Firmenportrait: id Software

 


Heute kümmere ich mich mal um id-Software, eine Firma die großes geleistet und viele Fans hat aber auch polarisiert. Ich sehe die Geschichte der Firma auch etwas zwiespältig, was ich gern in diesem Text näher beleuchten möchte.

Um es gleich zu sagen: id-Software war in den 90ern ein sehr wichtiges Unternehmen, das besonders das Genre "Shooter" und den PC als die dominierende Spieleplattform definiert und revolutioniert hat. Leider ist "id" schon Anfang der 2000er zu einem mehr oder weniger irrelevanten Unternehmen geworden, das von anderen Entwicklern und schnell Firmen überholt wurde. Insofern kann ich den Ruf, den das Unternehmen teilweise noch hat, nicht nachvollziehen, zumal in diesem Jahrhundert kein absolut relevantes Spiel direkt von id veröffentlicht wurde. Die Spiele der 90er waren allerdings ohne Frage bahnbrechend.

Aber zur Geschichte von id-Software:

Die Firma id-Software geht auf ein Diskettenmagazin der 80er Jahre zurück: Softdisk. Softdisk verkaufte monatlich eine Diskette mit Software, erst für den C64 und andere Systeme, später auch für den PC. Auf der Diskette waren verschiedene Programme enthalten, darunter auch Spiele. Einige dieser Programmierer gelangten als Gründer von id-Software zu Weltruhm: besonders John Carmack und John Romero.

John Carmack auf der GDC 2010
Lizenz: CC BY 2.0 Autor: GDC

John Romero 2010
Lizenz: CC BY 2.0 Autor: Jason Scott

John Carmack stellte sich als besonders talentiert raus und hatte eine Software-Routine entwickelt, die erstmal Scrolling auf dem PC ermöglichte. Das mag trivial klingen, aber Scrolling war bis dahin technisch unmöglich gewesen und blieb ein Vorteil von anderen Systemen wie Konsolen, C64 und Amiga. Allerdings benötigte das Scrolling-Feature eine moderne EGA-Grafikkarte, die noch wenig verbreitet war. Insofern stieß Carmack bei seinem Arbeitgeber auf taube Ohren, denn die Programme von Softdisk mussten für ein größeres Publikum gedacht sein. 
Ein wichtiger Titel von Softdisk war ein Spiel namens "Dangerous Dave", das von John Romero stammte.

Dangerous Dave

Aus Spaß und zur Demonstration programmierten Carmack und Romero mit Grafiken aus Dangerous Dave die ersten 3 Level von Super Mario Bros. 3 nach und nannten das Werk "Dangerous Dave in Copyright Infringement"😁. Es war das erste scrollende Spiel für den PC!
Legendärerweise gingen sie damit zu Nintendo, um zu zeigen, das man Mario auch auf den PC portieren könnte. Ebenso legendärerweise lehnt Nintendo ab. Eigentlich wäre so ein Angebot für eine Firma ein "No-Brainer", weil die ganze technische Portierungsarbeit schon erledigt war und man es im Prinzip nur noch fertigprogrammieren und veröffentlichen musste. 
Insgesamt wurden John Carmack & Co also zwei mal mit ihrem Konzept eines scrollenden Spiels für den PC abgelehnt.
Was tut man wenn man von seinem Arbeitgeber nicht genug geschätzt wird? Man macht sich selbstständig! Carmack, Romero, sowie Tom Hall und der Softdisk Grafiker Adrian Carmack (nicht verwandt mit John Carmack) arbeiteten zuerst in der Freizeit an einem neuen Jump 'n Run auf Basis der neu entwickelten Technik.
Am 14. Dezember 1990 erschien Commander Keen 1, das erste "offizielle" Spiel mit Scrolling auf dem PC. Es kam einer Revolution gleich. Am 1. Februar 1991 gründeten die vier ihre eigene Firma: id-Software. Am 31.Januar hatten alle zusammen Softdisk verlassen, allerdings mit einem Deal, weiterhin Programme für Softdisk zu liefern. Die eigenen Werke von id wurden über den Shareware-Anbieter Apogee veröffentlicht. Man erhielt eine Episode kostenlos, und musste die weiteren per Mailorder bestellen. Dieses Vertriebskonzept sollte sich als sehr erfolgreich erweisen und ist quasi die erste Inkarnation des späteren "Free to Play".
Aus dieser Zeit stammen viele Anekdoten über id-Software. Zuerst wurden die vier von Apogee-Gründer Scott Miller finanziert. Die 4 Gründer von id lebten zusammen in einem Haus und programmierten teilweise die Nächte durch. 
Die ersten Veröffentlichung von id war 1991 Commander Keen - Goodbye Galaxy.

