoft hat damals häufig mit Freelancern zusammengearbeitet. Die Musik stammt von Matthias Steinwachs.

Das Spielidee von Locomotion war nicht neu, ähnliche Titel gab es schon vorher, als Beispiel könnte man Pipe Dream von Lucasfilm Games nennen. Da geht es zwar um Pipelines, aber die Grundidee ist identisch. Auch das Pipeline legen bei Oil Imperium oder das Blutkreislaufrätsel in The 7th Guest funktionieren ähnlich. Ob da jetzt Loks oder Flüssigkeiten das "transportierte Medium" sind, ist relativ egal. 

Kingsoft hat diese Rätselidee aber 1992 in Locomotion, meiner Meinung nach, sowohl grafisch als auch thematisch besonders hübsch umgesetzt. Typisch für die Knobelspiele der 90er, war auch Locomotion ein "One-Screen-Game".

Das Streckennetz mit versch. Weichen und den 3 Bahnhöfen "A", "B" und "C".
5 Züge sind in 135 Sekunden ans Ziel zu bringen.

Man blickt aus der Vogelperspektive auf ein Streckennetz mit mehreren Stationen und einer größeren Menge Weichen und Abzweigungen. Nachdem das Spiel gestartet ist, tauchen immer wieder zufällig an verschiedenen Stationen Loks auf, die jeweils einen bestimmten Zielbahnhof ansteuern müssen. Für diese Loks muss man jetzt die Weichen stellen. Was bei einer Lok ja nun sehr simpel wäre, wird schnell hektisch, wenn mehrere Loks gleichzeitig im Spiel sind, die unterschiedliche Ziele haben. Wenn eine Lok zu einem falschen Bahnhof dirigiert wird, dreht sie einfach um und fährt weiter, wenn eine Weiche kein weiterkommen ermöglicht, wartet die Lok dort allerdings. Das ist also eine Möglichkeit eine Lok mal kurz zu "parken", es ist dann aber darauf zu achten, das nicht eine zweite von hinten ranrauscht...

Das selbe Level mit 2 Loks...

Unbedingt vermeiden sollte man nämlich Begegnungen von Loks, denn dann sind diese aus dem Spiel und man bekommt Strafpunkte. 

Und hier das Level mit Crash unten links....

Man startet in ein Level und hat in der vorgegebenen Zeit eine feste Anzahl von Lokomotiven ans Ziel zu bringen, um das Level zu schaffen. Die Streckennetze werden mit der Zeit verzwickter, man kommt schon ziemlich ins Schwitzen. Nach Ende des Levels bekommt man eine Punkteauswertung. Es gibt z.B. Zeitpunkte aber auch "Crashpunkte". Dieser Punkt der Auswertung ist etwas seltsam gelöst. Wenn man das Level ohne Crash schafft, bekommt man 100 Crashpunkte, pro Crash werden hiervon welche abgezogen. Das macht Locomotion natürlich zu einem klassischen Highscore-Spiel.

Hier ist nicht alles gut verlaufen. Das Level wurde nicht in der Zeit geschafft und zudem wurden
4 Crashs abgezogen (-20 Punkte je Crash). Ein gutes Level beendet man jenseits der 300 Punkte.

Damit ist das Spiel eigentlich weitgehend erklärt. Aber oft sind es ja grade die einfachen Spiele, die sich zu süchtig machenden Zeitfressern entwickeln. Und Locomotion ist so ein Spiel.

Grafisch ist es in der VGA Variante (am Anfang steht auch EGA zur Auswahl) sachlich, aber nett anzusehen. Die Musik empfinde ich als etwas nervig, aber das mag Geschmackssache sein.

Das Spiel ist vom Schwierigkeitsgrad her gar nicht so einfach, vorwiegend weil es schnell in Hektik ausartet. Ein netter "Zug" des Programmierers ist, das ein kleiner, simpel zu bedienender, Editor beiliegt. Damit kann man sich komplett eigene Strecken basteln und notfalls sogar die Grafiken per externem Zeichenprogramm verändern. Ich selbst habe den Editor selten benutzt, ich hatte genug mit den normalen Levels zu tun.  

Der relativ simple Streckeneditor

Auch wenn das Spiel aus Deutschland kommt, wurde es in den Tests der Zeitschriften damals etwas stiefmütterlich behandelt. Lediglich die Power Play (74%) und die Playtime (70%) würdigten das Spiel für den PC mit einem Kurztest. Für Amiga und C64 gab es mehr Tests. Das Spiel war, für ein Knobelspiel üblich, eher ein "Mid-Price" Titel, zum Release kostete das Spiel 59,90. Blockbuster wie Monkey Island, Links und andere Spiele lagen damals im Versand normalerweise bei 89.99.

Fazit:
Locomotion zeigt, das es nicht immer komplexe AAA-Titel sein mussten, die einen damals stundenlang vor den Bildschirm fesselten. Das Spiel war jetzt nicht genial oder bahnbrechend, aber ein solide programmiertes Knobelspiel aus Deutschland mit guter Spielmechanik.

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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