Retrospiele: Outlaws inkl. Interview mit Clint Bajakian (Soundtrack-Legende)

 


Die Einen werden sagen: "Er bespricht das erste Lucasarts Spiel und nimmt ausgerechnet Outlaws???" 

Die Anderen werden sagen: "Er nimmt sich einen Shooter aus den 90ern vor...aber Outlaws????" 

Ihr habt beide Recht, keine Angst 😁

Outlaws, 1997 von Lucasarts veröffentlicht, ist ein Spiel, das ich erst vor sehr kurzer Zeit durch eine Neu-Veröffentlichung von Disney (zu denen ja Lucasarts/Lucasfilm Games mittlerweile gehört) kennengelernt habe. Damals in den 90ern hatte ich es zwar wahrgenommen, aber, leider, nicht selbst gespielt.

In Outlaws spielt ihr Marshall James Anderson, einem Gesetzeshüter und Revolverheld im Ruhestand, der diesen mit seiner Frau und Tochter auf einer kleinen Farm verlebt. Leider möchte eine skrupellose Eisenbahngesellschaft sein Land nutzen und statt das auf dem zivilisierten Wege zu klären, geht einer der Schergen "all in" und überfällt, als der Marshall grade nicht zu Haus ist, seine Familie. Die Frau verletzt er so schwer, das sie, kurz nach dem sie Ihrem heimgekommenen Mann von der Tat erzählt hat, verstirbt. Die kleine Tochter entführt der Outlaw kurzerhand. Nachdem der Marshall seine Frau begraben hat, begibt er sich auf einen gnadenlosen Rachefeldzug....

Ein Beispiel der gezeichneten Cutscenes

Outlaws ist ein Western-Shooter mit viel Atmosphäre und sarkastischem Humor. Die Grafik war damals, bedingt durch die von Dark Forces übernommene "Jedi Engine", schon nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Grade im Vergleich zu Quake fällt sehr stark auf, das Outlaws die Gegner als "flache" 2D-Bitmaps darstellt, statt Polygone zu verwenden. Das gibt dem ganzen die Anmutung einer Schießbude mit Pappkameraden. Dieser grafische Nachteil gegenüber anderen Titeln fällt aber beim Spielen gar nicht so sehr negativ auf. Die Gegner fügen sich ganz gut ins Gesamtbild der stimmigen Western-Szenerie ein und bilden einen eigenen Stil. 

Das Spiel besteht aus klassischen Shooter-Elementen und kleinen Rätseln, bei denen es sich meistens um klassische Schlüssel-/Schalterrätsel des Typs "Wie komm ich da hin/rein" handelt. Das Waffenarsenal des Spiels kann sich sehen lassen, es reicht von Revolvern, Gewehren, Shotguns, einer Sniperwaffe bis hin zu stationären Gatlin Guns und Dynamit.

Gleich knallts! 😀

In jedem Level. das automatisch kartiert wird, gibt es jeweils einen "Endgegner", die aber meist einfach nur etwas schwerere Versionen der normalen Gegner sind.

Es gibt viele verschiedene Level, ein sehr geniales davon spielt in einem fahrenden Zug...

Wir verwandeln einen Zug in einen Geisterzug...

Was aber macht das Spiel nun so besonders, das man darüber sprechen muss und es kennen sollte?

Es gibt zwei Dinge:

1. Atmosphäre:

Outlaws hat eine ganz besonders Atmosphäre die einfach besonders ist. Das Spiel ist ganz klar eine Hommage an Sergio Leones legendäre Western aus den 60ern. Eigentlich sollte man die Filme ansehen, bevor man das Spiel spielt. Die ganze Atmosphäre, die Story und die Musikuntermalung atmet einfach den Geist Leones. Und genauso hart wie die Filme damals waren, ist auch das Spiel. Es ist ein beinharter Shooter mit einigen schönen sarkastischen Gags und auch netten Animationen. Besonders wenn man den Revolver nicht einzeln sondern per Dauerfeuer am Abzugshahn betätigt, kommt richtig Freude auf. 

Dauerfeuer...Westernstyle

Ein sehr wichtiger Teil, der auch wesentlich zur Atmosphäre und zur Story beiträgt, sind die wunderbaren Zeichentrick-Sequenzen, die zwischen den Leveln die Geschichte weitererzählen. Hier war ein echter Meister am Werk, denn der Zeichenstil dieser kleinen Filme ist ein echtes Highlight und schon allein wert, das Spiel mal zu spielen.        