Commander Keen - Goodbye Galaxy

1992 veröffentlichte id dann ein Spiel, das das Unternehmen zur Legende machte: Wolfenstein 3D!

Wolfenstein 3D

Wolfenstein 3D war nicht das erste 3D-Spiel von id, es gab davor schon "Testläufe" mit Hovertank 3D und Catacomb 3D. Letzteres war auch mein erster Zugang zum 3D Konzept. Die Spiele erlangten aber nur Insider-Bekanntheit. 
Wolfenstein 3D hingegen war eine Revolution, wie es sie nur selten in der PC Branche gab. Das Spiel war das erste wirklich kommerziell erfolgreiche 3D-Spiel, auch wenn es auf 2D-Levelarchitektur basierte. Es gab also keine erhöhten Passagen, Treppen, 3D-Objekte oder ähnliches. 
Man spielt den US-Soldaten William "B.J." Blaskowitz, der von den Nazis gefangen genommen und auf Burg Wolfenstein gefangen gehalten wird. Nachdem man die Wache in seiner Zelle umgebracht hat, muss man sich den Weg in die Freiheit erkämpfen. Dieses geschieht aus der, damals neuen, "Ego-Perspektive". Das Spiel enthält schon von Anfang an viele Elemente die stilbildend für weitere "Ego-Shooter" werden sollten: verwinkelte Level, verschiedene Waffen, Munitionspacks, Healthpacks, Geheimareale etc. 
Das Spiel war erfolgreich, wurde allerdings in Deutschland schnell indiziert, allerdings nicht wegen der Verbreitung von Nazi-Symbolen, wie oft gemutmaßt wurde, sondern wegen der Verherrlichung von Selbstjustiz. Da es aber ja die erste Episode kostenlos gab, war das Spiel, trotz Indizierung, massenhaft verbreitet. Auch die Vollversion wurde ein Raubkopie-Hit. 
Dieses Spiel machte, vielleicht zusammen mit Origin Titeln wie Wing Commander, plötzlich klar, das die Zeiten der Heimcomputer wie Atari ST und Amiga zu Ende waren. Id-Software hat, trotz großer Verbreitung der anderen Systeme, von Anfang an nur auf den PC als Plattform gesetzt. Origin hatte 1992 noch versucht, Wing Commander auf den Amiga zu portieren, was auf einem, "ungetunten", Amiga zu einem unspielbarem Produkt und negativer Presse führte. War der Amiga vor "id", noch überlegen (Stichworte "Sound" & "Scrolling") oder zumindest ebenbürtig, endete dies spätestens mit dem Aufkommen der 3D-Spiele wie Wolfenstein 3D.

Doom I

Die nächsten 3 Spiele manifestierten den Legendenstatus des Unternehmens, es kamen nämlich die legendären Spiele Doom (1993), Doom II (1994) und Quake (1996) heraus. Alle drei Spiele, aber besonders die beiden Doom Titel, waren bahnbrechend, auch wenn es letztendlich natürlich logische Weiterentwicklungen von Wolfenstein 3D waren. 
Mit Doom startete aber das Genre "Shooter" richtig durch, das Spiel war unglaublich populär. Bedingt durch den Shareware-Vertriebsweg, bei der man die erste Episode frei kopieren durfte, gab es kaum einen Spieler der 90er, der das Spiel nie gesehen/gespielt hat. Es galt in den 90ern als das am weitesten verbreitete PC-Programm überhaupt.  
Viele Spieler und Experten kategorisieren die PC-Spiele Geschichte oft in "vor Doom" und "nach Doom". Wenn man vom Jahr 1993 in der Spielegeschichte spricht, dann ist das vor allem das Jahr, in dem Doom erschienen ist. Man kann sich den "Wow-Effekt" gar nicht mehr vorstellen, den das damals ausgelöst hat.

