Retrospiele: Gunship 2000

 


Gunship 2000 kam 1991 raus und ist der Nachfolger des 1987er Klassikers "Gunship" aus dem Hause Microprose. Ich gebe gern zu das Original nie gespielt zu haben, und ich denke nicht, das ich es noch spielen werde. Gunship 2000 ist für mich hingegen DIE Flugsimulation schlechthin. Ich werde versuchen für euch herauszuarbeiten, warum das so ist. Das Jahr "2000" im Titel wurde übrigens gewählt, weil das Spiel auch Hubschrauber beinhaltet, die zum Veröffentlichungsdatum erst in Planung waren. Dazu später mehr. 

Gunship 2000 ist eine klassische Militär-Flugsimulation, wie sie in den 80ern und 90ern populär war. Man fängt auf dem untersten Dienstgrad mit einer Trainingsmission an und entscheidet sich dann dafür, in das "echte" Spiel einzusteigen. Man merkt im Spiel von vorne bis hinten, das die Firma Microprose Militärsimulationen aus Leidenschaft gemacht hat. 

Das merkt man an der Genauigkeit in Details, auf die ich noch eingehe, aber auch am unfassbaren Handbuch. Die Handbücher von Microprose sind legendär, und das hier ist eines davon: Die ersten 55 Seiten des 112 Seiten dicken Handbuches erklären das Spiel. Dann folgen 13 Seiten mit der Geschichte des Kampfhubschraubers samt Beschreibungen der Einsätze der US-Army vom 2. Weltkrieg über Korea, Panama, Granada, Vietnam, Golfkrieg und so weiter. Seite 69-76 beschäftigt sich mit den physikalischen Eigenschaften der Hubschrauber und mit Kampftaktiken inkl. grafischer Schaubilder. Es folgen 23 Seiten mit Beschreibungen und technischer Daten aller Fahrzeuge im Spiel, also auch aller Gegner! Dazu noch Erklärungen zu jedem eigenen Waffensystem. Zum guten Schluss folgt noch eine politische Beschreibung der Einsatzgebiete und eine Übersicht, wie effektiv welches Waffensystem ist (auch hier wieder...Freund und Feind). 

Das Spiel war damals ein grafisches Highlight der beginnenden VGA-Ära. Die 3D Grafik der Landschaft ist recht schlecht gealtert und wirkt sehr eintönig und untexturiert. Die sonstige Spielgrafik ist, finde ich, sehr gut gealtert. Die Menügrafiken und die Zwischensequenzen sind auch heute noch schöne Pixelkunst. Als Beispiel können mal die Bilder der Hubschrauber und das Bild des Flugzeugträgers weiter unten dienen.  

Als Einsatzgebiet kommen im Originalspiel Europa und der Nahe Osten, und mit der 1992 erschienenen Erweiterung die Philippinen und die Antarktis (warum auch immer....) in Frage. Die heute sehr krude wirkende 3D-Engine für die Landschaft war damals "State of the Art". Es gibt, sehr geometrische, Berge, Flüsse, ja richtige Canyons. Und diese sind echte 3D-Objekte, man kann sich also in Canyons und hinter Bergen verstecken, kurz auftauchen, schießen und wieder verschwinden. Das entspricht ja auch der üblichen Taktik eines Hubschraubers. Da man sich ja generell sehr bodennah bewegt, waren die 3D-Anforderungen an das Spiel entsprechend. Auch die kleinen Wälder dienen tatsächlich als Schutz. Mann kann zwar durch sie hindurchfliegen, aber zur Ablenkung feindlicher Geschosse taugen sie ganz gut. 

Ich finde die 3D-Grafik wurde ganz gut umgesetzt, auch wenn die pyramidenartigen, ja nach Szenario braun, grün oder weiß gefärbten Berge, nicht grade hübsch sind. Sehr gewöhnungsbedürftig sind die Städte, die es vorwiegend in Europa gibt. Man fliegt durch Häuserschluchten von Städten, die nur aus, untexturierten, schwarzen-grauen Blöcken bestehen. Sieht heutzutage nicht schön aus, ist aber spannend zu fliegen.    

