Retrospiele Ys - the vanished Omen / Chronicles I

 

Ys war eine meiner ersten Rollenspielerfahrungen überhaupt. Ich hatte es damals auf dem Master System, komplett auf englisch was nicht grade einfach war. Durchgespielt hatte ich es damals nicht, es ist mir aber als das Spiel in Erinnerung geblieben, in denen man mit Bäumen reden muss.... 😁.


Ys Teil 1 auf dem SEGA Master System (1988)

Die Ys Serie ist eine sehr langlaufende Rollenspiel-Serie aus Japan, die erstmals 1988 auftauchte und seit dem in vielen Teilen fortgeführt wurde. Im Laufe der Zeit kamen (je nach Zählweise des Kanons) 13 Spiele auf den Markt. Die verschiedenen Teile der Serie gibt es auf recht vielen verschiedenen Plattformen, z.B: Apple2gs, DOS, NEC PC-8801, Sharp X-1, MSX2, FM-7, NEC-PC9801, Sharp X68000, Sega Master System, Sega Saturn, Sega Genesis, Famicom, NES, SNES, Nintendo DS, Windows, Playstation 2, PSP, IIGS, TurboGrafx-CD, versch. Handys, Playstation Vita, PS4, Nintendo Switch und XBOX One. Im Prinzip gibt es also Ys Versionen für fast alles, was es da draußen an Konsolen gab und gibt sowie für Computer, die auch in Japan populär waren. Erstaunlicherweise gab es keine C64 und Amiga Versionen, was aber an der Tatsache liegen dürfte, das diese Geräte in Japan nicht sehr verbreitet waren. Ich gehe hier vorwiegend auf die 2009er Remake Version "Chronicles" ein, die es seit 2015 auch für Android, iOS und sogar für das Fire TV gibt.

Die 1989er DOS Version wurde vom, kürzlich besprochenen, Studio Unlimited Software
bzw. Distinctive Software umgesetzt.

Entwickler und Publisher der Serie ist bis heute Nihon Falcom. Im Gegensatz zu den Spielen des Konkurrenten Square/Enix sind die Spiele von Nihon Falcom, bis auf "Ys", eher einem japanischen Publikum bekannt und dort auch echte Hits. Viele Titel sind gar nicht in Europa erschienen und werden nur als Import gehandelt. Das liegt daran, das die Spiele häufig auf japanischen PC-Systemen entwickelt wurden, die in der westlichen Welt komplett unbekannt sind. Trotzdem gilt Nikon Falcom, 1981 gegründet, als einer der ältesten Videospielhersteller überhaupt und, vor allem, als Erfinder des Action RPGs. Falcom entwickelte von Anfang an nur Rollenspiele und schuf mit der "Dragon Slayer" Reihe (nicht mit "Dragons Lair" verwechseln!) schon früh eine Art Blaupause für das Genre der Action RPGs. In Japan kommt die Ys Serie in der Popularität direkt nach Final Fantasy. 

Dragon Slayer (MSY,1985)

So, kommen wir mal zum Spiel selbst. Man spielt den Held Adol Christin der auf Ys gestrandet ist, und zwar trotzdem die Welt von Ys durch einen magischen Nebel als von außen unerreichbar gilt. Die Menschen leben zurückgezogen in den befestigten Orten und Städten, weil die restliche Welt von Monstern überrannt wurde. Die Geschichte erzählt, das die Menschen die magischen Kräfte überbeansprucht haben und sich dadurch das Böse ausgebreitet hat.

Rollenspieltypisch fängt man als einfacher Kämpfer an, und muss sich im Laufe der Zeit in seiner Stärke und der Zauberkraft "hochleveln" und natürlich auch bessere Waffen besorgen. Das Kampfsystem der ersten Teile war schon damals legendär einfach. Das "Bump-System" führt die Kämpfe automatisch wenn man in einen Gegner "hineinläuft". Das klingt blöd und einfach, aber lest den Bericht zu Ende und dann wisst ihr, warum grade das zum Spaß des Spiels beiträgt.... 