Mit diesen Spielen begründete id die Multiplayer-Fähigkeit von PC-Spielen und setzte auch viele Begriffe, die heute unter Shooter-Spielern vollkommen normal sind, wie z.B. "Frag" oder "Deathmatch". Auch das Modding von Leveln wurde durch id populär. Ich erinnere mich noch sehr gut an Experimente im Freundeskreis, bei denen wir die Wandtexturen gegen eigene Bilder austauschten. 😁
 
In diesen Spielen sah man auch den etwas anarchischen Humor der Texaner von id. So gab es natürlich die berühmte Kettensäge, die damals pure Provokation war. Sehr cool fand ich die Idee in Doom 2, wo die Kettensäge gleich im 1. Level versteckt war, und zwar genau hinter dem Startpunkt des Spielers! Aber wer dreht sich schon um und geht zurück, wenn von vorn Gegner kommen....😁  
Ebenso bekannt ist die "BFG"-Waffe, was für nichts anderes als "Big Fuckin' Gun" steht. Der bekannteste Cheatcode, der sofort alle Waffen freischaltet, lautete "IDKFA", was laut Romero einfach für "Kill Fuckin' All" stehen sollte. 
Beim Doom II Soundtrack ist ein Song enthalten der "Waiting for Romero to play" heißt. Dieser, sehr ruhige, Titel gilt als Anspielung auf John Romero, der bei Spielesessions angeblich immer besonders "mitgegangen" ist und in frühen Versionen (die noch ohne Sound waren) den Sound einfach imitierte. 
Am meisten hat mich als Rock-Fan damals aber ein kleiner "Gag" in Quake beeindruckt, denn der Soundtrack stammt von der amerikanischen Band "Nine Inch Nails". Im Spiel gibt es ein Nagelgewehr (großartige Waffe übrigens!😜)...und was steht auf den zugehörigen Munitionspackungen? Richtig... 
Die Größe der passenden Nägel natürlich.... NIN...Nine Inch Nails.... genau mein Humor 😁.
Die Zusammenarbeit mit Trent Reznor und seiner Band kam übrigens zu Stande, weil er großer Doom Fan und die Macher große Nine Inch Nails Fans waren. Ob die "Nailgun" schon vorher im Spiel war, ist leider nicht überliefert... 😀

Quake I und die legendäre Nailgun

Übrigens trennte sich id Software schon vor der Entwicklung von Doom von Apogee und vertrieb das Spiel allein, nach dem selben Prinzip. Wenn man also die weiteren Doom Episoden kaufen wollte, schreib man einen Geld-Brief an id Software und bekam die Datenträger zugesendet. Zu Anfang war die Wahrscheinlichkeit groß, das die Datenträger von den Entwicklern selbst verpackt wurden....so groß war die Nachfrage.
Seit dieser Zeit gilt vor allem John Carmack als Programmier-Genie, was er sicherlich damals auch war. Allerdings halte ich den Status insgesamt für übertrieben. Das er technisch brilliant war steht außer Frage, wie sich aber zeigen sollte, bedeutet das nicht, das die Spiele automatisch immer gut werden.
 
Erstmal machten die Spiele die Gründer von id zu sehr reichen Menschen und zu den ersten "Rockstars" der Programmierszene. Auf Messen kam es zu tumultartigen Szenen, wenn einer von den Programmierern auftauchte, gern auch mit einem "I wrote Doom" T-Shirt. Alle kauften sich Sportwagen, lieferten sich Rennen und hatten eine recht exzentrische Zeit. Aus dieser Zeit gibt es viele Anekdoten über nächtliche Partys, Sauforgien, zertrümmerte Einrichtungen und so weiter...

Ja, dann ist doch alles gut und der legendäre Ruf begründet oder?