Anflug auf eine Stadt in einem Comanche Hubschrauber (Bordkanone beschädigt)

Ein spezielles, wenn auch weitgehend nutzloses, Feature waren die vielen Kameraansichten und Außenkameras. Es gab natürlich die üblichen Blicke aus den beiden Seitenfenstern und (sofern vorhanden) aus der Mastkamera. Dazu kamen 3D-Außenansichten in epischer Vielfalt: Es gab eine Kamera hinter dem Helikopter die nach vorn schaut, eine weitere die das Selbe mit der Staffel tut, dann eine die eine taktische Ansicht bestehend aus dem Helikopter und dem Ziel bereitstellt, dann gab es eine "Fly-By" Kamera in der Landschaft, eine Kamera die den Hubschrauber vom Ziel aus beobachtete und schließlich eine "Missile Cam", die quasi auf dem Gefechtskopf der Raketen montiert war. 
Wie gesagt, die Ansichten waren "nett", aber nutzlos. 
Wenn ich in Gefechtssituationen Zeit habe, zwischen verschiedenen Ansichten umzuschalten, ist es Zeit den Schwierigkeitsgrad hochzuregeln...😁. Allerdings konnte man die Ansichten auch in der späteren Replay Funktion nutzen, was ich aber auch nur äußerst selten genutzt habe.  

Eine der vielen Außenansichten

Das Spiel:

Das Besondere an Gunship 2000 ist, das man viele verschiedene Optionen hat. Erstmal gibt es die genannten Konflikt-Regionen in denen man aktiv sein kann. Dann hat man die Wahl ob man jede Menge "Single" Einsätze fliegt, oder eine Kampagne, die aufeinander aufbaut. Ab dem Rank eines 2nd Lieutenant tut sich eine ganz neue Welt auf: "Flight". In diesem Modus ist man Anführer einer 5er Staffel und hat neben der eigentlichen Mission sehr interessante Planungsaufgaben zu tun. Erstmal teilt man den Piloten Hubschrauber zu, dann plant man den Einsatz auf einer Karte. 


In diesem Fall wurde die 5er Staffel in eine Heavy- und eine Light-Section ("Alpha" und "Delta") eingeteilt. 
Die Alpha Gruppe wird, dank des Blackhawks, die sekundäre Mission (Truppen aufnehmen) übernehmen, 
während sich die Delta Gruppe um das T-55 Platoon, und damit um das Primärziel, "kümmert".

Missionen bestehen immer aus einem Primärziel und einem sekundären Ziel. Die Missionsziele können sich während der laufenden Mission auch spontan via Funk ändern. Bei Einzelmissionen erledigt man alles selber, als Staffelführer teilt man sich in der Regel auf. Eine Gruppe macht die Primärmission, die Zweite geht auf das 2. Ziel los. Wenn man das Primärziel erreicht hat, kommt man den anderen, bei Bedarf, noch zur Hilfe. Dieser Modus ist einfach genial und sorgt für eine große Spannung. Natürlich muss man auch während der Mission öfter mal auf die Kartenansicht schalten und seinen Leuten neue Befehle geben, weil die Missionen sehr dynamisch ablaufen. Die Befehle reichen von "Flieg dort hin und warte ab", über "kläre dieses Planquadrat auf" bis zu "zerstöre Ziel X". Die Piloten verhalten sich recht intelligent, greifen von sich aus andere Gegner auf dem Weg an und werden, mit zunehmender Erfahrung, immer besser. Zum Ende des Spiels hat man in seiner Staffel echte "Cracks", denen man einen Großteil der Missionen bedenkenlos anvertrauen kann. Man selbst fliegt natürlich mit, aber meist nur eines der Ziele, das andere erledigt das 2. Team. Manchmal sitzt man aber auch in seinem "Vogel", hört den Funkverkehr seiner Männer mit, und hofft, das sie alle wieder heile nach Hause kommen. Am Ende einer erfolgreichen Mission darf man seine Männer persönlich befördern und auch Orden für spezielle Leistungen verteilen. Sehr befriedigend! 

