Retrospiele: Oil Imperium

 

Jetzt möchte ich mir mal die Hände schmutzig machen.... am Öl😁. Es geht um einen Klassiker der 80er sowohl auf C64 als auch auf dem Amiga und dem PC: Oil Imperium.

Titelscreen (DOS)

Das Spiel stammt vom Studio ReLine Software, das 1987 von Uwe Grabosch und Holger Gehrmann in Hannover gegründet wurde. Das Spiel ist also eine deutsche Entwicklung und wurde über Rainbow Arts vermarktet. International hieß das Spiel übrigens "Black Gold".

Im Spiel, das am besten mit mehreren gespielt wird, übernimmt man eine von 4 Firmen (Interoil, Transoil, All-American oder Explora Inc.) im Ölförderungsbereich. Wie in so vielen Wirtschaftssimulationen, startet man in einem typischen 80er Jahre Büro, dessen Stil man wählen konnte. Die Aufgabe ist erstmal ein Ölfeld zu finden und zu erschließen.

Die moderne Bürovariante

Zu Anfang musste man ein Spielziel auswählen, das uns aber eigentlich immer relativ egal war. Das sind solche Ziele wie 80% Marktanteil, ein Spiel über 3 Jahre oder das Erreichen von 60 Mio $ Vermögen. Wir haben immer die 60$ Variante gespielt, gern mit 3 oder 4 Spielern. 

Auf der Weltkarte hat man die Wahl zwischen verschiedenen Regionen, darunter Alaska, Nord-, Süd- und Mittelamerika, die arabische Halbinsel, Europa, UdSSR und Indochina. Erstmal benötigt man eine generelle Lizenz für die jeweilige Region. Es gibt generell teurere und günstigere Regionen, meistens ist z.B. Arabien eher teuer, verspricht aber auch hohe Erträge.  

Auswahl einer Ölquelle

Klickt man dann auf die Region findet man diese in Quadrate eingeteilt vor, jedes symbolisiert ein Ölfeld. Beim Draufklicken sieht man den Preis des Ölfeldes und kann eine Expertise "kaufen", um zu sehen, inwiefern sich das Ölfeld lohnt. Mit dem Kauf von Lizenz und Ölfeld ist dann meistens ein Großteil des Startkapitals "Geschichte". Ganz wichtig ist aber auch, einen Tank in der Region zu kaufen, sonst sprudelt das kostbare Öl später einfach so in die Gegend 😁. Wir hatten es öfter, das man das im Stress vergessen hat, und dann gab's nächsten Monat lange Gesichter was Umsatz anging... 

Mit dem Kauf des Feldes ist es aber nicht getan.... es muss ein Bohrloch her. Das kann man entweder machen lassen oder es selber bohren. Dann startet ein berüchtigtes Mini-Spiel bei dem man einen Bohrer durch verschiedene Gesteins- und Bodenschichten nach unten in Richtung Öl treibt. Je nach Härte der Gesteinsschicht wird der Bohrer unruhig, man muss mit dem Joystick versuchen den Bohrer innerhalb einer Skala zu halten. Man kann den Bohrvorgang beschleunigen in dem man den Druck erhöht, was die Kosten senkt, aber auch das Risiko den Bohrer zu beschädigen steigert. Sobald dieser nämlich aus der Skala driftet, ist er kaputt und das anbohren der Quelle ist gescheitert. Eine Bohrinsel im Meer hat übrigens den Nachteil das sie sehr teuer ist, aber den Vorteil das das Bohren im Wasser ist sehr viel einfacher als in Gestein.... 😁. Im Wasser konnte man eigentlich immer mit vollem Druck bohren, die dünne Gesteinsschicht am Meeresboden reichte in der Regel nicht aus, um den Bohrer noch zu zerstören.

Minispiel "Bohren" (Amiga)

Im Wasser ist vieles viel einfacher 😁

Es gab noch 2 weitere Minispiele, eines wo man unter Zeitdruck (gegen die KI) eine Pipeline zu seinem Tank legen musste, und ein zweites bei dem man mit Dynamit eine brennende Ölquelle löschen musste.

Gespielt wurde im Hot-Seat Modus, eine Runde entsprach im Spiel einem Monat. Wenn man in einer Runde eine Ölquelle gekauft, angebohrt und mit Tanks versehen hatte, konnte man im nächsten Monat das geförderte Öl verkaufen. 

Das Spiel macht eigentlich nur mit mehreren menschlichen Spielern Spaß weil es auch diverse Sabotage Aktionen gibt um den "Nachbarn" zu ärgern. Diese reichen von Feuer legen an Ölquellen über Bilanzmanipulation, Tanks zu sprengen etc. In den 80ern waren irgendwie ähnliche Sabotage-Aktionen in fast jeder Wirtschaftssimulation drin. Das lag vermutlich daran, das "Multiplayer" an einem PC noch die Regel war...