Bis hierhin würde ich das auch unterschreiben. Allerdings wurde id, besonders nach dem baldigen Weggang von John Romero und Tom Hall, schnell von anderen Unternehmen und Entwicklern überholt. Das war schon 1996 zu sehen, als 3D Realms mit Duke Nukem 3D ein viel besseres Spiel vorlegte, als es Doom je war. Das Leveldesign mit "echten" 3D-Räumen, besserer Gegnerintelligenz, mehr Humor, besseren Waffen, interaktiven Texturen.... es war einfach ein geniales Spiel, das zudem in einer realistischeren Welt spielte als Doom, was natürlich höhere Anforderungen an die Designer stellte als die "Dungeons" von Doom. Das im selben Jahr veröffentlichte Quake war auf seine Art auch ein sehr gutes Spiel, und war nochmal eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Doom.
 
Id-Software hatte die Idee über die eigenen Spiele die zugrunde liegende Engine an andere Spiele-Firmen zu lizensieren. Diese sollten also ihre eigenen Spiele auf Basis der jeweiligen Engine erstellen. Das Spiel sollte quasi "nur" eine Art "Technikdemo" zum Vertrieb der Engine darstellen. Dieses ging nur kurze Zeit gut, nämlich bis ca. zum Jahr 2003.

Id bekam schon zum Ende der 90er massiv Konkurrenz die in vielen Bereichen innovativer war bzw. bessere Spiele machte. Man war weder Technologieführer und schon gar kein Hersteller besonders guter Spiele mehr. 1998 kam Half-Life vom Newcomer Valve auf den Markt, das zwar auf der Quake Engine basierte, aber schon mit dem 2. Teil eine Eigene nutzte. 1999 kam die Half-Life Mod Counterstrike, bis heute DAS Multiplayerspiel auf Turnieren.
Ebenfalls 1998 kam ein Titel heraus, der eine weitere Revolution, besonders im Bereich von Grafikengines, einläutete: Unreal von Epic Megagames. Dieses Spiel begründete den Aufstieg von Epic als Unternehmen und der Unreal Engine als dominierende Grafikengine im Shootermarkt. 
Id's Vertriebsidee war erfolgreich kopiert worden!

Unreal Tournament 

1999 erschien mit Epic's Unreal Tournament nichts weniger als ein Netzwerkshooter-Meisterwerk. Die Grafikeffekte und vor allem die Geschwindigkeit des Spiels waren damals unerreicht und beeindrucken noch heute. Unreal Tournament dominierte, zusammen mit Valves Half-Life/Counterstrike, die Multiplayerszene und die LAN-Partys. Das ebenfalls '99 erschienene Quake III-Arena kam fast zu spät, um noch relevanter Teil dieser Revolution zu sein. Es wirkte schon wie ein "nachgemachtes Spielkonzept". Ich habe damals als PC-Abteilungsleiter einer Elektronik-Kette gearbeitet....Half-Life sowie "UT" waren bei weitem die meistverkauften Spiele im Weihnachtsgeschäft 1999. Vermutlich auch deswegen, weil von einer baldigen Indizierung auszugehen war. 

Der Erfolg von Unreal und Half-Life kamen einem Machtwechsel gleich. Counterstrike ist bis heute eines der meistgespielten Spiele im Team-Shooter-Bereich, die Unreal Engine von Epic die bei weitem am meisten verwendete Engine für Spiele dieser Art. 
Nur mal zum Vergleich: Es sind bis heute seit 1998 über 160 Spiele mit einer Epic/Unreal Engine erschienen, aber in dem Zeitraum nur 27 mit einer id-Engine, die meisten davon von id-eigene Titel. 

Schon Anfang der 2000er wurde klar, das id einfach keine guten, innovativen Spiele mehr machte, sondern sich mehr und mehr im "alten Ruhm" sonnte. Anfang der 2000er kam mit "Return to Castle Wolfenstein" nochmal ein Achtungserfolg, der aber schon nicht mehr von id direkt kam, sondern "nur" Co-Produziert wurde. Aber schon da waren andere Titel, meiner Meinung nach, besser und objektiv erfolgreicher. Return to Castle Wolfenstein war ein atmosphärisch gutes Spiel, aber im Vorjahr kam das, sofort indizierte und auf der alten Quake Engine basierende, Spiel "Soldier of Fortune" von Raven Software heraus, das zeigte, wie ein moderner Shooter zu sein hatte. Wenn ich aus der Zeit der Jahrtausendwende einen Shooter spiele, dann Soldier of Fortune oder Unreal Tournament.