So, wie läuft denn jetzt eine Mission ab?

Gehen wir das doch mal durch. Zuerst ist man im Büro:


Der freundliche Herr links bietet einem die Auswahl was man fliegen möchte: "Training", "Single", "Campaign" und "Flight". Der Herr dahinter ist ein kleiner Gag. Klickt man auf den PC Bildschirm gibt es mehrere Ansichten: In einer spielt er "Pong", in der nächsten "Gunship 2000", die 3. zeigt sich bewegenden Fenster und die 4. ist die hier zu sehende Laufschrift. Hinter ihm ist das "Duty Roster" wo man seinen Namen und seine Einheit festlegt, sowie später seine Missionsgeschichte und Ehrungen bewundern kann.
Mein finales Duty Roster der letzten Mission sah z.B. so aus:


Man sieht meine "Wings" Auszeichnung, mein Callsign (Hotte), meine Punkteanzahl, die Anzahl der geflogenen Missionen (50 ist das Maximum!), Anzahl der Kampagnen und die dabei erworbenen Orden. Da ich im Ruhestand bin, habe ich keinen Rank mehr, mein letzter war der eines Colonels. 
Wenn man getötet oder vermisst wird, wird hier auch "MIA" bzw. "KIA" vermerkt, das Profil ist dann inaktiv.
Meine (frei wählbare) Einheit waren die "Red Eagles" und unten sieht man die 4 Mitglieder meiner Staffel, alle im höchstmöglichen Rank Captain.  

Folgende Ränge gilt es zu durchlaufen: 

WOC: Warrant Officer Candidate
W01: Warrant Officer
CW-1: Chief Warrant Officer W-1
CW-2: Chief Warrant Officer W-2
CW-3: Chief Warrant Officer W-3
CW-4: Chief Warrant Officer W-4
2LT: 2nd Lieutenant
1LT: 1st Lieutenant
CAP: Captain
MAJ: Major
COL: Colonel
BG: Brigadier General

Folgende Ehrungen, die den US-Originalen exakt nachempfunden wurden, kann man erhalten (s.o.):

NDS: National Defense Service Medal (haben alle in meiner Staffel, bekommt jeder irgendwann)
PH: Purple Heart (Verwundetenabzeichen, hat, zum Glück, nur Captain Rockwell)
ACV: Army Commendation Medal for Valor (die erste Heldenauszeichnung, haben alle mehrfach)
AMV: Air Medal for Valor (die nächste Stufe, habe ich selbst 6x erhalten, Capt. Reed 2x)
BSV: Bronze Star vor Valor (2x). Höchste Auszeichnung die der Divisionkommandeur verleihen darf 
SS: Silver Star (schwierig zu bekommen)
DSC: The distinguished Service Cross (Vom Präsidenten verliehen. Ich kenne ihn bisher nicht....)
CMOH: The Congressional Medal of Honor (das Ding hatte ich mal in einem früheren Spiel!)
 
Auf der Weltkarte wählt man sein Einsatzgebiet aus. Der Schrank darunter bietet 2 Optionen: Einmal den Missionsrecorder (Replay ansehen und speichern) und eine Art Recovery-Möglichkeit. Diese kann man nutzen, wenn man in einer Mission getötet wurde. Dann kommt ein Bildschirm, das man das alles nur geträumt hat, und man ist wieder aktiv. Die Nutzung dieser Option wird allerdings protokolliert.
Hat man alles ausgewählt, geht es durch die Tür zum Einsatz....


Mission Briefing:


Je nach Art der Mission kann das Briefing an Land oder auf einem Flugzeugträger stattfinden:



Es folgt der Bildschirm des Missionsbriefings:


Auf diesem Bildschirm finden sich die Missiondetails samt Einsatzzeit, geschätzter Dauer, Wetterbericht und zu erwartenden Gegnern auf Papier. Hinten geht es zur Wahl der Hubschrauber.

Es gibt im Spiel insgesamt 8 Helikopter zur Auswahl, einige sind allerdings erst ab einem gewissen Dienstgrad verfügbar.