2. Musik

Man kann nicht über dieses Spiel sprechen, ohne den wahren "Hauptdarsteller" des Spiels zu benennen, und der heißt Clint Bajakian. Das ist nicht der Marshall oder sonst jemand im Spiel, sondern der Komponist des unfassbar brillianten, hollywoodreifen Soundtracks. Clint war ab Anfang der 90er in leitenden Positionen im Audiobereich von Lucasfilm Games tätig und trägt zumindest Mitverantwortung für die Musik zu Spielen wie Monkey Island, Indiana Jones, Day of the Tentacle, Grim Fandango, und ist eben der Komponist für Outlaws. Der Outlaws-Soundtrack, der auf der CD/GOG Version enthalten ist, kam sogar als separate Musik-CD in die Läden, was ja nicht üblich ist für Spielesoundtracks. Clint Bajakian gewann dafür den "Outstanding Achievement Award" des amerikanischen Magazins Computer Gaming World.  

Später hat er für unterschiedliche Studios gearbeitet und dabei die Musik für ca. 200 Titel geschrieben, darunter für große Franchises wie World of Warcraft, Uncharted, God of War, Star Wars und viele andere. Eine Liste seines beeindruckenden Werkes könnt ihr hier auf seiner Homepage finden. 

Es ist keine Übertreibung ihn den "Ennio Morricone der Spielebranche" zu nennen, zumal sein Soundtrack für Outlaws durchaus vergleichbar mit dem Werk des italienischen Filmmusik-Genies ist. 

2013 bekam er den Lifetime Achievement Award der Game Audio Network Guild, und arbeitet heute am Konservatorium in San Francisco im Bereich "Technology & Applied Composition". 

Ohne Outlaws gespielt zu haben, kann man sich nicht vorstellen, was die Musik mit diesem, eigentlich ja eher mittelmäßigen, Spiel macht. Sie trägt unglaublich zum Flowgefühl bei, sorgt für sehr viele unterschiedliche atmosphärische Momente, prägt kurze Akzente und führt dazu, das man Level nochmal wiederholt, nur um diese fantastische Musik weiter hören zu können. Außerdem macht es einfach richtig Laune zu der Musik den Colt rauchen zu lassen um die bösen Schergen dem Schöpfer anzuempfehlen...😁.  Im Folgenden ein kleines Beispiel der Musik, es ist die erste Musik die man im Spiel hört und mein Favorit um den Stil zu erklären. Wie ihr unten lesen werdet, bevorzugt Clint Bajakian einen anderen Track, aber ich möchte das ihr den selber im Spiel hört....ein weiteres echtes Highlight.

Hinweis/Disclaimer:

Ich beziehe mich im Folgenden explizit auf das Zitatrecht (§51 UHG) des Urheberrecht. Die Musik, die essentieller Teil des besprochenen Spiels und dieses Artikels ist, kann nicht allein mit Worten, sondern nur Anhand eines Beispiels erschöpfend erklärt und besprochen werden. Deshalb habe ich hier einen kleinen Ausschnitt aus dem ersten Track "Outlaws" eingefügt, der  um die Verhältnismäßigkeit des Zitats zu wahren, auf 1 Min gekürzt ist. Er zeigt aber die Vielseitigkeit der Instrumentierung und den Stil der Musik des Spiels und des Werks von Clint Bajakian. Da sowohl ich in diesem Artikel, als auch Clint Bajakian unten im Interview, explizit auf diese Musik Bezug nimmt, ist ein kurzes Beispiel essentiell zum Verständnis. Die Musik Datei befindet sich auf meinem Server (nicht im öffentlichen Internet) und ist hier lediglich zum Abspielen eingebunden.   

                                                

                                              Copyright: Lucasfilm Games / Komponist: Clint Bajakian / Titel: "Outlaws"

Interview mit Clint Bajakian

Ich habe Clint Bajakian im Vorwege kontaktiert, und habe mit ihm ein kleines Mail-Interview geführt, das ich hier wiedergeben möchte:  

1. Welche Filme oder anderen Medien waren Vorbild für die Musik zu Outlaws? Sergio Leones Filme der "Für eine Handvoll Dollar Reihe", nehme ich an?

