Retrospiele: Stunts aka. 4D Sports Driving

 


"Stunts" oder, wie es in Europa heißt, "4D-Sports Driving", ist eines der Spiele, die ich noch heute regelmäßig hervorhole. Nicht, weil es ein tolles Rennspiel ist, sondern einfach weil es so eine kreative Spielidee ist.

Das Hauptmenü

1990 von Distinctive Software entwickelt und über Broderbund vertrieben, ist es ein Spiel, das einfach eine selten gute Spielidee hat. Im Vorjahr kam zwar der Titel "Stunt Car Racer" von Microplay (Geoff Crammond), das es aber nicht mit der Kreativität von Stunts aufnehmen kann.

Nicht verwechseln: Das ist "Stunt Car Racer" bzw. "Stunt Track Racer"

Das Spiel ist ein klassisches Rennspiel aus Cockpit-Perspektive, allerdings auf sehr speziellen Strecken. Die Strecken, die man mit dem Editor selber erstellen kann, sind eine Ansammlung der verrücktesten Stunteinlagen wie z.B. Sprungschanzen, Loopings, Fassrollen, Steilkurven, verschiedene Untergründe wie Teer, Eis, Sand und einiges mehr. Das geniale an dem Spiel ist der Editor, der einem sehr viele Freiheiten lässt, sofern man einen Rundkurs baut. Dieser kann ruhig mehrere Möglichkeiten und Wege bieten, sie müssen nur alle irgendwie zum Start/Ziel führen.     

Fassrolle voraus! (PC/Tandy)

Stunts setzt auf "normale" Autos der Rally-/Sport- und Rennwagenkategorie. Diese werden, typisch für Spiele aus dem Distinctive Kanon, in einem "Showroom" präsentiert. 

Der "Lambo" im Showroom

Zur Auswahl stehen folgende Fahrzeuge:

Audi Quattro, Acura NSX, Chervrolet Corvette, Ferrari 288 GTO, Jaguar XJR-9, Lamborghini Countach, Lamborghini LM-002, Lancia Delta Integrale, Porsche 911, Porsche 962 und Porsche "March Indy". Alle Autos wurden mit eigenem (funktionierendem) Cockpit und individuellem Sound und Fahrverhalten dargestellt.

Durch die vielen Möglichkeiten im Streckendesign und besonders wegen der Stunteinlagen, gibt es kein Auto das allen anderen überlegen ist. Der Rennwagen "March Indy" ist bei weitem der schnellste, aber auch, z.b. im Vergleich zum Geländewagen LM-002 sehr empfindlich. Zudem taugen die Rennwagen wenig auf Sand oder eisglatter Fahrbahn. Auch gibt es, besonders bei Sprungeinlagen, oft die Situation, das man mit einem zu schnellen Fahrzeug zu weit springt und den Wagen zerstört oder schon ins nächste Hindernis kracht. Versierte Streckenplaner konnten so die Rennwagen von vornherein "ausbremsen". Beliebt war z.B. direkt nach der Auffahrt auf einen Berg, wo der Rennwagen normalerweise kurz abhebt, ein Hindernis wie z.B. Betonpoller oder eine vereiste Strecke zu setzen. 

Der kinderleicht zu bedienende Track Editor

So kann es gut sein, das der Audi Quattro eine Strecke schneller bewältigt wie ein Rennwagen. Es kommt eben sehr stark auf das Streckendesign an. Und hier gibt der Editor dem Spieler wirklich viele Freiheiten. So kann man Sprungschanzen mit einem freien Feld dazwischen bauen, auf diesem Feld kann aber auch ein Haus oder ein anderer Schiff stehen, das ein zusätzliches Hindernis darstellt. Zu schnell darf man auch nicht über eine solche Schanze fahren, weil man dann zu weit springt oder sich der Wagen überschlägt und zerstört wird. 