Folgende Helikopter sind im Spiel spielbar:

Bell AH1 "Cobra"


Der US-Army Standard-Kampfhubschrauber seit dem Vietnamkrieg. Von Bell entwickelt und seit 1967 im Dienst. Ein wendiger, agiler Heli mit mit guter Bewaffnung. In diesem Fall mit 8 TOW- und 4 Stingerraketen.


Boeing AH-64 "Apache"


Die Legende - Der beste Hubschrauber des Spiels und auch in der realen Welt das Beste was es gibt: Die AH64-Apache von Boeing. Mit einem Erstflug 1975, damals noch von Hughes Helicopters entwickelt, wurde sie Apache 1986 in Dienst gestellt. Zu der Zeit wurde sie von Mc Donnel Douglas gefertigt, seit 1997 gehört sie zum Boeing Konzern. Alle neuen Entwicklungen müssen sich an ihr messen. Anders als andere Hubschrauber wurde die Apache von Anfang an als Angriffswaffe entwickelt, ein sogenannter "AAH", was für Advanced Attack Helikopter steht. Das sieht man auch an der Bewaffnung, die sie zu einer echten Erstschlagswaffe macht: Raketen: 8 x Hellfire, 8 x TOW, 2 x Sidewinder und eine 30mm Kanone die schon viele Gegner erledigen kann. Im Spiel gibt es die Apache, wenn man den Rang eines Captains erreicht hat, auch noch in der verbesserten "Longbow Apache" Version, die aber nur marginale Unterschiede mit sich bringt (Hellfire MMW Raketen und bessere Aufklärungseigenschaften).

Bell OH-58D "Kiowa"


Der Bell OH-58D "Kiowa" Helikopter wurde 1969 in Dienst gestellt und wird als bewaffneter Aufklärungshubschrauber eingesetzt. Die Bewaffnung ist nicht mit dem Apache vergleichbar, aber der Kiowa hat hochentwickelte Kameratechnik am Rotorkopf verbaut, so das er aus der Deckung seine Aufklärungsarbeiten erledigen kann. Im Spiel sollte man ihm immer etwas "Firepower" in Form von anderen Helikoptern an die Seite stellen.

Hughes OH-6 "Defender"


Der Hughes OH-6 wurde 1966 in Dienst gestellt und ist ein schneller, wendiger Aufklärungshubschrauber, der aber auch für Escort- und Transportaufgaben einsetzbar ist. Er ist mit einer kleinen Kanone und 2 weiteren Optionen (hier: Hydra Raketen und einer weiteren Chaingun) aufrüstbar. Im Spiel ist es der schwächste Helikopter, den man nur sehr gezielt einsetzen sollte.

Boeing-Sikorsky RAH-66 "Comanche" (Scout / Gunship)



Die Boeing-Sikorsky RAH-66 "Comanche" ist ein "komischer Vogel". Als hochmoderner Ersatz für den Apache geplant, und im Spiel ab den Rang eines 2nd Lieutanent als Aufklärungs- oder Kampfvariante nutzbar, ist sie eigentlich ein Phantom. Auch wenn sie in einigen Computerspielen simuliert wurde ("Comanche", "LHX"), gibt es nur 2 real gebaute Maschinen!!! 
Der als Stealth-Hubschrauber in den 80ern geplante Comanche flog das erste Mal 1996. Ende der 90er kamen Zweifel auf, ob der Hubschrauber sinnvoll einsetzbar ist. Es folgten einige Neukonstruktionen, die maximale Anzahl wurde auf 650 Stück begrenzt. Ich zitiere mal aus der Wikipedia:

"At the time, it was stated that the Army had determined that a number of upgrades would be necessary in order for the RAH-66 to be capable of surviving on the battlefield in the face of current anti-aircraft threats; however, the Army had instead decided to re-direct the bulk of its funding for rotary development toward the renovation of its existing helicopter fleet of attack, utility, and reconnaissance aircraft".

2004 wurde das Programm komplett eingestellt, als man berechnet hatte, das die sauteure Comanche im Jahr 2008 mehr als 2/3 des gesamten US-Budgets für militärisches Fluggerät auffressen würde..... In das Projekt wurden insgesamt ca. 7 Mrd. Dollar versenkt.  