Return to Castle Wolfenstein

Zudem kamen eine Reihe von anderen Shootern/Action-Spielen auf den Markt, die aufzeigten, das id nicht mehr so relevant wie in den 90ern war. Dazu zähle ich Titel wie Medal of Honor, Deus Ex, Halo (andere Plattform...ich weiß), Mafia, die GTA Reihe und vor allem später die Call of Dutys, Crysis und Far Crys. Der Trend ging einfach weg von relativ simplen "Horror-Shootern" mit "Monster-Orgien" hin zu realistischeren "Story-Shootern", taktischen Shootern und Open World Spielen.
Id Software hat diesen Trend leider komplett verschlafen und blieb bei immer weiteren (und immer weniger relevanten) Iterationen ihrer Franchises "Doom", "Quake" und "Wolfenstein". Wegen zu langer Entwicklungszeiten und zu geringem Output kam id-Software in Schwierigkeiten und wurde folgerichtig 2009 von Zenimax Media übernommen. Zenimax Media ist die Muttergesellschaft von Bethesda Softworks, die mit der Elder Scrolls Rollenspielserie ("Skyrim") und Fallout Furore gemacht hatten. Seit kamen von id,  außer mit "Rage", nur Spiele der oben genannten id-Franchises auf den Markt. 
Bezeichnend finde ich beispielsweise, das id (bzw. Bethesda), 2012 mit dem Spiel "Doom III BFG-Edition" eine grafisch aufgewertete Fassung des 8 Jahre alten (!) Doom 3 rausbrachte.
Andere Titel der Wolfenstein und Quake Reihen wurden schon ab dem Jahr 2000 zu anderen Studios wie Raven Software oder Splash/Nerve "ausgelagert" und lediglich Co-Produziert. 

Doom 3

In den 8 Jahren zwischen 2004 (Doom 3) und 2012 (Doom 3 "BFG") gab es nur 2 (zwei!) offizielle Titel, die von id-Software direkt kamen: Quake Live (2010) und Rage (2011). Das ist natürlich zum Überleben eines Studios viel zu wenig, weshalb id 2009 verkauft werden musste. 
Zum Vergleich: Im selben Zeitraum kamen allein 8 Call of Duty Teile heraus, die heute das "große Geld" machen.... id hat einfach in den 2000ern den Anschluss verpasst, sowohl was neue Themen und Franchises für Shooter, als auch was den Vertrieb der Engine Lizenzen anging. Grade bei den Lizenzen beschwerten sich potentielle Kunden über lange Zeit, das die Toolkits, im Vergleich zur Unreal Engine, nicht ausgereift waren.

Schaut man sich heute von Fans erstellte Listen der "besten Shooter aller Zeiten" an, dann tauchen in der Regel nur sehr wenige id-Titel darin auf. Meistens ist Doom als "Vater des modernen Shooters" noch in den Top-10, aber die weiteren Plätze zeigen einfach, das id seit Ende der 90er Jahre keine sehr guten, spiele-historisch relavanten, Spiele mehr veröffentlicht hat. 
Das mag auch daran liegen, das drei der vier Gründer von id die Firma relativ schnell verließen. Tom Hall verließ id schon während der Entwicklung von Doom nach Meinungsverschiedenheiten mit John Carmack in Richtung 3D Realms und war maßgeblich an Duke Nukem 3D beteiligt. Später gründete er mit John Romero, dem die beiden "Carmacks" 1996 im Streit die Kündigung "nahelegten", die Firma Ion Storm.  Damit waren die Leveldesigner der ersten Werke nicht mehr bei id-Software beschäftigt.
Grafiker Adrian Carmack verließ id 2005, John Carmack 2013, um sich ganz Oculus VR zu widmen. Keiner der Gründer war je wieder so erfolgreich wie in den 90ern bei id. 
Die Fa. Ion Storm gab es beispielsweise nur wenige Jahre und wurde für deren Publisher Eidos zu einer finanziellen Katastrophe. Besonders das erste Werk, John Romero's Daikatana, wurde ein Desaster... sowohl finanziell, als auch qualitativ. Es galt aber damals mit über 10 Mio $ Entwicklungskosten als eines der teuersten Spiele. Schon die zeitgenössischen Tests kritisierten es jedoch als "unspektakuläres Ballerspiel" das z.B. im Vergleich zu Half-Life "altbacken" wirke. 
Allerdings sorgten andere Entwickler von Ion Storm, zum Beispiel Tom Hall und Warren Spector mit den beiden Deus Ex Teilen und Anachronox für Hits, die aber das Gesamtstudio nicht mehr retten konnten. Die einzelnen Teile wurden 2001 und 2005 aufgelöst.
Keiner der Gründer von id-Software ist heute noch für größere Spielehersteller /-publisher tätig.