Das Spiel schreitet Runde für Runde voran. Zuerst bleibt man in einer Region, einfach weil die Lizenzkosten für eine 2. Region anfangs noch zu hoch sind. Wenn man keine sinnvolle Ölquelle mehr in der Region findet, wechselt man aber natürlich in eine Andere. Wichtig ist in der Hektik einer Runde nicht zu vergessen, das man, für eventuelle neue Quellen, genug Tankvolumen in der jeweiligen Region hat. Zudem darf man niemals vergessen jeden Monat sein Öl auch zu verkaufen, sonst passt evtl. nicht alles in den Tank, von dem es verschiedene Größen und Qualitäten gibt. Der Ölpreis schwankt von Monat zu Monat, man kann auch mal einen Monat mit dem Verkauf "pausieren" um auf steigende Preise zu setzen. Hier sollte man dann aber dringend die Fördermenge der Quellen in Bezug auf die vorhandenen Tanks checken.

Die Monate laufen letztlich immer gleich ab: Ölpreis checken, Öl verkaufen, je nach Kontostand eine neue Ölquelle kaufen und anbohren, Tank kaufen etc. Jede Tätigkeit "verbraucht" unterschiedlich viele Tage des Monats, so das man sich beeilen muss. Manchmal kommen zufällige Sonderereignisse hinzu. So kann man manchmal kein Öl verkaufen, oder eine Quelle versiegt bzw. brennt, man muss Pipelines legen usw. Deswegen sollte man wichtige Dinge, wie den Ölverkauf, immer am Anfang des Monats erledigen....Am Ende eines Monats/Runde, also wenn alle Spieler ihre Züge gemacht haben, gab es eine sehr einfache aber effektive Finanzübersicht.

Money, money money 😁

Kleiner Exkurs (Bildungsauftrag und so....ihr wisst schon 😁):

Bei einer brennenden Ölquelle konnte man sich, gegen Geld, von "Ted Redhair" helfen lassen. Das war eine Anspielung auf den Texaner Paul Neal "Red" Adair der damals eine Legende war. Er hatte in den 60ern eine Möglichkeit entwickelt, brennende Öl- und Gasquellen mit gezielten Sprengungen zu löschen. Die Nummer, ein großes Feuer mit Dynamit zu löschen, klingt genauso verrückt und gefährlich wie sie ist.... 😁 

Er und sein Team galten als mutige Draufgänger und wurden weltweit gerufen, wenn eine Ölquelle oder eine Bohrinsel zu löschen war. So  löschten sie z.B. 1992 während des 2. Golfkriegs 117 (!) brennende Ölquellen in Kuwait sowie1988 die brennende Ölplattform "Piper Alpha" in der Nordsee. Sein Einsatz 1962 in der Sahara am großen Ölfeuer, "des Teufels Feuerzeug" genannt, wurde 1968 mit John Wayne verfilmt. Er wurde ein amerikanischer Held und Prototyp eines mutigen Feuerwehrmanns für "alle Fälle". Eines seiner berühmtesten Zitate deckt sich übrigens weitgehend mit meiner Lebenserfahrung 😀:

"If you think it´s expensive to hire a professional to do the job,

wait until you hire an amateur..."

Paul Neal "Red" Adair (1915-2004)
Foto: 1964 / Harry Pot Lizenz: CC BY-SQ 3.0NL

Zurück zum Spiel:

Ohne menschliche Gegner wurde das Spiel leider schnell langweilig, weil die Monate, wie oben beschrieben, eher gleich abliefen. Mit menschlichen Mitspielern war es aber ein großer Spaß sich gegenseitig lukrative Ölquellen wegzuschnappen bzw. sich zu sabotieren.

Das Spiel war auf dem PC ein EGA Spiel und kein grafisches Highlight aber "zweckmässig". Die Amiga-Version war etwas hübscher und farbenfroher (siehe oben). Der Sound war am PC auch eher dürftig, auch hier war der Amiga klar überlegen. Trotzdem machte es auf beiden Systemen viel Freude.

Übrigens gibt es Oil-Imperium heute noch und zwar als modernes Browserspiel von der Fa. Archangels Studio. Der dortige Geschäftsführer, Oliver Maslo, hat im Dezember 2014 sämtliche Namens- und Softwarerechte an dem Titel erworben. Das Browsergame ist natürlich wesentlich komplexer und realistischer als das Original von 1989. 

Das Spiel ist zu finden unter:  https://www.oilimperium.de/

Fazit:

Oil Imperium ist ein Klassiker der Wirtschaftssimulation und ein Spiel das wir damals oft gespielt haben. Durch den gelungenen Mix aus Geld scheffeln, Mini-Spielen und der Interaktion mit den menschlichen Mitspielern war es ein recht kurzweiliges Spiel. Es hatte irgendwie etwas von einem digitalen Monopoly. Alleine gegen den Computer machte das Spiel aber lange nicht den selben Spaß wie in einer kleinen Gruppe sich ärgernder Mitspieler....

 Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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