Sikorsky UH-60 "Blackhawk"


Eine weitere Legende....das "Dicke Ding": Die Sikorsky UH-60 "Blackhawk" ist wohl einer der ikonischten Hubschrauber überhaupt und vermutlich einer der berühmtesten. Seit 1979 setzen viele Armeen auf der Welt den "Blackhawk" als "Lastentier" ein. Er ist sowohl Truppen- als Lastentransporter und in diesem Bereich an Flexibilität kaum zu ersetzen. Mit ihm werden Lasten, von Hilfsgütern bis zu militärischen Gerät, abgeworfen, Truppen zum Einsatzgebiet gebracht, aber auch in der Personenrettung ("SaR" / "Coast Guard") ist er im Einsatz. Berühmt wurde er durch den Film "Blackhawk Down". Im Spiel ist er für Lasteneinsätze ("Drop Off Cargo") oder auch für "Search and Rescue" Einsätze wichtig. Ich habe in späteren Missionen immer einen Blackhawk in meiner Staffel, um, falls mal etwas richtig schief geht, meine Männer raushauen zu können. "Leave no man behind!" Der Blackhawk kann gestrandete Piloten retten, ist sehr stabil und kann auch heftig austeilen.  

Hat man die Hubschrauber ausgewählt, klickt man auf die Landkarte, und landet auf dem letzten Vorbereitungsscreen:


Dieser Bildschirm, der Instrumententafel eines Helikopters nachempfunden, ist sehr wichtig. Hier stellt man den Schwierigkeitsgrad und Realitätsgrad ein. In dem unteren Balken wird die daraus resultierende Gesamtschwierigkeit angezeigt. Oben links stellt man ein was der Co-Pilot machen soll, rechts daneben wird die Stärke und Cleverness der Gegner gewählt. Und Flight Control stellt man die Flugeigenschaften ein. Über die Zifferntastatur wurde damals der Code für die Kopierschutzabfrage eingegeben. Dazu musste man Symbole aus dem Handbuch suchen und den passenden GPS Code hier eingeben.
Der rote Schalter rechts startet die Motoren....Dann gibt es kein zurück mehr: Die Mission startet!

Die Mission:


Voll getankt und bis an die Zähne bewaffnet startet man auf der Basis 

Der Einsatz startet entweder auf der Basis, das kann ein Feldlager oder ein Flugzeugträger sein, oder in der Luft, was besonders bei Kampagnen der Fall ist. Das Cockpit ist dem Original (hier "Apache") nachempfunden und ist nahezu voll funktionsfähig. 

Per Tastendruck kommt man zur Karte, wo man Wegpunkte für die Mission definiert, die dann ins Flugnavi einprogrammiert werden. Hier plant man später auch seine Einsätze mit der eigenen Staffel.

Die Planungskarte, die man sehr häufig benutzt

Dann geht es zu den Missionzielen, die sehr vielfältig sein können. Es geht von Aufklärungsmissionen, über "Schiffe versenken", Rettungsmissionen, bis hin zu reinen Kampfmissionen, in denen man Panzereinheiten, Bunker, Hauptquartiere oder ganze Flugplätze zerstören muss. Manche Ziele bewegen sich, wie z.B. Panzergruppen oder auch Züge. Man muss also manchmal suchen....
Damit man nicht ewig durch die Gegend fliegt, gibt es eine Zeitrafferfunktion, mit der man die Zeit bis zu 16x schneller ablaufen lassen kann. Das sollte man sehr vorsichtig einsetzen! In den höheren Schwierigkeitsgraden schießen die Gegner sehr schnell und so ist man oft schon getroffen, bevor man wieder "Normalgeschwindigkeit" erreicht hat. Oder man knallt mit voller Geschwindigkeit in einen Berg, weil man entweder selbst nicht schnell genug reagiert, oder der Autopilot es verbockt hat. 