Ja. Der Projektleiter von Outlaws, Darren Stinnet, kam auf mich zu und meinte, er benötige einen Western-Soundtrack im Stil der "Spaghetti Western" der 60er. Vorbild sollten Ennio Morricones weltberühmte Soundtracks zu Sergio Leones Meisterwerken "The Good, the Bad, The Ugly" ("Zwei glorreiche Halunken") und "Once upon a Time in the West ("Spiel mir das Lied vom Tod") sein. Ich bin mit diesen Filmen aufgewachsen, und war sehr froh, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen.

2. Mit welchem Orchester wurde die Musik aufgenommen?

Mit gar keinem, ehrlich gesagt. Es wurden aber sehr viele Live-Instrumente eingesetzt wie verschiedene Gitarren, Blasinstrumente, Mundharmonika, ein Streichquartet, Percussion, eine Live Flamenco Tänzerin auf Parkett, Holzblasinstrumente, Trompeten und mehr. Ich selbst habe die Gitarren, die einfacheren Blasinstrumente sowie das Piano gespielt. Andere Teile wie Geige und einige Blechblasinstrumente wurden aber auch gesampelt. Es war zwar viel Arbeit im Studio, aber es hat auch viel Spaß gemacht, den Soundtrack anzugehen, wie bei einem Musikalbum. Als "Redbook CD" musste die Musik wie ein echtes Album aufgenommen werden. 

3. Hast Du eigentlich eine Art von Beta Version des Spiels gehabt, vor dem Komponieren?

Nein. Ich habe mir einfach Morricones Soundtracks angehört und eines Tages habe ich sie beiseite gelegt und angefangen, meine eigene Musik in seinem Stil zu schreiben. Das half mir die Balance zwischen einer ehrlichen Hommage und eigenen Einflüssen zu halten. Die Musik an sich habe ich sehr schnell geschrieben, dann aber wirklich viel Zeit in die Studio-Produktion gesteckt. Mein Freund Hans Reumschüssel, der übrigens aus der Nähe von Hannover stammt, hat mir sehr geholfen und war für die Aufnahme und das Abmischen zuständig, aber auch zu einem großen Teil mein Co-Produzent. 

4. Welcher Track aus Outlaws gefällt dir am besten?

Ich glaube "Annas Theme", da es das Hauptereignis der Geschichte, den Mord an seiner Frau, widerspiegelt, aber dies auf emotionale, wehmütige Weise, mit einem Crescendo, das den Tod des Erzfeindes und das Überleben von sich selbst und seiner Tochter am Ende der Zwischensequenz auszeichnet.

5. Auf welcher deiner Arbeiten bist du besonders stolz?

Ich hatte zahlreiche Rollen in meiner Arbeit, aber ich würde sagen, als Produzent war mein Lieblingswerk God of War I, II und III, wo ich feststellte, was zu tun war. um eine Gruppe guter Komponisten anzuweisen, die Partituren zu erstellen . Auch Uncharted auf diese Weise (1, 2 und 3), aber ich hatte das Glück, eine zusätzliche Komposition für diese zu machen, um die Punktzahl von Greg Edmonson zu erhöhen. Meine Arbeit an World of Warcraft für ein Live-Orchester mit Chor war enorm lohnend, einschließlich die Arbeit mit demselben Londoner Chor, der in den Lord of the Rings-Filmen gesungen hat. Ich liebe Sam n Max Hit the Road und alle Monkey Island-Spiele, an denen ich gearbeitet habe, aber mein Favorit müsste Outlaws sein, weil es einen dramatischen Umfang und einen lustigen, interessanten Stil hat.    

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal wirklich bedanken, das Clint sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Thank you very much Clint!

Fazit: 

Outlaws ist ein guter Shooter in einem interessanten Setting. Er ist grafisch jetzt nicht überragend, aber mit toller Story, großartiger Atmosphäre und einem fantastischem Soundtrack. Das Spiel macht in seiner Gesamtheit einfach sehr viel Spaß, die Story entwickelt sich spannend und die Schauplätze sind stimmig. Ich kann das Spiel nur empfehlen und werde es, allein wegen der Musik und der Atmosphäre immer wieder mal starten.   

Hinweis: Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (http://www.mobygames.com).

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