Retrospiele: Tender Loving Care / Die Versuchung


Kurz vor Weihnachten habe ich mir ein Spiel vorgenommen, das ich nur aus Erzählungen kannte, aber das ein Beispiel für die Interaktiven Filme ist, die Ende der 90er populär waren:

"Tender Loving Care" oder auf Deutsch: "Die Versuchung"

Das Spiel von Trilobyte, das 1998 erschienen ist, ist im Prinzip ein Psycho-Thriller mit kleinen Spielelementen. Die Story dreht sich um ein Ehepaar, das einen schweren Schicksalsschlag erlebt hat und psychologisch betreut wird. Der Psychologe setzt eine Kollegin ein, die bei dem Paar wohnen und sich dort um das Kind und die Familie kümmern soll. Wenn ich jetzt noch sage, das es in der Ehe des Paars Probleme gibt, die Psychologin relativ sexy ist, und es softe Erotikszenen gibt, kann sich jeder die Story ausmalen. 

Das Spiel besteht aus Film-Sequenzen die alle paar Minuten unterbrochen werden. Erst kommt dann der Chef-Psychologe ins Bild und fragt uns nach unserer Meinung zum grade Gesehenen. Danach kann man sich durch das Haus bewegen und Informationen sammeln. 

Dies geschieht meist im Lesen von Tagebüchern und Auszeichnungen der Protagonisten. So erfährt man immer mehr zum Seelenzustand der Personen, was an sich ganz interessant ist. Hat man genug gesehen und "geschnüffelt" kommt eine Art Multiple Choice Runde mit diversen Fragen. Die ersten drehen sich noch um die handelnden Personen, dann kommen allerdings Psycho-Fragen der übleren Sorte. Man muss sich auf Fragen folgenden Typs einstellen: "Haben sie schon mal eine Fantasie gehabt, in der es um Sex mit Tieren ging?" "Würden die gern einen 3er machen?" "Schauen sie gern anderen bei sexuellen Handlungen zu?" 

Leider gibt es häufig Fragen dieses Niveaus. Danach kommen immer Interpretationsfragen zu Bildern oder Zeichnungen der Art: "Was denkt die Person auf dem Bild grade?" etc. Was diese Fragen mit dem Film zu tun haben sollen, bleibt Geheimnis er Macher des Spiels....

Hat man die Fragen beantwortet startet die nächste Filmsequenz.

Ich muss sagen das mich diese Psychofragen unfassbar genervt und geärgert haben. Bis auf die Fragen zum Filminhalt ist der Multiple-Choice Teil völlig sinn- und niveaulos, vor allem aber kompletter Unsinn. 90% der Fragen haben nichts, aber auch gar nichts, mit der Story zu tun und sind reine Effekthascherei oder Pseudo-Psychologisch. Es macht schon Sinn, das dieses niveaulose Spiel damals in Deutschland über Pro7 vertrieben wurde...das passte wenigstens.

Nicht das ich falsch verstanden werde.... der Film an sich ist gar nicht schlecht... ein gutes B-Movie mit gutem Plot und auch ganz passablen Schauspielern. Auch das umherwandern im Haus ist zuerst interessant, aber im Laufe der Zeit hat man keine Lust immer wieder die gleichen Hotspots (Tagebuch der Frau, PC der Psychologin etc.) abzuklappern. Zur Mitte hin habe ich das auch nicht mehr gemacht und auch bei dem Frage-Antwort Spiel wahllos Antworten angeklickt, damit der Film endlich weitergeht. 

Letztendlich war ich froh, das es vorbei war. Die Grundidee des Spiels einem Film "beizuwohnen" und die Protagonisten psychologisch zu beobachten ist eigentlich nett und spannend, leider ist aber der Fragen-Teil derart "daneben", das es zumindest mir das Spiel kaputt gemacht hat. Gut das es nach 90 min vorbei war, und das es diese Interaktiven Filme heute nicht mehr gibt ;).

Fazit:

Die eigentliche Idee des Spiels ist nicht schlecht und ein Kind seiner Zeit. aber die Umsetzung ist, bis auf den Film an sich, derart fragwürdig, das ich das Spiel vermutlich nicht wieder anrühren werde. Aber als historisches Artefakt zum Thema "Interaktive Filme" bin ich froh, es mal gesehen zu haben. Es wird einem aber schnell klar, warum es diese Art der Spiele heute nicht mehr gibt und warum Filme bis heute ein passives Medium sind. 

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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