Wir fliegen an einer Strasse entlang auf der Suche nach dem Feind

Die Grafik der Landschaft ist, wie oben schon beschrieben,...ähm..."zweckmässig". Übrigens gibt es zwei Anekdoten zur Landschaft. Man findet immer wieder "Billboards" also große Werbetafeln, auf denen für MPS Labs oder andere Microsoft Spiele geworben wird. Zerstört man diese, gibt es Punkte!!!
Man findet auch einige Tiere, Kühe und Kamele etwa. Diese sind in der internationalen Version natürlich "zerstörbar", nur in der deutschen Version nicht!!!


Wenn man alle Ziele zerstört hat, fliegt man wieder zurück zur Basis, und beendet die Mission.
Manchmal ist es sehr nervenaufreibend, ob man es z.B. mit einem völlig zerschossenen Heli noch zurück zur Basis schafft.... 

Ziel zerstört 😁

Nach der Mission:

Schafft man es nicht, gibt es mehrere Möglichkeiten was passieren kann:

1. Tod ("KIA" - "Killed in Action")
Das passiert wenn man abgeschossen wurde oder man z.B. mit seinem Hubschrauber gegen einen Berg fliegt... Kleiner Fun-Fact: 1993, also 2 Jahre nach Gunship 2000, kam der koreanische Autohersteller Kia nach Deutschland. Leider war für mich die Kombination der 3 Buchstaben da schon negativ belegt. Ich habe nie einen Kia besessen und traue denen bis heute nicht.... 😁. Warum nur?



2. Vermisst ("MIA" - "Missed in Action")
Wenn man seinen Heli notlandet, kann es sein, das man als vermisst gemeldet wird. Für das Spiel hat es den gleichen Effekt wie "KIA", das Spiel ist vorbei, das aktuelle Profil auf dem Duty Roster ist inaktiv.

3. SAR Rettung
Wenn man irgendwo notgelandet ist, gibt es eine gewisse Chance, das man durch die SAR Einheit rausgeholt wird. 
 

Als Anführer einer Staffel muss man leider auch traurige Dinge erledigen. Zum Beispiel Briefe an die Hinterbliebenen zu schreiben, wenn man einen Piloten seiner Staffel verloren hat....


Kommt man aber heile nach Hause, ist einem der Respekt der Kameraden gewiss. Allerdings können diese auch kleine Spitzen verteilen und Kritik üben. So bekommt man schon mal zu hören, wenn man zuviel Zeit benötigt hat oder man wird sarkastisch daran erinnert, das man die "Vögel" heile zurückbringen soll, denn die Teile wären für den Steuerzahler nicht ganz billig...


Man darf seine Staffel auszeichnen und befördern...


Und wird selbst belobigt...




Insgesamt darf man bei Gunship 2000 50 Missionen fliegen, danach wird man aus dem aktiven Dienst entlassen und arbeitet als Ausbilder. Die aktive Karriere endet damit im Spiel, in der Regel ist man in dem Stadium schon im Rang eines Colonels oder gar eines Brigade-Generals.

Die Punkte, die man erreichen kann, ergeben sich aus einer Reihe von Einstellungen. Natürlich sind die Schwierigkeits-Einstellungen entscheidend, aber auch die Tatsache, mit welchem Hubschrauber man die jeweilige Mission geflogen hat. Mit dem "einfachen" Apache gibt es weniger Punkte für die gleiche Mission wie mit dem kleinen Defender....
Ich persönlich gebe gern zu, das ich durch und durch ein "Apache" Pilot bin, manchmal fliege ich ganze Missionen nur mit der 1200 Schuss 30mm Kanone, die unfassbar mächtig ist. Der Apache und ich sind einfach ein eingeschworenes Team! 