Die Chronicals Version von 2009

Im Laufe des Spiels muss man die gesamte Welt bereisen, die aus mehreren Orten, Dungeons, alten Minen, mehreren Tempeln, heiligen Orten und dem Darm Tower, dem Sitz des Bösen besteht. Die Monster (von denen es viele verschiedene Arten gibt) sind überall in der Welt verteilt, außer in den Städten und Orten. Besiegte Monster respawnen nach einer Zeit, so das es immer was zu tun gibt und das Spiel manchmal auch zum Grind einlädt, um die nächste Stufe zu erreichen. Sind die Monster außerhalb der Orte zu Anfang noch eine Aufgabe, sind sie bei späteren Begegnungen im hochgelevelten Zustand und mit besseren Waffen/Rüstungen kein Hindernis mehr. Zu Anfang stoppt man an jedem Monster für den Kampf, später "schneidet" man in vollem Lauf regelrecht durch die einfachen Monster.

Die Story des Spiels wird sehr schön erzählt und es gibt natürlich reichlich Nebenquests der Marke "Meine Tochter ist entführt worden...." und so. Vom Storytelling her ein großartiges Spiel. Die Gespräche sind, wie für japanische Rollenspiele üblich, recht lang und ausführlich, aber toll geschrieben und immer mit schönen Grafiken und ebensolcher Musik untermalt. Zur Musik später mehr....

Hübsch gezeichnete Manga-Portraits sind im Spiel Standard

Normalerweise bin ich mit 44 ja eindeutig zu alt um mich in gezeichnete Frauen zu verlieben, aber hier habe ich mal eine Ausnahme gemacht 😁😍. Die beiden Schwestern Feena und Reah (Gottheiten wie man später feststellt) haben schon was, aber auch sonst sind einige NPC wirklich sehr hübsch, natürlich im klassischen Manga Stil, gezeichnet.  

Die Krankenschwester geht schon, aber....


.....Feena ist schon eine sehr hübsche Göttin oder? 😁

Durchsucht doch mal Google nach "Feena" und ihr werdet sehen, das ich nicht der einzige Fan bin....

Im ersten Teil gibt aber auch insgesamt 7 Boss-Gegner.... und einer davon, der 3., ist der Vagullion. Dieser Bossgegner gilt als einer der fiesesten und ganz klar unfairsten der Spielegeschichte. Im Internet gibt es ganze Foren mit Tipps, wie man an ihm vorbeikommt und auch reichlich Youtube Videos. 

Es handelt sich um eine Fledermauskreatur (weshalb in Foren auch oft vom "Bat-Boss" gesprochen wird) die nur für ca 1 Sekunde verwundbar ist. Sie sendet einen Schwarm unverwundbarer Fledermäuse aus, die einen durch den Raum verfolgen. In unregelmässigen Abständen fliegen diese Fledermäuse zum Bat Boss zurück und er schließt seine Flügel. Nach ca. 1 Sekunde öffnet er diese wieder und entlässt den Schwarm. Das Problem ist mehrschichtig: Einmal ist der Punkt und der Zeitablauf zufällig, das heißt, das die Verwundbarkeit an jedem Punkt des Raumes eintreten kann und man da sehr schnell hin muss. Zudem ist die Hitbox nicht etwa die ganze Kreatur - Nein - das Vieh ist nur an den Füßen verwundbar.... Um es noch kniffeliger zu machen wirken allerlei eingesammelte Artefakte und Zauber, die normalerweise die Schlagkraft erhöhen, in dem Raum nicht.