Crash im Replay

Es gab als Gegner vorwiegend die Zeit, zumindest wir sind die Strecken, die im Freundeskreis erstellt wurden, immer gegen die Uhr gefahren. Es gab aber auch Gegner im Spiel mit so klangvollen Namen wie: "Squealin Bernie Rubber", "Herr Otto Partz", "Smokin Joe Stallin", "Cherry Chassis", "Helen Wheels" und der gefürchtete "Skid Vicious" (kleine Anspielung auf den Sänger der Punk Band "Sex Pistols" 😁). Die Gegner wurden vor und nach dem Rennen mit kleinen Animationen eingeblendet. Je nach dem wie man sich geschlagen hatte wurde man verhöhnt oder die Gegner ärgerten sich kräftig. Im Fall von Sid Vicous, dem besten Fahrer des Feldes, reichten die Aussagen von: 

"When am i gonna race someone who knows how to drive? Why are you wasting my time? Come back when you've learned how to drive!" 

"This is my Road! When i'm on it, you stay out of MY way! Got it?" (im Falle eines Crashs mit ihm)

"I'm still the champion - This loss doesn't mean a thing. What, you have a rabbit foot in your pocket or something? You wimp - you wouldn't dare to race me again!"

Ein echter Charmebolzen der Sid 😁. Er ist der einzige wirklich fordernde Gegner, wenn man das Spiel erstmal beherrscht. 

Ein eher leichter Gegner

Die Musik des Spiels war gut und "fetzig", sie trug zur Atmosphäre bei.

Nach Ende eines Rennens konnte man seine Fahrt per Recorderfunktion in einer Wiederholung sehen, bei der einem viele verschiedene Kamerawinkel zur Verfügung standen. Das war damals pure Avantgarde.

Replay aus der "Chopper Cam"

Viele Details aus Stunts findet man in vielen späteren (Arcade-) Racern auf dem PC wieder, so zum Beispiel der Showroom für die Autos und die Rekorder-/Replayfunktion, beides sehr prominent umgesetzt in Need for Speed. Auch den unsympathischen Gegenspieler gab es da, zumindest in der ersten Version des Spiels für die 3DO Konsole. Auf dem PC wurde "Mister X" ersatzlos gestrichen.   

Video:

Meine "Kollegen" vom Stay Forever Podcast haben zu dem Spiel vor vielen Jahren ein Youtube Video gedreht, in dem Christian Schmidt, ein Fan des Spiels wie ich, für seinen Kollegen Gunnar Lott (der das Spiel nicht so gut kennt) eine Strecke baut, die dieser gegen ihn fahren muss. Genauso haben wir das auch immer gemacht. In dem Video sieht man gut wie der Editor funktioniert, wie man fiese Strecken baut und wie man hinterher beim Fahren scheitern kann.... Viel Spaß 😁


Hinweis für echte Fans:

Auf der Seite "Zakstunts" treffen sich die Fans des Spiels. Hier gibt es Rennen, eine Art Liga, immer wieder neue Tracks und sogar eine 2021er Version des Spiels zum Download. Kein Scherz! Dem Spiel wurden von Fans weitere Autos hinzugefügt und auch sonst gibt es auf der Seite alles, was es zu dem Spiel an Mods und Tools gibt. hier findet man auch viele Informationen wue z.B. die Autos gegeneinander gewichtet werden und vieles, vieles mehr. Was für eine Fanszene für ein 31 Jahre altes Spiel! 

Fazit:

Stunts aka 4D-Sports Drivin ist ein echter Klassiker der Rennspiele auf dem PC. Die Grafik war damals schon veraltet und die verschiedenen Autos sind gut, wenn auch wenig realistisch, dargestellt, aber das tut dem Spiel keinen Abbruch. Es macht schlicht einen Riesenspass. Die Idee, dem Spiel einen einfach zu bedienenden Editor zu spendieren war ein Geniestreich. Unglaublich wie das die Motivation steigert immer extreme Strecken zu bauen um die Grenzen auszuloten. Ich erinnere mich noch gut an einen Schwedenurlaub mit einem Kumpel, wo wir Abends im Hotel Strecken auf Zeit gefahren sind. Lange her ist das nicht. Beeindruckend finde ich auch die immer noch aktive Fanszene die weiterhin online Rennen abhält und ihre Meister kürt und das Spiel am Leben hält und weiterentwickelt.


Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

Alle verwendeten Icons, Screenshots, Bilder und andere Grafiken sowie alle verwendeten Marken-, Spiele- und Produktnamen und Logos sind Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer. 

 Einbindung des Stay-Forever Podcasts mit freundlicher Genehmigung von Gunnar Lott/Stay Forever.

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