Gegner:

Als Gegner kommt einem eine Menge "Altmetall aus dem Ostblock" entgegen 😀. Ich wohne in der Nähe des Panzermuseums Munster und als ich das letzte Mal dort war, musste ich doch mehrfach grinsend an Gunship 2000 denken. Da stand ich vor einem T-72 Panzer oder einem BMP2 und dachte: Oh, 2-3 Salven mit der Kanone des Apache und das Ding geht in Rauch auf....
Generell gibt es viele landgestützte Einheiten, allerlei Panzer der T-Serie (T55, T62, T72, T80), kleinere Infanteriepanzer wie BMP1 und 2,  Radpanzer ("BRDMs"), SCUD-Raketen, und Infanterie in allen erdenklichen Formen. Gefährlich sind, natürlich, vor allem die Panzer, die speziell gegen Lufteinheiten zum Einsatz kommen. Und davon gibt es leider viele. Sie haben so schöne Namen wie ZSU-23, 2S6 "Shilka" oder ZSU-57. Diese drei haben sehr starke "Anti-Aircraft" Maschinengewehre, die echt Ärger machen können. Dazu kommen noch Raketenwerfer wie SA-6 und SA-13 die einen vom Himmel holen wollen. Schwer zu finden sind kleine, mobile und versteckte S-60 Anti-Flugzeug Kanonen, die überall in der Landschaft stehen können.
Je nach Wahl des Schwierigkeitsgrades sind die echt ernsthafte Gegner. Grade der Sprung von "Crack" auf "Elite" ist extrem... bei "Elite" fackeln die nicht lange und feuern unfassbar schnell. Da muss man die Kampftaktiken gut gelernt haben und jede Deckung ausnutzen.  

An Lufteinheiten gibt es einige schnelle Flugzeuge russischer Bauart (SU-27, MIGs und so).
Zusätzlich gibt es natürlich die gegnerischen Hubschrauber. Diese reichen vom eigentlich französischen Transporthubschrauber "Gazelle" (Gähn!) über den russischen Transporthubschrauber Mi-8 "Hip" (Laaaaangweilig!), bis zu den Kampfhubschraubern MI-24 "Hind" (Ups.....), Mi-28 "Havoc" (Oh oh....) und dem KA-50 "Hokum" (Aaaargh!!). 
Gegen fliegende Einheiten empfiehlt es sich immer einige zielsuchende "Sidewinder" oder "Stinger" Raketen dabei zu haben, ansonsten hilft auch manchmal die Bordkanone (sofern man eine hat). 

Generell bekommt man im Spiel eine sehr gute "Nase" dafür, welche Waffen man für welche Mission mitnehmen sollte. Die "Hellfire" sollte man gegen gepanzerte Ziele immer dabei haben, TOWs gehen auch. Die Hydra Raketenbatterien taugen nur gegen leichte Ziele, haben eine geringe Reichweite und sind keine "Fire and Forget" Waffen. In diesem Fall muss man mit dem Heli ruhig bleiben und zielen.  
Mit dem Apache nutze ich ab 1,5km Entfernung gern meine Bordkanone, statt der Hydras. Gegen Flugziele, ich sagte es schon, eignen sich hitzesuchende Sidewinder- oder Stinger-, gegen Schiffe die Maverick- oder die Penguinraketen.  

Das Schadensmodell der Hubschrauber ist sehr komplex umgesetzt. Wenn man Einschusslöcher in der Scheibe sieht, ist man selbst getroffen. Das 3. Einschussloch ist meistens das Letzte....
Ansonsten kann echt fast alles an den Dingern einzeln kaputtgehen.....😐  
So können z.B. einzelne Instrumente ausfallen, was blöd ist, aber noch ganz gut funktioniert. Der Gegner kann aber auch die "Waffenarme" links und rechts treffen, so das man nur noch eingeschränkt wehrhaft ist. Generell gibt es ein zweistufiges Schadensmodell. "Gelb" bedeutet "ein bisschen kaputt", rot bedeutet "ganz kaputt". Man hat im Apache z.B. 2 Motoren, wenn einer ausfällt, kann man mit dem Heli noch nach Hause rumpeln. Gleiches gilt für einen Treffer am Tank. Leuchtet er gelb auf, verliert man "nur" Sprit und damit Reichweite, wird er nochmal getroffen.... ist die Reichweite "0".
Ganz tragisch sind Rotortreffer! Wird einer der Rotoren beschädigt fliegt sich der Hubschrauber sehr unruhig und man sollte schnellstens versuchen, möglichst dicht an die Basis heran zu fliegen. Fällt einer der Rotoren ganz aus, vereint der Apache die (Flug)-Eigenschaften von "Stein" und "Kreisel" miteinander.... Je nach dem was getroffen wurde, dreht sich der Heli um die eigene Achse (Heckrotor) oder fällt einfach so vom Himmel (Hauptrotor). Den kaputten Heckrotor bekommt man noch halbwegs brauchbar notgelandet....wenn der Hauptrotor weg ist... "Stein". Letzteres führt gerne zu dem Bild mit dem Trompeter weiter oben....   