Zenimax Media (und damit Bethesda/id-Software) wurde im September 2020 komplett von Microsoft übernommen um deren Games-Bereich zu pushen. Es ist davon auszugehen, das sich Microsoft vorwiegend auf Exklusiv-Titel für seine Xbox Architektur konzentrieren wird, was nichts Gutes für kommende Titel auf dem PC vermuten lässt, die dann, wenn überhaupt, Konsolen-Portierungen sein werden.    

Fazit:

Id Software war für eine kurze Zeit in den 90ern die absolute Speerspitze der PC-Technik und hat sich in dieser Zeit, ohne Frage, den Ruf als legendäres Entwicklerstudio verdient. Ohne id hätte es das Genre Shooter und nicht einmal das Scrolling in der Form auf dem PC gegeben! Zudem gilt id als Begründer des Multiplayer-Shooters und der Modbarkeit von Spielen. 
Allerdings haben sie diese "Pole Position" recht schnell verloren und haben im neuen Jahrtausend eher mittelmäßige Spiele abgeliefert, die technisch nicht mehr bahnbrechend waren, was auch die Verbreitung und den Vertrieb der Engine-Lizenzen schwächte. Natürlich kann niemand erwarten, das jedes Spiel bahnbrechend ist, aber id hat trotz bester Startbedingungen viele Trends verschlafen und ist jetzt nicht mehr als eine "Marke" von Bethesda und gehört damit seit September 2020 sogar zu Microsoft. Ich kann mir nicht vorstellen, das die mit der Marke "id", die ja bei dem Bethesda Deal einfach "dabei" war, noch viel vorhaben.
Ich glaube es wäre manchmal in der Rückschau fast "besser", als legendäres Unternehmen kurz nach dem Höhepunkt mit "fliegenden Fahnen" unterzugehen (Westwood, Bullfrog, Origin, Microprose), als wenn man langsam untergeht und als "Anhängsel" von Bethesda bei Microsoft endet.... 

Spielehistorie von id-Software

Eigenproduzierter Spiele von id-Software:

1990/1991
Commander Keen (1-6)
Keen Dreams
Shadow Knights
Dangerous Dave in the haunted Mission
Hovertank 3D
Catacomb 3D

1992
Wolfenstein 3D
Spear of Destiny

1993
Doom

1994
Doom 2 - Hell on Earth

1996
Quake

1997
Quake II

1999
Quake III Arena

2004
Doom 3

2010
Quake Live

2011
Rage

2012
Doom 3 - BFG Edition

2016
Doom

2020
Doom Eternal 

Co-Produzierte Spiele anderer Studios:

2001
Return to Castle Wolfenstein (Nerve Software)

2003
Wolfenstein Enemy Territory (Splash Damage)

2005
Doom 3: Ressurrection of Evil (Nerve Software)
Quake 4 (Raven Software)

2007
Enemy Territory - Quake Wars (Splash Damage)

2009
Wolfenstein (Raven Software)

2018
Quake Champions (Saber Interactive)

2019
Rage 2 (Avalanche Studios)

Quelle Spieleliste: Wikipedia.org 

Hinweise: 

Alle Screenshots/Cover stammen von Mobygames (https://www.mobygames.com)

Logo der Fa. id-Software von Wikipedia (https://www.wikipedia.org).

Alle verwendeten Icons, Screenshots, Bilder und andere Grafiken sowie alle verwendeten Marken-, Spiele- und Produktnamen und Logos sind Eigentum ihrer jeweiligen Besitzer.