Der legendäre "Bat Boss"

Man sagt ja schnell mal so dahin "ich habe das 100x versucht".... hier ist das wörtlich zu nehmen! Ich habe es, binnen 4 Tagen, mehr als 100x versucht, denn das Viech braucht auch mehr als 10 Treffer.... Ich habe sogar das Spiel nochmal auf "Einfach" von vorn begonnen....das hilft alles nichts. Vorher hatte ich schon das Netz nach Cheats und Savegames hinter dem Monster abgesucht...nichts! Irgendwann hatte ich dann einen Rythmus gefunden, mit dem ich den Gegner endlich, in einem epischen Kampf, besiegen konnte. Wie das genau geht, kann ich nicht mal mehr sagen, ich habe vermutlich einfach Glück gehabt.  Es gibt Foren in denen sich die Spieler beschweren, warum dieser legendär schwere Gegner im Remake noch genauso drin ist, statt ihn mal etwas zu entschärfen. Sehr viele Spieler haben das Spiel an diesem Punkt abgebrochen. 

Das Hauptärgerniss an dem Boss ist, das man denken kann, es handelt sich um einen Fehler der Programmierer. Die anderen Bosse sind recht einfach, auch auf "schwerem" Schwierigkeitsgrad. Man guckt sie sich ein paar mal an, erkennt ein Muster und tut was man tun muss. Der "Bat Boss" hat kein solches Muster, ist nur sehr kurze Zeit verwundbar und scheucht einen mit seinen Fledermäusen umher. 

Der finale Bösewicht, "Dark Fact", vor dem auch in Foren etwas gewarnt wurde, war dagegen ein Witz! Den habe ich im 2. Versuch erledigt....  

Kommen wir zum Ende nochmal zu etwas schönem und dem Highlight des Spiels.... der Musik! 

Diese ist nämlich eine Besonderheit des Unternehmens, die man nicht genug rühmen kann! Nihon Falcom hat eine eigene Musikabteilung namens Falcom Sound Team jdk. Der Soundtrack zu Ys, der von eben diesem Team kam und kommt, gilt als einer der einflussreichsten Spielesoundtracks der Rollenspiel-Geschichte. Man muss ihn einfach gehört haben!

Das Musikrepertoire reicht von langsamen fast balladenartigen Stücken in den Dörfern und während der Gespräche bis hin zu, wunderbar melodiösem, Speed-Metal bei den Kämpfen. Grade diese Musik macht den Reiz und die Spielfreude aus. Besonders die Metal Parts, die man auf den Reisen zwischen den Orten und beim dortigen Kampf hört, treiben dermaßen, das man immer wieder einfach kämpfen geht, nur weil es so einen Spaß macht, bei der Musik Monster zu verdreschen. 😁. Die Zusammenstellung/-komposition ist nichts anderes als ein musikalisches Meisterwerk! Man kann gar keine einzelnen Titel herausheben, die Musik ist von vorne bis hinten einfach genial! So genial, das ich sie auch regelmäßig im Auto höre.

Wenn ihr euch mal durch den Soundtrack hören wollt, findet ihr hier bei Youtube eine Playlist.

In dem offiziellen Promo-Video von Ys Chronicles sieht und hört man aber auch was einen erwartet.....


Auf Youtube gibt es reichlich zum Thema "Ys (Chronicles) Soundtrack" zu finden, darunter etliche Fanremixes und sogar Liveauftritte des Falcom Soundteams. Ihr habt richtig gelesen!!! Es gibt in Japan eine Falcom jdk Band, die die Musik als Metalband live spielt. Sehenswerte Youtube Videos, hier mal ein Beispiel des Songs "First Step Towards War" aus Ys I, das die musikalische Klasse zeigt:



Fazit:

Ys ist ein echtes Erlebnis! Spielerisch wirkt es, auch durch die Musik, ein wenig wie "Zelda auf Speed", aber es macht einen Riesenspass. Das Spiel bietet einfach von allem etwas: ruhige Szenen und ausführliche Gespräche, heftige, hektische Acionsparts, eine schöne Story, reichlich verschiedene Gegnertypen, Humor, ein schönes, glaubwürdiges Weltendesign, fantastische Musik und ein großartiges "Flow-Gefühl". 
Grade die "Chronicles Fassung" ist hervorragend gelungen, besonders weil man zwischen verschiedenen Musik- und Grafikversionen umschalten kann. Einfach ein perfektes Remake eines, in der westlichen Welt nicht so bekannten, Klassikers.

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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