Auch Landen will gelernt sein. Will man im Zielgebiet landen, sollte man sich genau bewusst sein, wo man grade ist. Auf einer schiefen Ebene (sprich Berghang) landet es sich schlecht und ihr macht Bekanntschaft mit besagtem Trompeter. Man hat zwar einige Hilfsmittel, wie z.B. "Auto-Hover", also eine Funktion die einen z.B. 100 Fuß über dem Boden hält, aber auch die Funktion ist in den Bergen mit Vorsicht zu genießen, zumindest wenn man sich aus größerer Höhe in die Auto-Hover Funktion "reinfallen" lässt.
 
So, jetzt habe ich alles über Gunship 2000 erzählt... Fast alles!

Echten Fans wird es eventuell aufgefallen sein, mir jedenfalls sofort. Gunship 2000 hat, zumindest was einige Grafiken angeht, ein Vorbild aus Hollywood. Die Programmierer haben sich recht frech an dem 1990er Touchstone Streifen "Fire Birds" (dt. "Airborne - Flügel aus Stahl") mit Nicolas Cage und Tommy Lee Jones bedient. Ich habe den Film zu einer Zeit gesehen, als ich sehr viel Gunship 2000 gespielt habe und dachte mehrfach: "Moment mal....das kennst Du doch!" Jetzt ist es natürlich so, das in thematisch ähnlichen Medien auch ähnliche Szenen entstehen, aber trotzdem....
Für einen echten Gunship 2000 Fan ist der Film eigentlich Pflichtprogramm, denn in ihm sind fast alle Hubschrauber des Spiels zu sehen, so z.B. die "Cobra", der "Apache" als "Hauptdarsteller", der "Kiowa", der "Blackhawk" und.... als "Bösewicht" der "Scorpion". Den gibt es real nicht, aber für den Film wurde die zivile Version des "Defenders" eingebaut.

Kommen wir aber zu den Szenen:

Gut, einen Heli vor einem Sonnenauf-/untergang einzubauen kann noch Zufall sein.....



Auch die Besprechungen vor einem Apache....Zufall....



Aber Leute.... das hier nicht mehr! Das ist eine 1:1 Pixel-Kopie einer Filmszene. 
Da stimmt jede Zeltstange und die Tatsache, das nur einer eine Basecap aufhat.... 😁.
Die Landkarte im Hintergrund, der Instructor.... Alles stimmt.




Fazit:

Tja...was soll ich sagen? Gunship 2000 ist eines meiner Lieblingssspiele. Ich denke das ich einige hundert Stunden in das Spiel gesteckt habe, und es werden immer mehr. Auch nach 30 Jahren liebe ich dieses Spiel besonders wegen seiner Missionsstruktur, der logischen Bedienung und dem recht fordernden Schwierigkeitsgrad. Es ist ein typischer Vertreter der Microprose Simulationen: sauber programmiert, vergleichsweise realitätsnah, komplex, gut recherchiert und einfach eine Freude zu spielen. 

Credits des Spiels:

Ich möchte hier mal einige der beteiligten Personen aufführen:

Game Design                            James M. Day, Darrell Dennies, Detmar Peterke

Topografisches Konzept:          Darrell Dennies

Programmierung:                      Darrell Dennies, Detmar Peterke

3D Grafik:                                 Max D. Remmington III.

Grafiken (Standbilder)              Michael Reis  

Musik:                                       Jeff Briggs

Handbuch:                                 James M. Day    

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

Alle verwendeten Icons, Screenshots, Bilder und andere Grafiken sowie alle verwendeten Marken-, Spiele- und Produktnamen und Logos sind Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer. 

 


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